Wirtschaft

Handwerk als Motor aus der Krise

Handwerkssprecher Robert Klauer (rechts) und der Landtagsabgeordnete Bernhard Pohl trafen sich, um über die Belange des Handwers in der Corona-Krise zu reden.

Handwerkssprecher Robert Klauer (rechts) und der Landtagsabgeordnete Bernhard Pohl trafen sich, um über die Belange des Handwers in der Corona-Krise zu reden.

Bild: Büro Pohl

Handwerkssprecher Robert Klauer (rechts) und der Landtagsabgeordnete Bernhard Pohl trafen sich, um über die Belange des Handwers in der Corona-Krise zu reden.

Bild: Büro Pohl

Vorsitzender der Kreishandwerkerschaft Robert Klauer im Dialog mit dem Freie-Wähler-Abgeordneten Bernhard Pohl
07.01.2021 | Stand: 06:00 Uhr

„Das Handwerk ist ein entscheidender Faktor, um die gesamte Wirtschaft in dieser schwierigen Phase zu stabilisieren“, davon ist Robert Klauer, Vorsitzender der Kreishandwerkerschaft Ostallgäu-Kaufbeuren, überzeugt. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen kämen die Betriebe in den meisten Branchen gut durch die Krise. Corona zeige, wie wertvoll es sei, „dass wir speziell hier in Bayern eine Vielzahl kleiner und mittelständischer Handwerksbetriebe haben“, so Klauer. Besonders die Bauwirtschaft sieht er in einer Schlüsselrolle und verbindet dies mit Forderungen: „Der Staat und die Kommunen dürfen ihre Investitionen jetzt nicht zurückfahren.“

Der Kaufbeurer Landtagsabgeordnete Bernhard Pohl (Freie Wähler) stimmt Klauer zu: „Der Staat darf nicht an der falschen Stelle sparen. Wer in der jetzigen Situation Investitionen zurückfährt, wird am Ende nur noch weniger Geld in der Tasche haben.“ Als haushaltspolitischer Sprecher seiner Fraktion verweist Pohl darauf, dass durch den Kommunalen Finanzausgleich mehr als zehn Milliarden Euro an die Städte und Gemeinden gehen: „Ich erwarte dann aber auch, dass sie ihre Investitionen nicht Corona-bedingt zurückfahren. Das wäre eine denkbar schlechte Antwort auf die Herausforderungen.“ Pohl erinnert auch daran, dass die Stadt Kaufbeuren das Jahr 2020 vermutlich mit einer schwarzen Null abschließen wird, während der Freistaat nicht nur in die Rücklagen greifen müsse, sondern nach vielen Jahren erstmals wieder eine merkliche Neuverschuldung in Kauf zu nehmen habe.

Gemeinden und Städte sind gefordert

Ein weiteres Thema bei dem Austausch waren die stark steigenden Kosten, gerade bei öffentlichen Bauvorhaben. Handwerkssprecher Klauer warnte davor, öffentliche Ausschreibungen so zu gestalten, dass Generalunternehmer bevorzugt werden. Aus Erfahrung wisse er, dass Kommunen gerade bei schwierigen Baustellen Probleme schneller und sachgerechter beheben könnten, wenn sie die Handwerksfirma direkt beauftragt und kein Generalunternehmer dazwischengeschaltet werde. „Es ist außerdem nicht jedermanns Sache, sich als Subunternehmer von einem Generalunternehmer abhängig zu machen“, weiß Klauer von seinen Kollegen: In solchen Fällen böten örtliche Handwerksbetrieb oft gar nicht mit.

Auch Pohl sieht die Beauftragung eines Generalunternehmers in den meisten Fällen kritisch: „Grundsätzlich besteht die große Gefahr, dass die Baukultur, die Qualität und Individualität verloren gehen und damit das Orts- und Stadtbild darunter leidet. Ich brauche nicht für alles einen Wettbewerb, möchte aber die Erfahrung kreativer Architekten und Handwerksbetriebe vor Ort nutzen.“

Klauer und Pohl, beide Mitglieder im Kaufbeurer Stadtrat, sprachen auch über die Schaffung ausreichender und bezahlbarer Wohnungen. Pohl verwies auf den „starken Zuzugsdruck aus dem Großraum München, der seit Jahren in Kaufbeuren und im nördlichen Ostallgäu spürbar sei: „Dem können wir nur dadurch begegnen, dass wir ausreichend bezahlbaren Wohnraum schaffen, sonst sind am Ende die Einheimischen die Verlierer“, warnt Pohl. Er forderte erneut, speziell in Städten wie Kaufbeuren, flächensparend zu bauen. „Dabei ist die Überbauung von Parkplätzen und Verkehrsflächen ebenso ein Thema wie der Bau von Hochhäusern an geeigneter Stelle“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Klauer fordert vom Gesetzgeber in Berlin und München noch mehr Mut zur Entbürokratisierung: „Überquellende Bauverordnungen sorgen für einen hohen Verwaltungsaufwand für die Betriebe, für lange Ausführungszeiten und somit für steigende Preise.“

Pohl sieht hier die Novelle der Bayerischen Bauordnung als einen ersten richtigen Schritt: „Die Gesetzesänderung geht in die richtige Richtung.“ Man müsse aber die kritische Überprüfung bürokratischer Hürden als Daueraufgabe begreifen. Mit Blick auf den Denkmalschutz verlangt Pohl Augenmaß. (az)