Wlan

Der neue Wlan-Standard Wi-Fi 6 kommt - muss ich jetzt umsteigen?

Geht es ums Wlan, führt künftig kein Weg an Wi-Fi 6 vorbei. Denn der neue Funkstandard punktet in Sachen Effizienz. Doch wie schnell muss man umsteigen?

Geht es ums Wlan, führt künftig kein Weg an Wi-Fi 6 vorbei. Denn der neue Funkstandard punktet in Sachen Effizienz. Doch wie schnell muss man umsteigen?

Bild: Britta Pedersen, dpa (Archiv)

Geht es ums Wlan, führt künftig kein Weg an Wi-Fi 6 vorbei. Denn der neue Funkstandard punktet in Sachen Effizienz. Doch wie schnell muss man umsteigen?

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Geht es ums Wlan, führt künftig kein Weg an Wi-Fi 6 vorbei. Denn der neue Funkstandard punktet in Sachen Effizienz. Doch wie schnell muss man umsteigen?
dpa
15.12.2020 | Stand: 10:16 Uhr

Immer mehr Geräte zuhause laufen über Wlan. Da kann das Funknetz schon an seine Grenzen kommen: Streams ruckeln, Webseiten öffnen sich nur langsam. Verbesserungen verspricht der neue WLAN-Standard Wi-Fi 6. "Hier kommt eine Technik zum Einsatz, die auf das sperrige Kürzel OFDMA hört, womit die gesamte Bandbreite deutlich effizienter genutzt werden kann", erklärt Ernst Ahlers vom Fachmagazin "c't".

Das Wichtigste zum neuen Wlan-Standard im Überblick.

Was ist der Unterschied zwischen Wi-Fi 5 und Wi-Fi 6?

Während bei den bisherigen WLAN-Standards, also auch beim derzeit aktuellen Wi-Fi 5, der Router quasi alle seine "Jobs" nacheinander abarbeitet, kann Wi-Fi 6 mehrere Teilnehmer gleichzeitig bedienen. "Stellt man sich die Luftschnittstelle des Netzwerks als mehrspurige Autobahn vor, können die Geräte mit Wi-Fi 6 jeweils eigene Fahrspuren nutzen", erklärt es Olaf Hagemann vom US-Netzwerktechnik-Spezialisten Extreme Networks.

Bei Wi-Fi 6 laufe der Verkehr auf der Datenautobahn also stets flüssig, wohingegen bei vorherigen WLAN-Versionen schon mal ein Stau entstanden sei - weil es eben nur eine Fahrspur gab.

Dann geht mit Wi-Fi 6 also alles schneller?

Nicht unbedingt. Deutliche Geschwindigkeitszuwächse seien von Wi-Fi 6 allerdings zunächst nicht zu erwarten, meint Ahlers. "Unter wirklich optimalen Bedingungen schafft der neue Standard 1 Gigabit pro Sekunde (GBit/s), dazu aber müssen alle Komponenten mit dem neuesten Standard arbeiten und es darf auch kein weiterer User auf das Netz zugreifen."

Wlan-Sicherheit: Ist Wi-Fi 6 besser als seine Vorgänger?

Ja. "Zum Einsatz bei der Verschlüsselung der Funkverbindung kommt hier WPA3. Dabei wird der gleichbleibende WLAN-Schlüssel dazu verwendet, einen temporären Schlüssel für eine aktuelle Verbindung auszutauschen", erklärt Prof. Peter Richert von der Fachhochschule Münster. Dieses Verfahren mache es deutlich schwieriger, die Verschlüsselung zu knacken.

Sollte ich also zuhause schnell von Wi-Fi 5 auf Wi-Fi 6 umsteigen?

Nein, das ist nicht nötig. Richert hält den Einsatz von Wi-Fi 6 im privaten Gebrauch noch für verfrüht. "Profitieren kann davon aktuell vor allem die Industrie, etwa in Fertigungsketten, wo viele Maschinen drahtlos gesteuert werden. Für Privathaushalte ist es eher noch ein "Nice-to-have"", sagt er.

Auch Ernst Ahlers rät Verbraucherinnen und Verbrauchern auch noch davon ab, bereits jetzt gezielt in neue Geräte zu investieren. "Wer heute eine gut funktionierende Installation des Vorgängers Wi-Fi 5 hat, kann sich mit dem Austausch Zeit lassen." Der Experte rechnet damit, dass Wi-Fi 6 erst 2022 seine volle Wirkung entfalten kann.

Hinzu kommt: Derzeit plant die Bundesnetzagentur, im zweiten Quartal 2021 einen zusätzlichen Frequenzbereich für WLAN bereitzustellen, nämlich den Bereich um 6 Gigahertz (GHz) herum. "Das heißt, das gesamte WLAN-Spektrum wird ausgebaut, was also für mehr Kanäle und eine Entzerrung insgesamt sorgen wird", erklärt Ahlers.

Das 6-GHz-WLAN wird auch als Wi-Fi 6E bezeichnet. Zwar wird dieser wie gewohnt abwärtskompatibel sein. Alle Vorteile dürften aber nur mit neueren, sogenannten Tri-Band-Geräten nutzbar sein, die neben dem neuen auch die bisherigen WLAN-Frequenzbereiche 2,4 und 5 GHz beherrschen. Unterm Strich also noch ein Grund mehr, mit Neuanschaffungen zu warten.

Funktion der neue Wlan-Standard auch mit älteren Geräten?

Ja. "Da Wi-Fi 6 rückwärtskompatibel ist, können auch Geräte, die bisher im Einsatz waren und einen der vorherigen Standards unterstützten, weiterhin im Netzwerk eingebunden und betrieben werden", erklärt Olaf Hagemann. "Allerdings kommen die wesentlichen Vorteile von Wi-Fi 6 nicht zum Tragen."

Sind aktuelle Geräte wie Smartphones schon für Wi-Fi 6 gerüstet?

Aktuelle Smartphones wie die neuesten iPhones unterstützen Wi-Fi 6 bereits, positiv bemerkbar machen würde sich das bei den Nutzerinnen und Nutzern aber noch nicht, meint Max Pohl vom WLAN-Dienstleister Socialwave.

Für wen lohnt sich der Umstieg auf Wi-Fi 6?

Aktuell sehen Experten den neuen Standard vor allem als sinnvoll für Campusnetze an. Das sind geschlossene Funknetze, in denen Firmen, Institutionen oder auch Veranstaltungszentren viele Nutzer gleichzeitig einbinden wollen. "Hier kann Wi-Fi 6 die Effizienz maßgeblich erhöhen und auch zu einem verbesserten Nutzererlebnis führen", erklärt Olaf Hagemann.