Interview

Was tun bei Frühjahrsmüdigkeit? Ein Arzt gibt Tipps

Müde, antriebslos und Kopfschmerzen: Aktuell klagen viele Menschen über Frühjahrsmüdigkeit.

Müde, antriebslos und Kopfschmerzen: Aktuell klagen viele Menschen über Frühjahrsmüdigkeit.

Bild: Christin Klose, dpa (Symbolbild)

Müde, antriebslos und Kopfschmerzen: Aktuell klagen viele Menschen über Frühjahrsmüdigkeit.

Bild: Christin Klose, dpa (Symbolbild)

Im Frühjahr fühlen sich viele Menschen schlapp und antriebslos - eventuell leiden sie unter Frühjahrsmüdigkeit. Symptome, Ursachen und wie man sie bekämpft.
14.05.2021 | Stand: 15:22 Uhr

Im Frühjahr spielt das Wetter teilweise verrückt. Aktuell haben uns die Eisheiligen im Griff, die Temperaturen sinken allerdings nicht so stark wie erwartet. Stattdessen bringen sie uns viel Regen, vereinzelt kommt aber auch mal die Sonne heraus.

Die wechselnden Temperaturen haben nicht nur einen Einfluss auf die Umwelt, sondern auch auf den menschlichen Körper. Die gemeinhin bekannte Frühjahrsmüdigkeit kommt dann ins Spiel. Wie es genau zu dem Phänomen kommt und was man gegen Frühjahrsmüdigkeit tun kann, erklärt Dr. Jakob Berger im Interview. Er betreibt eine Praxis in Herbertshofen im Landkreis Augsburg und ist der Bezirksvorsitzende des Hausärzteverbands Schwaben.

Herr Dr. Berger, hatten Sie auch schon den ein oder anderen Patienten, der über Frühjahrsmüdigkeit geklagt hat?

Jakob Berger: Das kommt schon mal vor. Etwa fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung leiden unter Frühjahrsmüdigkeit. Man muss aber anmerken, dass es sich dabei nicht um keine Krankheit handelt, sondern um eine Empfindlichkeitsstörung, die vorübergehender Natur ist.

Wie lange dauert die Frühjahrsmüdigkeit an?

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Berger: Meistens zwei, maximal drei Wochen, dann sollte die Frühjahrsmüdigkeit weg sein.

Ursache für Frühjahrsmüdigkeit: Hormone spielen eine Rolle

Und woher kommt dieses Phänomen überhaupt?

Berger: Das ist wissenschaftlich nicht genau erklärbar. Es stecken mehrere Faktoren dahinter. Einer davon ist, dass es aktuell zu einem Missverhältnis zwischen den beiden Hormonen Melatonin und Serotonin kommt. Das Schlafhormon, Melatonin, ist im Winter ziemlich präsent, da der Mensch in dieser Zeit generell mehr schläft. Da aktuell das Wetter besser wird, steigt der Wohlfühlhormon-Spiegel an, also Serotonin. Es wird hauptsächlich durch Einwirkung von Sonnenlicht gebildet und vermehrt. Bei der Frühjahrsmüdigkeit handelt es sich also um eine Umstellungsreaktion und es kommt zu einem vorübergehenden Ungleichgewicht der beiden Hormone.

Dr. Jakob Berger ist Bezirksvorsitzender des Hausärzteverbands Schwaben. Er hat selbst eine Hausarztpraxis in Herbertshofen im Landkreis Augsburg.
Dr. Jakob Berger ist Bezirksvorsitzender des Hausärzteverbands Schwaben. Er hat selbst eine Hausarztpraxis in Herbertshofen im Landkreis Augsburg.
Bild: Marcus Merk

Das bedeutet demnach, dass das Wetter einen Einfluss auf unseren Körper hat...

Berger: Das stimmt. Den meisten macht das zwar nichts aus, aber es gibt Menschen, die anfällig auf Temperaturschwankungen sind. Wenn es wie im Frühjahr wärmer wird und die Temperaturen ansteigen, erweitern sich die Gefäße in unserem Körper. Dadurch sinkt der Blutdruck und wir fühlen uns müde und schlapp.

Müdigkeit ist ein Symptom - worunter leidet man bei Frühjahrsmüdigkeit noch?

Berger: Vor allem Antriebslosigkeit, man kommt in der Früh nicht leicht aus dem Bett. Die Freude fehlt. Manche Menschen klagen über Kopfschmerzen, Kreislaufstörungen, Schwindel sowie migräneartige Zustände. Man ist einfach lustlos und niedergeschlagen.

Frühjahrsmüdigkeit bekämpfen: Kneippsche Maßnahmen

Was kann man dagegen tun?

Berger: Es gibt viele Maßnahmen: Man soll sich auf jeden Fall nicht hängen lassen, sondern sich überwinden und an die frische Luft gehen, insbesondere wenn die Sonne scheint. Körperliche Bewegung ist essenziell: Das muss nicht unbedingt Sport sein, aber jeden Tag 30 Minuten spazieren gehen hilft enorm. Was ich zudem sehr empfehlen kann, sind Kneippsche Maßnahmen, etwa Wechselduschen oder Kneippsche Kniegüsse.

Spielt Ernährung auch eine Rolle?

Berger: Ernährung hat einen großen Einfluss und kann bei Frühjahrsmüdigkeit helfen. Eine Fastenkur zur Entschlackung ist hilfreich sowie eine vitamin- und nährstoffreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse. Denn unsere Energiespeicher im Körper sind leer und müssen wieder aufgefüllt werden. Das regt dann auch den Körper an und hilft gegen Müdigkeit. Und ganz wichtig: viel trinken.

Was tun gegen Frühjahrsmüdigkeit?

Sollten all die Maßnahmen nicht helfen, was macht man dann?

Berger: Sollten sich die Symptome über einen längeren Zeitraum ziehen, also mehr als zwei, drei Wochen, dann handelt es sich meist nicht mehr um Frühjahrsmüdigkeit. Das können dann eher Blutarmut, Schlafstörungen oder auch depressive Verstimmungen sein, die auch in der Corona-Zeit zugenommen haben. Das sollte man auf jeden Fall mit seinem Hausarzt klären.

Haben also die veränderten Lebensumstände während der Corona-Pandemie einen Einfluss auf Frühjahrsmüdigkeit?

Berger: Nicht unbedingt. Viele haben während den Lockdown-Phasen nicht mehr so den Schwung, das ist klar. Aber das hat nicht unbedingt etwas mit der Frühjahrsmüdigkeit zu tun. Das schlechteste, was man machen kann, ist sich hängen lassen und mit sich hadern. Aktiv sein, rausgehen und positiv denken, dann stellt sich die Frühjahrsmüdigkeit schnell wieder ein.

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