Heilige Drei Könige 2021

Was ist eigentlich Weihrauch - und wie wird er gemacht?

Weihrauch erfüllt bei der Aussendungsfeier für die Sternsinger im Dom in Köln die Luft. Was ist Weihrauch eigentlich? Wie wird er gemacht?

Weihrauch erfüllt bei der Aussendungsfeier für die Sternsinger im Dom in Köln die Luft. Was ist Weihrauch eigentlich? Wie wird er gemacht?

Bild: Henning Kaiser, dpa (Archiv)

Weihrauch erfüllt bei der Aussendungsfeier für die Sternsinger im Dom in Köln die Luft. Was ist Weihrauch eigentlich? Wie wird er gemacht?

Bild: Henning Kaiser, dpa (Archiv)

Weihrauch ist am Dreikönigstag kaum wegzudenken. Aber was ist Weihrauch eigentlich? Wie wird er gemacht und woher kommt er?
Von Allgäuer Zeitung
03.01.2021 | Stand: 17:19 Uhr

Zur Geburt von Jesus reisten die Heiligen Drei Könige aus dem Morgenland nach Bethlehem. Dort überreichten sie drei wertvolle Gaben: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Diese Geschichte kennt in christlich geprägten Ländern fast jedes Kind. Heute durchdringt der vertraute Geruch von Weihrauch nicht nur Kirchen und Türeingänge am Feiertag Heilige Drei Könige, wenn die Sternsinger unterwegs sind, es ist auch ein beliebtes Öl in der Aromatherapie. Aber was ist Weihrauch? Wie wird er gemacht? Der Überblick.

Was ist Weihrauch?

Weihrauch wird von Boswellia-Bäumen gewonnen. Um das Gummiharz zu entnehmen, macht man Einschnitte in der Rinde des Baums. Der Baum gibt Harz ab, wie ein Körper bei einer Wunde blutet; dieses Harz wird gesammelt und zu ätherischem Öl destilliert.

Wo werden die die Bäume für den Weihrauch angebaut?

Die verschiedenen Arten des Baumes sind neben Somalia auch in Äthiopien, dem Sudan, Oman, dem Jemen und Indien zu finden.

Ein Tropfen Weihrauchsaft hängt an der Rinde eines Boswellia sacra-Baumes. Nachdem er geerntet und kristallisiert wurde, wird er zu einem aromatischen Harz, das als Weihrauch verbrannt wird.
Ein Tropfen Weihrauchsaft hängt an der Rinde eines Boswellia sacra-Baumes. Nachdem er geerntet und kristallisiert wurde, wird er zu einem aromatischen Harz, das als Weihrauch verbrannt wird.
Bild: Mike Nelson, dpa

Was kostet der Stoff, aus dem der Weihrauch gemacht wird?

Aus der Armut verhilft der Weihrauch-Boom den Menschen, die das Harz ernten, kaum. Die Bäume befinden sich oft in schwer zugänglichen und auch konfliktreichen Gebieten, und die Arbeit ist hart.

  • Die Sammler verdienen in der ganzen Kette am wenigsten. Ein Sammler könne je nach Jahr und Ort ein Kilo Harz im Dorf für etwa drei bis sechs Dollar verkaufen, sagt Forscher Stephen Johnson, der sich für nachhaltige Lieferketten einsetzt.
  • Mittelmänner verdienten etwa das Doppelte.
  • Als ätherisches Öl destilliert kostet demnach ein Kilo rund 14 bis 22 Dollar - und in kleine Fläschchen verpackt kommt das Kilo auf wuchtige 104 bis 430 Dollar. Auch Weihrauch-Kapseln haben ihrern entsprechenden Preis.

Wo wird Weihrauch neben der Kirche genutzt?

Weihrauch hat in den vergangenen Jahren gerade in den USA und Europa ein Revival erlebt. Es ist neben dem Räuchern vor allem in ätherischen Ölen in der Aromatherapie und in Seifen beliebt. "Es gibt eine riesengroße, unersättliche Nachfrage", sagt Frans Bongers von der Universität von Wageningen (Niederlande), der zu den Boswellia-Bäumen forscht. Dies betrifft zunehmend vor allem Somalia, speziell die semiautonome Region Somaliland. Die dort zu findende Art Boswellia sacra, auch genannt Boswellia carteri, sei derzeit eine "heiße Ware" auf dem Markt, sagt Expertin Anjanette DeCarlo, die sich mit ihrer Organisation Save Frankincense für den Schutz der Bäume einsetzt.

Welche Folgen hat der Weihrauch-Boom?

Das sogenannte "Überzapfen" ist für die Bäume verheerend. Um Gummiharz zu entnehmen, macht man Einschnitte in der Rinde des Baums. Damit diese Methode nachhaltig ist und der Baum gesund bleibt, sollte ein Baum nur neun bis zwölf Schnitte haben, wie DeCarlo erklärt. Außerdem sollte demnach ein Baum nur einige Monate im Jahr geschnitten werden und nur zwei Jahre hintereinander, dann sollte er sich rund ein Jahr erholen. DeCarlo aber sieht nach einigen Angaben oft Bäume, die über 100 Schnitten vorweisen und denen keine Erholungspause gegeben werde.

Dieser Druck auf die Bäume, gekoppelt mit den Folgen des Klimawandels, sei ein "perfekter Sturm, der zum Rückgang einer Ressource führt", sagt DeCarlo. Die Weltnaturschutzunion IUCN stufte den Bestand von Boswellia sacra 1998 als gering gefährdet ein, seitdem wurde aber keine Bewertung durchgeführt.

Müsste der Weihrauch-Handel nicht besser reguliert werden?

Da sind sich die Forscher einig: Ein Weihrauch-Stopp ist nicht die Lösung - stattdessen muss die Produktion nachhaltig gestaltet werden. Zum einen müsse das Entnehmen von wildem Harz stärker reguliert werden, sagt DeCarlo. Schon heute bemühten sich einige Hersteller verstärkt, die Lieferketten genauer zu prüfen und nachhaltigen Weihrauch anzukaufen. Zum anderen könnte die hohe Nachfrage gesättigt und der Druck auf die wilden Boswellia-Bäume durch Plantagen abgefedert werden. Einige wenige gibt es schon, die Bäume brauchen aber viele Jahre, um heranzuwachsen.