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Smartes Thermostat: Lässt sich damit beim Heizen Geld sparen?

Programmierbare Thermostate sorgen dafür, dass nur zu vorab eingegebenen Zeiten geheizt wird.

Programmierbare Thermostate sorgen dafür, dass nur zu vorab eingegebenen Zeiten geheizt wird.

Bild: Florian Schuh, dpa

Programmierbare Thermostate sorgen dafür, dass nur zu vorab eingegebenen Zeiten geheizt wird.

Bild: Florian Schuh, dpa

Programmierbare und smarte Thermostate versprechen große Ersparnisse beim Heizen. Wie funktionieren die Geräte? Und kann man damit wirklich sparen? Alle Informationen im Überblick.
08.12.2022 | Stand: 08:00 Uhr

Dieses Jahr gibt es ganz besondere Anreize, sparsam zu heizen: Durch den Krieg in der Ukraine sind die Energiekosten stark gestiegen und die rasante Inflation treibt zusätzlich die Preise nach oben. Viele Menschen versuchen deshalb, ihre Wohnung auf die energie- und kostengünstigste Weise warm zu bekommen. Immerhin verbraucht die Heizung mit 73 Prozent den größten Anteil der Energie beim Wohnen, gibt das Umweltbundesamt an.

Als eine besonders effiziente Lösung gelten dafür programmierbare und smarte Thermostate. Sie sollen laut vielen Herstellern die Heizkosten um ein Drittel senken, ohne dass man dafür selbst mehr tun müsste. Doch was ist dran? In diesem Artikel finden Sie Fragen und Antworten zu programmierbaren und smarten Thermostaten.

Welche Rolle spielt ein Thermostat beim Heizen?

Das Thermostat ist eine Kombination aus Thermometer und Ventil am Heizkörper. Es beeinflusst, wie viel Heizwasser durch diesen fließt. Am Thermostatkopf kann man die Raumtemperatur einstellen, meistens mithilfe einer fünf- oder sechsstufigen Skala. Der Kopf des Thermostats erfasst aber auch die Raumtemperatur und gibt dem Ventil vor, wie viel Heizwasser in den Heizkörper fließen soll, um die gewünschte Raumtemperatur zu erreichen. Ist diese erreicht, schließt das Ventil und lässt kein weiteres Wasser nachlaufen. Das Umweltbundesamt erklärt: "Je genauer ein Thermostatventil die Raumtemperatur einhalten kann, desto geringer ist der Energieverbrauch."

Was unterscheidet programmierbare Thermostate von herkömmlichen Thermostaten?

Bei herkömmlichen, mechanischen Thermostaten muss die gewünschte Raumtemperatur von Hand eingestellt werden. Wer es etwa morgens schön warm haben möchte, muss rechtzeitig manuell das Thermostat bedienen. Bei programmierbaren Thermostaten fällt dieser Schritt weg: Dort erfolgt das Messen der Raumtemperatur und die Steuerung des Heizkörperventils elektrisch und automatisiert.

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Kann ein Smart Home beim Energiesparen helfen?

An den Geräten kann man einstellen, dass sie zu bestimmten Tageszeiten die Raumtemperatur senken oder erhöhen - auch wenn niemand zu Hause ist. Der Regler kann dann zum Beispiel je nach Programmierung rechtzeitig die Wohnung beheizen, bevor die Bewohner zurückkehren. Außerdem lässt sich bei den meisten Geräten neben der Uhrzeit auch die gewünschte Temperatur exakt einstellen. Muss die Heizung außerplanmäßig laufen, kann man direkt nachjustieren.

Was sind smarte Thermostate?

Viele programmierbare Thermostate lassen sich nicht nur am Gerät selbst einstellen, sondern verfügen auch über eine Funkverbindung mit dem Smartphone, Tablet oder Computer. Einstellungen können dann also auch über eine Distanz verändert werden: Wer etwa außer Haus ist, kann dann dennoch überprüfen, wie in der Wohnung geheizt wird - und gegebenenfalls Änderungen vornehmen. Wer etwa früher vom Arbeiten nach Hause kommt, kann unterwegs schon die Heizung starten.

Manche Geräte können von selbst erkennen, ob Menschen in der Wohnung sind und die Temperatur entsprechend anpassen. Aber auch mit Kontaktschaltern an Türen und Fenstern lassen sich manche Thermostate verbinden. Erkennen sie, dass ein Fenster geöffnet ist, drosseln sie die Heizwasserzufuhr. Zahlreiche Modelle sind auch mit Sprachassistenten wie Siri oder Alexa kombinierbar.

Sind smarte Thermostate in jeder Wohnung sinnvoll?

Ob es sinnvoll ist, vom mechanischen zum programmierbaren oder smarten Thermostat zu wechseln, hängt zum einen vom Heizverhalten ab. Die Verbraucherzentrale schreibt dazu: "Wenn es Ihnen bisher zu lästig war, die Heizung beispielsweise morgens vor dem Verlassen des Hauses herunter zu drehen, werden Sie auf jeden Fall eine finanzielle Einsparung bemerken. Wenn Sie aber die Heizung schon immer gewissenhaft heruntergedreht haben, gewinnen Sie vor allem an Komfort." Wer zu unregelmäßigen Uhrzeiten arbeitet oder gerne mal spontan verreist, kann die Flexibilität des smarten Heizens nutzen.

Prinzipiell sind moderne Thermostate sinnvoll. Die Energieeinsparverordnung schreibt sogar vor, dass in Wohngebäuden mit Zentralheizung die Raumtemperatur mit Thermostatventilen raumweise regelbar sein muss. Ob es sich für die eigene Wohnung lohnt, auf programmierbare Regler umzustellen, können Interessierte beim Thermostat-Check des Umweltbundesamtesüberprüfen.

Nachteil: Wie steht es um Sicherheit und Datenschutz?

Smart-Home-Systeme, zu denen smartes Heizen zählt, stehen hin und wieder im Fokus bei Fragen zu Datenschutz und Datensicherheit. Denn die digitalen Systeme und Netzwerke bieten eine Angriffsfläche für Hacker. In der Vergangenheit gab es Berichte über unerlaubte Fremdzugriffe auf Smart-Home-Systeme. Und da bei der Verwendung von Steuerungsapps und Programmen zur Vernetzung die Daten der Nutzer von Herstellern erfasst und verarbeitet werden, muss der Datenschutz gewährleistet sein.

Zum Thema Datensicherheit rät die Verbraucherzentrale Smart-Home-Nutzern, einige grundlegende Regeln zu beachten: etwa die Verwendung verschlüsselter Protokolle bei der Funkübertragung sowie das regelmäßige Updaten der verwendeten Software.

Investition: Wie teuer ist die Anschaffung von programmierbaren und smarten Thermostaten?

Die Preisspanne bei programmierbaren und smarten Thermostaten ist groß: Einfache digitale Geräte gibt es im niedrigen zweistelligen Eurobereich, zwischen 30 und 50 Euro gibt es je nach Ausführung bereits ein breites Angebot. Thermostate für Smart-Home-Lösungen gibt es laut Verbraucherzentrale etwa ab 40 Euro. Allerdings gibt es auch Geräte für 100 Euro aufwärts.

Je nach Wahl des Herstellers muss man auch noch ein sogenanntes Gateway dazurechnen. Dabei handelt es sich um eine Schnittstelle zwischen Thermostat und Endgerät. Dabei können weitere 50 bis 150 Euro anfallen. Auch die Benutzung von Steuerungsapps kann unter Umständen Kosten verursachen.

Fensterkontakte liegen bei 20 bis 25 Euro. Wie teuer eine Ausstattung mit neuen Thermostaten ist lässt sich nicht genau sagen, da die Bedingungen jeder Wohnung abhängig von der Hausdämmung, Anzahl der Heizkörper und Heizanforderungen immer etwas anders sind.

Heizkosten-Ersparnis: Spart ein smartes Thermostat Geld?

Hersteller von programmierbaren und smarten Thermostaten versprechen oftmals 30 Prozent Ersparnis beim Heizen. Doch Experten halten diese Angaben für unrealistisch: Das Umweltbundesamt schätzt die tatsächliche Ersparnis nur auf etwa zehn Prozent.

Das Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung Potsdam hat Folgendes berechnet: "Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus – Baujahr 1949 bis 1978, 127 Quadratmeter Wohnfläche – amortisiert sich die Investition innerhalb von zehn Jahren bei einer Senkung des Energieverbrauchs um 5,7 Prozent." In einer Wohnung mit 64 Quadratmetern Wohnfläche müssen dafür 7,7 Prozent Energie eingespart werden.

Allerdings kann die richtige Verwendung von herkömmlichen Thermostaten - etwa Abdrehen beim Lüften oder in der Nacht - bereits eine derartige Ersparnis mit sich bringen, dass der Umstieg auf digitale Geräte kaum spürbar sein wird.