Oberallgäu/Kempten

Bewusster Umgang statt radikaler Verzicht

Lebensweise Fasten ist unter bestimmten Voraussetzungen eine gute Methode zum Abnehmen. Tipps von Susanne Boms
Von ab
02.03.2020 | Stand: 16:37 Uhr

In der Fastenzeit setzen sich viele Menschen mit dem Thema Verzicht auseinander. Womöglich auch mit dem Ziel, Pfunde loszuwerden. Aber ist Fasten eine gute Methode zum Abnehmen? Und hilft es, den Körper zu entgiften? Darauf antwortet Susanne Boms, Ernährungsexpertin der AOK in Kempten.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sehe das Fasten skeptisch als Methode, um langfristig an Gewicht zu verlieren, erklärt Boms. Neuere Studien führten aber zu einem Umdenken: Sie wiesen Erfolge durch Heilfasten beim metabolischen Syndrom – der Kombination aus Übergewicht, erhöhten Blutfettwerten, Bluthochdruck und erhöhtem Blutzuckerwert – , sowie bei Rheuma und manchen psychosomatischen Krankheiten nach.

Wer aus diesen Gründen fasten will, sollte sich vom Arzt checken und begleiten lassen, empfiehlt die Ernährungsberaterin. Fürs Abnehmen aber bringe das Fasten nur etwas, wenn man es maßvoll betreibt und als Einstieg in eine ausgewogenere Essensweise mit viel Obst, Gemüse und kalorienfreien Getränken wie Wasser oder Tee nutzt.

Und was ist mit Detox? „Das ist die Abkürzung für Detoxifikation und bedeutet Entgiftung“, sagt Boms. Der Begriff sei allerdings alles andere als eindeutig. Aus wissenschaftlicher Sicht sei die Notwendigkeit solcher Detox-Diäten nicht nachweisbar. Am häufigsten würden sie als Saftfasten oder Basenfasten praktiziert. Dabei stünden ausschließlich Obst, Gemüse und Wasser oder Kräutertee auf dem Speiseplan. So verliere der Körper schnell viel Wasser, aber die Gewichtsabnahme sei nicht von Dauer.

Es sei denn, man picke sich die positiven Anteile der Konzepte heraus und mache daraus nachhaltige Essgewohnheiten, sagt die Ernährungsberaterin. Heißt: Mit der Detox-Diät nicht übertreiben, aber reichlich Frisches verwenden – und so eine langfristige Änderung des Essverhaltens beginnen. Noch ein Tipp: Obst und Gemüse bevorzugt als ganze Lebensmittel verwenden, denn beim Entsaften gingen wertvolle Inhaltsstoffe verloren.

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„Experten empfehlen einen bewussten Umgang statt eines radikalen kurzzeitigen Verzichts“, sagt Boms. Die Fastenzeit könne so zum schrittweisen Einstieg in die angestrebte Lebensweise werden, egal welches Ziel man verfolgt. Boms hat die Forschung der amerikanischen Sozialpsychologin Wendy Wood beeindruckt: Den größten Erfolg verspricht, das Erwünschte einfach zu tun und es sich möglichst rasch zur Gewohnheit zu machen. Durch diesen Gewöhnungseffekt brauche man sich nicht immer wieder aufs Neue für das zu entscheiden, was man sich vorgenommen hat. Das klappt, egal ob man zum Sport gehen, das Handy ausschalten oder regelmäßig frisches Gemüse essen möchte.