Kempten

Grüne protestieren nach Fällungen

KE Burghalde

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Bild: Markus Wiedemann

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Bild: Markus Wiedemann

Burghalde Stadträte kritisieren angeblich fehlende Begleitung durch Fachleute. Verwaltung verweist auf externe Sachverständige und sagt: „Keine gesunden Bäume entnommen“
12.02.2021 | Stand: 13:45 Uhr

Stadträte der Grünen protestieren gegen die Baumfällungen auf der Burghalde. Sie bemängeln, dass diese ohne einen Plan für nachhaltige Ersatzpflanzungen geschehen seien. Die Fraktion beantragt, dass zukünftig derart umfangreiche Fällungen ausschließlich nach einer Begutachtung von Experten durchgeführt werden dürfen. Genau das sei vorab geschehen, wehrt sich die Verwaltung.

Viele Kemptener verfolgten am Montag gespannt, wie stundenlang Baumschnitt per Hubschrauber aus dem unwegsamen Gelände abtransportiert wurde. Einem „Kahlschlag“ komme gleich, was auf der Burghalde in den vergangenen Tagen geschah, schreiben die Grünen in ihrer „Protestnote“ an den Oberbürgermeister. Es könnte vermutet werden, dass auch – wie der OB im Herbst 2019 bei einer Stadtbegehung selbst erwähnt habe – „Sichtachsen“ zugunsten touristischer Effekte geschaffen werden sollten.

Durch Sturmbruch, Starkregen, zu warme Winter, Trockenheit und andere klimatisch bedingte Ereignisse würden ohnehin viele Bäume stark in Mitleidenschaft gezogen, sagen die Grünen: „Ersatzpflanzungen sind mit der Planung der Fällung grundsätzlich zeitnah mit zu planen und umzusetzen.“

Außerdem sei zu bedenken, dass sich durch großflächige Baumfällungen auch Eingriffe in die Tierwelt ergäben: Insekten, Amphibien, Reptilien, Fledermäuse, Vögel und weitere Tiere litten durch Veränderungen in ihren Lebensräumen. Dem gelte es vorzubeugen, und zwar vor den Fällungen. Experten sollten zur Begutachtung hinzugezogen werden.

„Die Fällungen wurden nach interner Prüfung durch zertifizierte Baumkontrolleure festgelegt“, sagt dazu Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann. Externe Sachverständige unterstützten die Prüfer. Dabei würden die Bäume begutachtet, dokumentiert und wenn nötig Pflegemaßnahmen oder Fällungen veranlasst. Im Bereich der Burghalde seien keine gesunden Bäume gefällt worden. „Wir haben nur solche entnommen, die einen Defekt, Schaden oder Pilzbefall hatten.“ Insgesamt wurden 35 Bäume gefällt.

Verkehrssicherheit sei dabei der entscheidende Aspekt gewesen. Einige Eschen waren vom Eschentriebsterben befallen. Einige Robinien standen schräg über einem Weg und somit nicht mehr sicher. Vier Kiefern hätten bereits Bohrlöcher des Kiefernprachtkäfers aufgewiesen. „Im Gegensatz zu Forstflächen müssen wir wegen der Verkehrssicherungspflicht auch Totholzbereiche entfernen“, sagt Wiedemann. Dies gelte besonders an den Wegen. Um sicherzustellen, keine Fledermäuse oder brütende Vögel zu stören, habe man die Fällung vor die Brutzeit gelegt.

In den vergangenen Wochen wurden vielerorts Bäume umgesägt. Bürger begleiteten das oft kritisch, zuletzt auch in Altusried (wir berichteten). Die Häufung der Arbeiten liegt an einem Stichtag: Ab 1. März ist das Fällen von Bäumen in der Regel bis 30. September verboten, besagt das Bundesnaturschutzgesetz. Dabei geht es darum, Vögeln ungestörtes Nisten zu ermöglichen.

Die beauftragte Firma auf der Burghalde habe eine Artenschutz-Qualifikation, unterstreicht Wiedemann. Bäume seien vor der Fällung nach bewohnten Höhlen abgesucht worden. Die Freihaltung von Sichtachsen habe keine Rolle gespielt. Für die gefällten Bäume würden an anderer Stelle Ersatzpflanzungen vorgenommen.

Insgesamt kümmern sich die Abteilung Stadtgrün und die Stadtgärtnerei um 35 000 Bäume im Stadtgebiet. Sie stehen unter anderem in den 32 Park- und Grünanlagen, 88 Kinderspielplätzen, zwölf Sportanlagen und entlang von 350 Kilometern Straßen.