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Von Bergbahn-Aktien und Hybrid-Kunden

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Gäste  der  Redaktion Nach dem Zusammenschluss der VR Bank Kaufbeuren-Ostallgäu und der Augusta-Bank sind derzeit in der Region keine weiteren Fusionen im Genossenschaftsbereich geplant. Dafür gibt es andere Aktivitäten
Von Markus Raffler und Stefan Binzer
15.05.2019 | Stand: 16:37 Uhr

Vor wenigen Tagen erst haben die Mitglieder der VR Bank Kaufbeuren-Ostallgäu und der Augusta-Bank (Augsburg) die „Hochzeit“ der beiden Institute genehmigt(wir berichteten). Für dieses Jahr sind aber keine weiteren Zusammenschlüsse von Genossenschaftsbanken im Allgäu geplant. „Mir ist im Moment nicht bekannt, dass eine weitere Fusion in der Region ansteht“, sagte Hermann Starnecker, Chef der VR Bank Kaufbeuren- Ostallgäu beim Gespräch mit unserer Zeitung. Starnecker, der auch Vorsitzender des schwäbischen Genossenschaftsverbandes und Vize im Landesverband ist, sowie fünf Vertreter der regionalen Genossenschafts-Kreisverbände waren Gäste der Redaktion im Allgäuer Medienzentrum in Kempten.

Die Runde war sich einig: Fusionen seien nicht das Allheilmittel für jede Bank zur Lösung der Zukunftsaufgaben. Was für das eine Institut gut ist, muss für ein anderes nicht unbedingt passen. „Jede Betriebsgröße hat ihre Berechtigung. Gerade diese Vielfalt zeichnet uns aus. Wir sind kein Konzern“, versicherte Starnecker.

Das sieht auch Rainer Schaidnagel so, einer der Vorstandssprecher der im Jahr 2014 fusionierten Raiffeisenbank Kempten-Oberallgäu. Nicht nur in der Frage über Zusammenschlüsse, sondern auch in vielen anderen Bereichen gebe es im Genossenschaftswesen keine bundesweite, bayerische oder regionale Strategie. „Wir treffen die Entscheidungen immer vor Ort“, versicherte Schaidnagel. So habe sich die Raiba Kempten-Oberallgäu den Masterplan gegeben, in den nächsten fünf Jahren keine Filiale zu schließen. Im Gegenzug werden Schalterstunden in kleinen und mittleren Filialen reduziert. Das könne aber keine Vorgabe für andere Raiffeisenbanken sein. Das bestätigte Stefan Hörmann von der Raiffeisenbank Eggenthal: „Im Ostallgäu gibt es noch viele kleine Genossenschaftsbanken. Da muss jede ihren eigenen Weg finden.“

Was jedoch alle Volks- und Raiffeisenbanken eint, sei die „genossenschaftliche DNA“ (Schaidnagel). Diese beinhalte etwa die Nähe zu den Kunden. „Das ist unser größtes Differenzierungsmerkmal zu anderen Geld-Instituten“, ergänzte Georg Straub, Vorstand der Volksbank Lindenberg (Westallgäu). „Unsere Mitarbeiter sind Teil des sozialen Netzwerkes. Viele sind in den Gemeinden ehrenamtlich engagiert.“

Nah dran an den Kunden: Das reklamieren auch die Sparkassen für sich. Aber während die Sparkassen eher in den Städten gut vertreten sind, „sind wir aus unserer Tradition heraus ganz stark präsent auf dem Land“, sagt Wilhelm Oberhofer, Vorstandssprecher der Raiffeisenbank Kempten-Oberallgäu.

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Das Präsenzgeschäft mit Filialen auch in kleineren Ortschaften ist bei den Genossenschaftsbanken das eine. Das andere ist das zunehmende Online-Geschäft. Immer mehr Kunden würden sich erst mal im Internet über Angebote informieren, zum Beispiel über Baufinanzierungen. „Deshalb müssen wir auch online präsent sein“, sagte Schaidnagel. „Wir brauchen ein digitales Schaufenster, damit die Menschen auf uns aufmerksam werden.“ Ein Super-Auftritt im Internet – da ist jedoch gerade die eine oder andere kleine Raiba aus Kapazitätsgründen überfordert. Deshalb wird im gesamten Genossenschaftsbereich in eine neue Plattform investiert. „Entscheidend dabei ist, dass sich eine interessierte Person dort einklinkt und dann Kontakt mit uns aufnimmt, per Mail oder noch besser per Telefon“, sagte Schaidnagel. Denn ganz wichtig sei das persönliche Gespräch.

Die Neuen Medien sind natürlich auch bei den Volks- und Raiffeisenbanken ein Thema. Schaidnagel berichtete, dass die Bank auch über Facebook vor allem mit jungen Kunden kommuniziere. Sein Vorstands-Kollege Oberhofer ergänzte: „Wir praktizieren das Omni-Kanal-Management. Wir müssen in allen Bereichen für unsere Kunden präsent sein.“

Es gibt zwar noch Kunden, die Geldgeschäfte nur in einer Filiale machen und dort auch mit den Raiba-Mitarbeitern sprechen wollen. Und es gibt das vorwiegend junge Publikum, das alles im Internet abwickelt. Aber die meisten Bank-Kunden fahren zweigleisig: „Wir haben mehr und mehr den hybriden Kunden, der Online-Banking macht, aber auch direkte Beratung sucht“, sagte Walter Eberhard von der Raiffeisenbank Pfaffenhausen (Unterallgäu).

Sollen sich die Genossenschaftsbanken auch neue Geschäftsfelder erschließen? Die Raiffeisenbank Pfaffenhausen hat diese Frage quasi schon beantwortet, indem sie als Bauträger aufgetreten ist und für acht Millionen Euro eine Wohnanlage errichtet hat. Die Raiffeisenbank Kempten-Oberallgäu ist mit knapp zehn Prozent an der Nebelhornbahn AG eingestiegen und hat dafür 3,7 Millionen Euro investiert. Zum einen, weil dies von der wirtschaftlichen Gesamtbetrachtung her gesehen passt, sagte Oberhofer. Zum anderen, weil damit auch die Infrastruktur für den Tourismus im südlichen Oberallgäu gestärkt werde, was wiederum vielen Firmen, die auch Mitglied bei der Raiba sind, zugute komme. Selber als Bauherren auftreten wollen Schaidnagel und Oberhofer aber nicht: „Ich trete nicht in den Wettbewerb zu unseren Kunden, von denen einige selbst im Bauwesen tätig sind“, erläuterte Schaidnagel. Wieder so ein Beispiel, zu dem Eberhard sagte: Wir sind zwar alles Genossenschafts-Banker, aber unterschiedlich unterwegs. Was in Pfaffenhausen passt, muss nicht in Kempten passen.“

Noch ein Wort zum leicht angekratzten Image der Banken: „Unsere Branche ist flankiert von Negativ-Nachrichten, wenn es etwa heißt, eine Großbank baut Stellen ab“, stellte Schaidnagel fest. Dennoch: Das Vertrauen vieler Kunden in ihre Bank vor Ort sei nach wie vor vorhanden, sagten die Vertreter der Raiffeisen- und Volksbanken.