Neuer Bundeskanzler in Österreich

"Eine bittere Angelegenheit" - Walser und Jungholzer Politiker über den Kanzlerwechsel in Österreich

Kurz im Kleinwalsertal

Im Mai 2020 war der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz im Kleinwalsertal zu Besuch.

Bild: Ralf Lienert (Archiv)

Im Mai 2020 war der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz im Kleinwalsertal zu Besuch.

Bild: Ralf Lienert (Archiv)

Politiker im Kleinwalsertal und Jungholz äußern sich zum Rücktritt von Kanzler Sebastian Kurz und den Korruptionsvorwürfen. Was sie von dem Nachfolger erwarten.
12.10.2021 | Stand: 12:49 Uhr

Der Menschenandrang war groß als der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) vor circa eineinhalb Jahren das Kleinwalsertal besuchte. Mittlerweile ist er sein Amt los. Sein Nachfolger Alexander Schallenberg (ÖVP) hat nach den Korruptionsvorwürfen und Kurz’ Rücktritt die Regierungsspitze am Montag übernommen. Unsere Redaktion hat mit dem Walser Bürgermeister Andi Haid (ÖVP) und der Jungholzer Bürgermeisterin Karina Konrad (ÖVP) über den Kanzlerwechsel gesprochen. Kritik an Kurz übt die ehemalige Landtagsabgeordnete, Beate Gruber (ÖVP).

„Kurz hat damit der Politik insgesamt einen schlechten Dienst erwiesen“, sagt Gruber. Die Korruptionsvorwürfe seien eine bittere Angelegenheit und schadeten dem Ruf der Politiker. Sie bestätigten all jene Menschen, die kein Vertrauen in Politiker haben, sagt die Walserin. Als sie von dem Skandal erfahren habe, sei sie fassungslos gewesen. „Es gibt Grenzen, die gelten für jeden. Diese Grenzen wurden überschritten.“ Von Schallenberg erwarte sich Gruber eine gute Fortführung der bestehenden Koalition – ohne weitere Vorwürfe von Korruption oder Bestechlichkeit. Für das Amt sei Schallenberg der richtige Mann. „Aber ich denke nicht, dass er weiß, wo das Kleinwalsertal liegt“, sagt Gruber. Allerdings seien dort derzeit auch keine Probleme bekannt, die in Wien gelöst werden müssten. Die frühere Landtagsabgeordnete im Bundesland Vorarlberg hoffe, dass Schallenberg lange genug im Kanzleramt bleiben werde, dass er die österreichische Exklave noch kennenlerne.

Sebastian Kurz ist nicht mehr Bundeskanzler von Österreich: Das sagen Lokalpolitiker im Kleinwalsertal und in Jungholz

„Aus meiner Sicht ist Schallenberg ein sehr fähiger Mann“, sagt der Kleinwalsertaler Bürgermeister Andi Haid. „Ich bin überzeugt, dass er das Amt und die Regierung gut führen wird.“ Als er von den Korruptionsvorwürfen gegen Sebastian Kurz und sein Team gehört habe, sei er überrascht gewesen. „Aber wenn Dinge rechtlich nicht akzeptabel sind, dann müssen Konsequenzen gezogen werden.“ Dass Kurz sein Amt abgegeben hat, sei richtig gewesen. Von dem Kanzlerwechsel erwartet sich Haid keine Nachteile für das Kleinwalsertal. Anders als sein Vorgänger Sebastian Kurz sei Schallenberg noch nicht offiziell in Mittelberg zu Besuch gewesen. Kurz hatte sich im Mai 2020 zu Beginn der Corona-Pandemie vor Ort über die Lage der österreichischen Exklave informiert. Damals war das Kleinwalsertal aufgrund der Grenzschließungen für einige Wochen fast von der Außenwelt abgeschnitten. Mittlerweile hat sich die Lage entspannt. „Wir hoffen, dass wir in einer gewissen Normalität bleiben“, sagt Haid. (Lesen Sie auch: Riesen-Aufregung nach Kanzlerbesuch im Kleinwalsertal: Politiker will Sebastian Kurz anzeigen)

Bürgermeisterin von Jungholz nach Korruptionsvorwürfen gegen Sebastian Kurz: "Nicht schon wieder Neuwahlen"

Karina Konrad aus Jungholz in Tirol hofft, dass der neue Kanzler offen und ehrlich kommuniziere und „dass er nicht in diese Affäre mit hinein gezogen wird“. Ihr gehe es um eine sachliche und fachlich gute Arbeit. „In diesem Zusammenhang hat Kurz als Bundeskanzler sicherlich auch einen guten Job gemacht“, sagt Konrad. Seine Beschlüsse hätten Hand und Fuß. Aber jetzt müsse das Vertrauen in die Politik wieder hergestellt werden. Wie hat Konrad reagiert, als sie von den Korruptionsvorwürfen erfahren hat? „Nicht schon wieder Neuwahlen – Das war mein erster Gedanke.“ Wahlen kosteten den Steuerzahler viel Geld und stellten einen großen Aufwand für die Kommunen dar. Näher wolle sich die Bürgermeisterin zu dem Thema nicht äußern und sagte nur: „Der Sachverhalt muss aufgeklärt werden.“

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