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Wenn der Besitzer nicht mehr weiter weiß: Pferdeklappe in Österreich eröffnet

Hier kommen die Pferde zunächst unter, die in der Pferdeklappe abgegeben worden sind. Der Stall gehört zum ehemaligen Gestüt Stegerberg von Familie Schwarzkopf-Hilti.

Hier kommen die Pferde zunächst unter, die in der Pferdeklappe abgegeben worden sind. Der Stall gehört zum ehemaligen Gestüt Stegerberg von Familie Schwarzkopf-Hilti.

Bild: Tierschutzverein Österreich

Hier kommen die Pferde zunächst unter, die in der Pferdeklappe abgegeben worden sind. Der Stall gehört zum ehemaligen Gestüt Stegerberg von Familie Schwarzkopf-Hilti.

Bild: Tierschutzverein Österreich

Wohin mit einem Pferd, wenn es der Besitzer nicht mehr versorgen kann? Der Österreichische Tierschutzverein hat dafür eine Pferdeklappe eröffnet.
20.07.2021 | Stand: 15:43 Uhr

Die Pferdeklappe des Österreichischen Tierschutzvereins am ehemaligen Gestüt Stegerberg in Reutte (Tirol) nimmt seit Juli 2021 Pferde auf, deren Halter von einem Schicksalsschlag getroffen wurden.

Pferde sind zeit- und kostenintensiv. Eine schwere Erkrankung, der Verlust des Jobs oder persönliche Lasten können es Pferdebesitzern unmöglich machen, sich weiterhin um ihren Liebling zu kümmern. In solchen Fällen kann die Pferdeklappe eine Lösung sein. „Wir helfen Haltern in Notlagen und deren Pferden, die dadurch ihr Zuhause verlieren. Aufgrund der Dringlichkeit werden solche Tiere häufig an Pferdehändler verkauft, finden keinen beständigen Platz oder landen gar beim Schlachter. Vor diesem Schicksal möchten wir sowohl das Pferd, als auch den Besitzer bewahren“, sagt Eva Malle, Geschäftsführerin des Österreichischen Tierschutzvereins.

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Da die Abgabe eines schutzbedürftigen Wesens mit Angst und Scham verbunden sein kann, besteht ab 2022 die Möglichkeit einer anonymen Abgabe des Pferdes. So orientiert sich auch der Name der Pferdeklappe am Konzept der Babyklappe in Krankenhäusern. Ähnlich wie Mütter ihren Kindern wollten Pferdebesitzer ihren tierischen Familienmitgliedern ein schönes Leben ermöglichen. Das Erfolgskonzept der Pferdeklappe gibt es bereits in Deutschland: in Norderbrarup in Schleswig Holstein. Der Österreichische Tierschutzverein holt es erstmals nach Österreich.

Vermittlung der Pferde steht im Mittelpunkt

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Die Pferdeklappe ist weder Gnadenhof, noch Hospiz oder Tierklinik. Mit ihr fokussiert sich der Österreichische Tierschutzverein auf die Vermittlung in ein artgerechtes Zuhause. Denn: Jedes vermittelte Pferd ermöglicht die Rettung eines weiteren. „Deshalb müssen Pferde, die in unsere Obhut gegeben werden, vermittelbar sein. Das schließt zwar todkranke und sehr alte Tiere aus, in diesen Fällen unterstützen wir die Besitzer jedoch bei der Übergabe an einen Gnadenhof“, so Malle. 30 Klappenboxen stehen für Pferde in Not zur Verfügung. Damit können bis zu 350 Pferde pro Jahr gerettet werden, wie die Erfahrung der deutschen Pferdeklappe beweist. Alleine in den ersten fünf Wochen der Corona-Krise wurden dort 25 Pferde abgegeben.

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Um beste Voraussetzungen für den Start in ein neues Leben zu schaffen, erhält jedes Klappenpferd eine umfangreiche Betreuung. „Jedes neu aufgenommene Pferd wird vom Tierarzt untersucht und bekommt bei Bedarf eine entsprechende Behandlung. Außerdem erstellen wir individuelle Sozialbetreuungspläne, um unsere Schützlinge artgerecht zu versorgen, bis der richtige Mensch für sie kommt“, erklärt Malle. Glücklicherweise gebe es immer mehr Menschen, die einem Pferd aus dem Tierschutz ein neues Zuhause schenken wollen. Erste Anfragen für einen Klappenplatz hat der Verein bereits bekommen.

Tierschutzverein braucht Hilfe

Für das Projekt Pferdeklappe wird dem Österreichischen Tierschutzverein das ehemalige Gestüt Stegerberg von Familie Schwarzkopf-Hilti zur Verfügung gestellt. Mit vereinten Kräften soll es auch weitergehen: „Getreu unserem Vereinsmotto „Einer für alle“ soll die Pferdeklappe ein Gemeinschaftsprojekt mit allen Tierschutzbegeisterten werden. Zusammen können wir Pferden in Not ein Zuhause und eine zweite Chance geben“, appelliert Malle. Auf den Österreichischen Tierschutzverein kommen hohe Kosten für die tierärztliche Versorgung, das Futter und die Betreuung der Pferde zu. Diese können nur durch Spenden und Fördermitgliedschaften von Pferdefreunden und Tierliebhabern gestemmt werden, da sich der gemeinnützige Verein ausschließlich daraus finanziert. Wer mehr über die Pferdeklappe erfahren oder Fördermitglied werden möchte, der kann sich auf der Website des Österreichischen Tierschutzvereins informieren, oder den Österreichischen Tierschutzverein unter 0664/2204992 oder office@tierschutzverein.at kontaktieren.