Corona-Pandemie

Vergiftungen statt Hilfe gegen Corona: Entwurmungsmittel in Oberösterreich gefragt

In Apotheken in Oberösterreich ist die Nachfrage nach rezeptpflichtigen Entwurmungsmitteln mit dem Wirkstoff Ivermectin groß.

In Apotheken in Oberösterreich ist die Nachfrage nach rezeptpflichtigen Entwurmungsmitteln mit dem Wirkstoff Ivermectin groß.

Bild: Oliver Berg, dpa (Symbolbild)

In Apotheken in Oberösterreich ist die Nachfrage nach rezeptpflichtigen Entwurmungsmitteln mit dem Wirkstoff Ivermectin groß.

Bild: Oliver Berg, dpa (Symbolbild)

Das Anti-Wurm-Mittel Ivermectin aus der Veterinärmedizin ist in Österreich sehr gefragt. Impfskeptiker empfehlen es zur Corona-Behandlung. Davor warnen Experten.
17.11.2021 | Stand: 11:00 Uhr

In Österreich setzen einige Impfskeptiker bei der Behandlung von Covid-19 auf das ungeprüfte Mittel Ivermectin, das vor allem in der Veterinärmedizin zur Entwurmung eingesetzt wird. Experten warnen davor, es gab laut ORF bereits einige Fälle von Vergiftungen. Gerade in Oberösterreich ist das Anti-Wurm-Mittel, das in impfskeptischen Kreisen empfohlen wird, sehr gefragt und immer wieder ausverkauft, wie ORF berichtet.

FPÖ-Chef Kickl nennt Entwurmungsmittel zur Covid Behandlung

Herbert Kickl, der Chef der rechten FPÖ, erwähnte selbst, dass Ivermectin gegen die Krankheit eingesetzt werden könne. Der Politiker präsentierte Anfang November einen "Plan B" gegen die Pandemie. Aus seiner Sicht sollte auf die frühzeitige Behandlung von Covid-19 statt auf die Impfung gesetzt werden, die zu viele schwere Verläufe und Todesopfer produziert habe. Am Montag teilte Kickl auf Facebook mit, dass er sich mit Corona infiziert hat.

Mit seiner Kampagne gegen Impfungen und für nicht empfohlene Therapien stellte sich Kickl klar gegen die medizinische Lehrmeinung. Ärzte und die Regierung haben Kickl deshalb wiederholt scharf kritisiert.

Nach ORF-Angaben warnte das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitsbereich (BASG) bereits im März davor, das rezeptpflichtige Medikament gegen Covid-19 einzunehmen. Und auch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) riet davon ab. Die Fachgruppe COVRIIN am Robert Koch-Institut bewertet Therapiemöglichkeiten. Über den Wirkstoff Ivermectin schreibt die Fachgruppe, das Medikament hat keine Zulassung für die Behandlung von Covid-19. Bei unkontrollierter Anwendung bestehe ein Risiko der schwerwiegendenden Toxizität.

In Österreich Vergiftungen durch Ivermectin

In Österreich habe es auch schon Vergiftungen gegeben, schreibt der ORF. Viele Leute würden das Medikament völlig falsch einnehmen - etwa die viel zu hohe Dosis, die eigentlich für Pferde gedacht ist. Derzeit seien in Österreich 28 rezeptpflichtige Präparate mit dem Wirkstoff Ivermectin zugelassen. Die meisten davon werden in der Veterinärmedizin verwendet. Nur vier Medikamente sind zur Behandlung von Menschen vorgesehen - Menschen können Ivermectin-Tabletten einnehmen zur Behandlung von Krätzmilben, parasitären Wurmbefällen mit Zwergfadenwürmern sowie tropischen Fadenwürmern. Da es sich um rezeptpflichtige Tabletten handle, muss ein Arzt oder eine Ärztin das Medikament verschreiben.

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