Großeinsatz bei Pinswang

So lief der Brand-Einsatz am Dreiländereck - was löste das Inferno auf dem Berg aus?

Gespenstisches Szenario in der Nacht von Samstag auf Sonntag: Flammen fressen sich durch den Bergwald oberhalb von Pinswang.

Gespenstisches Szenario in der Nacht von Samstag auf Sonntag: Flammen fressen sich durch den Bergwald oberhalb von Pinswang.

Bild: ZOOM.TIROL

Gespenstisches Szenario in der Nacht von Samstag auf Sonntag: Flammen fressen sich durch den Bergwald oberhalb von Pinswang.

Bild: ZOOM.TIROL

Beim Großeinsatz an der Grenze zum Ostallgäu transportieren Helikopter Löschwasser zum Waldbrand am Schwarzenberg. Warum ein Start ab Schwangau gestoppt wurde.
14.03.2022 | Stand: 09:40 Uhr

Zu einem spektakulären Feuerwehreinsatz hat ein Waldbrand nahe dem sogenannten Dreiländereck zwischen Hohenschwangau (Ostallgäu) und Pinswang in Tirol geführt. Fünf Hubschrauber waren laut Polizei am Wochenende im Einsatz und transportierten ständig Wasser von zwei in Pinswang aufgebauten Bassins zur Brandstelle am Schwarzenberg. Am Samstag flogen sie vom frühen Nachmittag bis zum Einbruch der Dunkelheit, am Sonntag ging es weiter – in der Nacht war das Feuer an den vielen Glutnestern immer wieder aufgeflammt, die Feuerwehr hatte eine Brandwache eingerichtet.

Waldbrand am Dreiländereck: Ist das Feuer bei Pinswang unter Kontrolle?

Am Sonntagmittag hieß es seitens der Polizei in Reutte, der Brand sei „unter Kontrolle“. Auch am Abend dauerten die Löscharbeiten noch an. Das Feuer hatte sich auf eine Fläche von etwa 35 Hektar ausgedehnt – das entspricht rund 50 Fußballfeldern. Die Ursache des Brandes ist bislang noch unklar.

Am Samstag gegen 12.30 Uhr waren die bereits baumhoch schlagenden Flammen am Schwarzenberg bemerkt worden. Wie der Pinswanger Feuerwehrkommandant Angelo Schädle berichtet, war es die Feuerwehr selbst, die den Brand entdeckte, als sie im Einsatz war. Daraufhin wurden sämtliche Nachbarfeuerwehren alarmiert, auch auf deutscher Seite, da unklar war, ob auch Gelände jenseits der Grenze betroffen war. Auf der anderen Seite des Berges liegt Hohenschwangau mit Schloss Neuschwanstein.

In Pinswang wurden zwei Wasserbassins aufgestellt und ständig nachgefüllt. Auch im Ostallgäuer Schwangau wurde ein solches Bassin aufgebaut und ein Hubschrauber der Landespolizei angefordert. Als allerdings klar war, dass nur Tiroler Flächen betroffen waren, drehte dieser aber wieder ab. Die Rauchwolke war allerdings von deutscher Seite aus gut sichtbar, weswegen auch hier mehrere Mitteilungen bei der Polizei eingingen.

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Waldbrand bei Pinswang in Tirol am Abend und am Sonntagmorgen

Nach Angaben der Beamten in Reutte war zunächst versucht worden, den Brand vom Boden aus zu bekämpfen. Das erwies sich jedoch als schwierig, da es sich beim Ausbruchsgebiet um sehr steiles, felsdurchsetztes Gelände handelt. Weil die Brandstelle auf dem Landweg nur über einen Forstweg von Hohenschwangau aus zu erreichen ist, war auch die Freiwillige Feuerwehr Schwangau im Einsatz. Wie Kommandant Thomas Roth berichtete, unterstützte die Füssener Feuerwehr die Kameraden in Pinswang mit einem Wechselladefahrzeug mit einem 8000-Liter-Tank sowie zwei Löschfahrzeugen. Da aber die Brandbekämpfung vom Boden aus kaum möglich war, wurden Hubschrauber angefordert. Auch Transporthubschrauber zweier privater Firmen waren vor Ort.

Feuerwehrmann muss mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus

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Der Schwangauer Bergwachtler und die Waldbrände

Der Bezirksfeuerwehrverband Innsbruck Land kümmerte sich um das Betanken der Hubschrauber. Das Rote Kreuz half ebenfalls, war aber glücklicherweise hauptsächlich mit der Versorgung der Rettungskräfte beschäftigt. Ein Mitglied der Feuerwehr musste laut Polizei mit Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht.

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Waldbrand bei Pinswang

Waldbrand bei Pinswang: Was hat das Feuer ausgelöst?

Was das Feuer ausgelöst hat, ist bislang noch nicht bekannt. Allerdings herrscht auch in Teilen Bayerns derzeit Waldbrandgefahr – darauf hatte das Forstministerium des Freistaats erst am Freitag in einer Pressemitteilung hingewiesen. In Nordbayern und in Teilen der Bayerischen Alpen gilt demnach die zweithöchste Warnstufe vier. Ursache sei die für diese Jahreszeit ungewöhnlich trockene Witterung der letzten Wochen.

Große Wandbrandgefahr: „Im Wald gilt jetzt äußerste Vorsicht!"

Forstministerin Michaela Kaniber (CSU) appelliert deshalb an alle Waldbesucher, sich unbedingt an das geltende Rauchverbot im Wald zu halten und bei Freizeitaktivitäten sehr aufmerksam zu sein: „Im Wald gilt jetzt äußerste Vorsicht! Denn die Böden sind vielerorts mit trockenen, leicht entzündlichen, Blättern, Zweigen und Nadeln bedeckt. Schon ein Funke oder eine achtlos weggeworfene Zigarettenkippe kann ausreichen, um einen folgenschweren Brand auszulösen.“ Besonders brandgefährdet seien lichte Kiefern- und Fichtenbestände, sonnige Südhanglagen sowie stark frequentierte Wälder in den Ausflugsgebieten.

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