"Klassik im Schloss" Immenstadt

Pianist Johannes Gaechter eröffnet fulminant neue Konzertreihe in Immenstadt

Johannes Gaechter

Der Pianist Johannes Gaechter eröffnet seine neue Immenstädter Konzertreihe "Klassik im Schloss" mit einem beeindruckenden Klavierabend.

Bild: Markus Noichl

Der Pianist Johannes Gaechter eröffnet seine neue Immenstädter Konzertreihe "Klassik im Schloss" mit einem beeindruckenden Klavierabend.

Bild: Markus Noichl

Seine Immenstädter Reihe "Klassik im Schloss" beginnt Pianist Johannes Gaechter mit einem beeindruckenden Auftritt, der mehrfach eine Herausforderung bedeutet.
04.11.2021 | Stand: 17:08 Uhr

Diesen Namen sollte man sich merken: Johannes Gaechter ist Preisträger renommierter Klavier-Wettbewerbe und beeindruckte nun mit seinem Debüt im Schloss Immenstadt. Keine Frage: Da ist in jungen Jahren schon eine Persönlichkeit herangereift.

Nervenstärke und Bescheidenheit

Das Programm war eine Herausforderung in jeder Beziehung: Beethoven als künstlerische, Rachmaninow als technische und Chopin als künstlerische und zugleich technische Herausforderung. Für Gaechters Nervenstärke und Bescheidenheit spricht, dass er selbst vorab an der Kasse saß (wegen Erkrankung der vorgesehenen Kraft) und sich dann ohne Verschnaufpause an den Flügel setzte. Dem sind wohl auch die mikroskopischen Wackler zu Beginn geschuldet. Doch anschließend lief es wie am Schnürchen.

Früher Geniestreich

Beethovens früher Geniestreich op. 2 Nr. 3 erklang bestechend klar, logisch und spritzig. Den Ritmüller-Flügel so zum Singen, ja Jubeln zu bringen, das schaffen nur Könner. Sowohl im Detail als auch in der großen Form, im Bezug der Sätze zueinander, fesselte und überzeugte diese Interpretation. Dynamik, Tempi, Anschlagskultur und -farben: satte Kontraste, immer stimmig balanciert. Perfektion und Lebendigkeit, zwei schwierige Geschwister, waren versöhnt und vereint.

Höllenritt über die Tasten

In die Welt Chopins tauchte Gaechter ähnlich überzeugend ein. War das Nocturne op. 9 Nr. 1 von strömender Wehmut und Poesie gezeichnet, gab das Scherzo op. 31 Nr. 2 Gaechter Gelegenheit, Pranke zu zeigen. Man staunte: Dieser Pianist ist nicht nur sensibler Weichzeichner, sondern kann auch den Höllenritt über die Tasten.

Existenzielles Ringen

Noch mehr Effekt bot nach der Pause Sergej Rachmaninows erste Sonate, der Faust-Tragödie gewidmet. Gaechter gelang es, diese Parforce-Komposition mit Tiefgang darzubieten. Das war kein Salon-Faust, sondern ein existenzielles, ja ekstatisches Ringen von Licht, Schatten und den Archetypen dazwischen. „Eine Erkundung der Seele“ nannte Gaechter diese Musik im hervorragenden Programmblatt. Und löste am Flügel dieses Motto tatsächlich ein. Man wurde hineingesaugt in Abgründe, aber auch dem Irdischen und Unterirdischen tröstend enthoben.

Anmutige Zugabe

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Nach dieser Expedition war eine anmutig tändelnde, lächelnde Zugabe angebracht: Glinkas „Lerche“, aufs Klavier übertragen von Balakirew. Dass Gaechter die neue Reihe „Klassik im Schloss“ nun verantwortet und gestaltet, kann man nach dieser Visitenkarte nur begrüßen. Wir sind gespannt.

Der Pianist Johannes Gaechter.

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