Geschichte des DEL2-Derbys

Allgäu gegen Werdenfelser Land: So war das früher zwischen ESVK und SCR

Schon in den 70er-Jahren - und sogar noch früher - ging es zwischen dem ESV Kaufbeuren und dem SC Riessersee rund. Im Bild rechts ist Manfred Hubner vom ESVK.

Schon in den 70er-Jahren - und sogar noch früher - ging es zwischen dem ESV Kaufbeuren und dem SC Riessersee rund. Im Bild rechts ist Manfred Hubner vom ESVK.

Bild: Manfred Kraus

Schon in den 70er-Jahren - und sogar noch früher - ging es zwischen dem ESV Kaufbeuren und dem SC Riessersee rund. Im Bild rechts ist Manfred Hubner vom ESVK.

Bild: Manfred Kraus

Es ist der Derby-Hammer im Zweitliga-Halbfinale: In den Tagen rund um Ostern kämpfen der ESV Kaufbeuren und der SC Riessersee in den Play-offs um den Einzug ins DEL2-Endspiel. Die Fans im Allgäu und in Oberbayern fiebern aufs Duell der beiden bayerischen Traditionsvereine hin! Doch wie war das eigentlich früher, als die Helden noch Xaver Unsinn und Manfred Hubner hießen? Wir blicken zurück auf über 70 Jahre Eishockey-Geschichte. Plus: Klick Dich durch unsere beiden Bildergalerien "Historische Momente am Berliner Platz"!
##alternative##
Von Manuel Weis, Daniel Halder
29.03.2018 | Stand: 13:36 Uhr

Wer zieht ins diesjährige Finale der DEL2 ein? Schon vor dem am Donnerstag (20 Uhr) in Garmisch startenden Duell zwischen dem ESV Kaufbeuren und dem SC Riessersee steht fest: Ein bayerischer Traditionsklub ist es sicher. In maximal sieben Spielen kämpfen die Joker und die Werdenfelser darum, der Krone ein Stück näher zu kommen.

Es sind bei weitem nicht die ersten Duelle beider Teams. Schon in den 60er Jahren gab es große Spiele zwischen den Klubs. Der SC Riessersee war damals – historisch bedingt – klar im Vorteil. Das Olympia-Eisstadion, das heute knapp 7.000 Menschen Platz bietet, wurde 1934 anlässlich der 1936 stattfindenden Olympischen Spiele erbaut. Nach dem Krieg hatte der SC Riessersee als einer der wenigen Klubs also Kunsteis.

Bilderstrecke

Unvergessene Momente am Berliner Platz (1)

Während Kaufbeuren in der Saisonvorbereitung demnach kaum trainieren konnte, weil Fahrten nach Füssen etwa nur schwer organisierbar waren, standen die Cracks des SCR immer auf eigenem Eis. Die absoluten Topspieler rekrutierten sie schon damals aus München. Einige Sportler trainierten in den 30er Jahren unter der Woche in der Landeshauptstadt, kamen nur zu den Spielen nach Garmisch.

Ein Kunsteisstadion dank Olympia 1936: Vorteil Garmisch

Zusammen mit Füssen und Bad Tölz dominierte Riessersee die 50er Jahre. Als der ESV Kaufbeuren in der Oberliga-Saison 56/57 etwa mit 6:13 verlor, war in der Allgäuer Zeitung von einem "tapferen" und "achtbaren" Auftritt die Rede. Dass es in Kaufbeuren ab 1958 Kunsteis gab, war für die Kaufbeurer ein Riesensprung, der auch die Kräfteverhältnisse gegenüber den Werdenfelsern verändern sollte. 60/61 stieg Kaufbeuren in die inzwischen neue Bundesliga auf und traf schnell auf den damals schon achtmaligen Meister SCR.

Lesen Sie auch
##alternative##
Eishockey

Daniel Oppolzer: Deswegen beende ich meine Profi-Karriere

Als der ESVK im November 1961 mit 5:3 gegen Riessersee gewann, titelte die AZ von einer "Sensation", sogar von einem sportlichen Wunder war die Rede. Aufseiten der Kaufbeurer waren Spielertrainer Xaver Unsinn, Reinhold Rief und Alfred Hynek Teil der Wunder-Truppe. Zwei Jahre später wiederholte sich die Sensation, als Kaufbeuren mit 4:2 vor über 6.000 Zuschauern gewann.

Dann folgten die goldenen Kaufbeurer Jahre

Es war der Startschuss der ersten glorreichen ESVK-Zeit. Es folgten die 70er und weitere große Duelle gegen Garmisch, im Kaufbeurer Dress unter anderem mit Nationalstürmer Manfred Hubner. In den 80ern folgte die zweite Hochphase. Damals spielten beim ESVK unter anderem die als "Kaufbeurer Stadtmauer" bekannt gewordenen Verteidiger Dieter Hegen und Manfred Schuster. "Riessersee war für eine ziemlich harte Gangart bekannt", erinnert sich der heute 60-jährige Schuster. "Garmisch war unglaublich stark. Wir aber waren daheim immer eine Macht und konnten eigentlich jeden schlagen."

Bilderstrecke

Unvergessene Momente am Berliner Platz (2)

Nachdem im Frühjahr 1980 der Wieder-Aufstieg in die Bundesliga glückte, war die Saison 80/81 eine ziemlich wilde. Hohe Siege paarten sich mit deftigen Klatschen. Unter anderem besiegte man den damaligen Tabellenführer und kommenden deutschen Meister Riessersee in einem historischen Spiel mit 10:5.

Ähnliches wiederholte sich 2009/10. Wieder war es die erste Saison nach einem Aufstieg. Damals kam Kaufbeuren frisch von der Oberliga in die damalige zweite Liga und schaffte es direkt in die Pre-Play-offs. Daniel Oppolzer und Max Schäffler waren aus dem heutigen Kader als junge Burschen dabei. Neben ihnen war auch Jordan Webb aktiv, der als Top-Scorer in der Oberliga sofort bester Scorer der zweiten Liga wurde. Das Auswärtsspiel in Garmisch ging nicht nur in die Verlängerung, sondern wurde – damals noch möglich – im Penaltyschießen entschieden. Go Tanaka verwandelte hierbei den 26. (!) Schuss zum Siegtreffer. Im folgenden Viertelfinale scheiterte der ESVK an Schwenningen.

Enge Duelle mit dem SCR erwartet Schuster, inzwischen Dauerkarteninhaber, auch diesmal. "Ich habe ein gutes Gefühl. Wichtig ist natürlich, dass unsere Schlüsselspieler, allen voran Stefan Vajs, fit sind."

Das DEL2-Halbfinale
Personell kann der ESV Kaufbeuren fast aus dem Vollen schöpfen: Einzig bei Florin Ketterer (Gehirnerschütterung) und Florian Thomas (Unterkörperverletzung) steht ein Einsatz auf der Kippe.
Viermal spielten beide Teams in dieser Saison gegeneinander. Das erste Heimspiel verlor Kaufbeuren 1:2, im ersten Auswärtsspiel gab es ein 2:3 n. V. Danach folgten zwei Kaufbeurer Siege: 6:1 daheim und 3:1 auswärts.
Absolviert wird das Halbfinale im Rekordtempo: Beginnend heute (20 Uhr), wird alle zwei Tage gespielt. Sichere Heimspiele steigen also am Karsamstag (18.30 Uhr) und am Mittwoch, 4. April (19.30 Uhr). Wird ein sechstes Spiel nötig, beginnt es in Kaufbeuren am Sonntag, 8. April, um 18.30 Uhr.