Wer hat mehr PS?

Andreas Mayr stellt sich dem Duell: Radfahrer gegen Pferd

Andreas Mayr vom RSC-Team gibt im Sprint gegen das Pferd alles.

Andreas Mayr vom RSC-Team gibt im Sprint gegen das Pferd alles.

Bild: RC Olympia Buer

Andreas Mayr vom RSC-Team gibt im Sprint gegen das Pferd alles.

Bild: RC Olympia Buer

Zwei RSC Elite-Amateure nahmen an einem Radrennen auf der Trabrennbahn in Gelsenkirchen teil. Andreas Mayr stellte sich dabei dem Duell: Mensch gegen Pferd.
16.10.2020 | Stand: 19:36 Uhr

Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen: Aus Mangel an „richtigen“ Radrennen waren die Elite-Amateure des RSC AUTO BROSCH Kempten Tim Schlichenmaier und Andreas Mayr zu einem Einlagerennen auf der Trabrennbahn in Gelsenkirchen eingeladen. Ja, richtig: auf einer Pferderennbahn.

„Bleibst du unter 300 Watt, bleibst du stecken“

Bevor es zum Rennen auf die Bahn ging, hatten die Radsportler die Möglichkeit, sich beim Training an die Gegebenheiten zu gewöhnen. Der Untergrund des „GelsenTrabPark“ besteht nämlich aus Sand. Tim Schlichenmaier war zufrieden mit der Trainingseinheit und dem Tempo der Schrittmacher. Dabei wurde dem 29-Jährigen klar: „Bleibst du unter 300 Watt, bleibst du stecken“.

Rahmenprogramm bei Wettkampftag der Traber

Die Radler starteten als Rahmenprogramm zu dem hochdotierten Wettkampftag der Traber mit ungefähr 120 Pferden. Die Bahn ist 1200 Meter lang, das Gelände ist weitläufig. Aus diesem Grund waren zu der Veranstaltung – in Corona-Zeiten bemerkenswert – 700 Zuschauer vor Ort. In zwei Läufen mit jeweils zehn Runden kämpften die zehn Radfahrer gegeneinander, bevor der Zweikampf Mensch gegen Pferd ausgetragen wurde. „Die anderen acht Fahrer waren alle aus Nordrhein-Westfalen“, berichtet Schlichenmaier. Im ersten Lauf setzte sich der 36-jährige Mayr mit seinem Schrittmacher durch eine Attacke in der letzten Runde deutlich ab und brachte den Vorsprung bis ins Ziel. Sein Teamkollege Schlichenmaier hatte noch den falschen Luftdruck auf der sandigen Bahn.

Im Hauptlauf des Radrennens begann der Start in umgekehrter Reihenfolge: Schlichenmaier und Mayr standen ganz hinten. Der Vorrunden-Sieger Mayr ließ nichts anbrennen und machte in den ersten Runden Position um Position gut. Von Schlichenmaier war jedoch keine Spur.

Mit Taktik zum Erfolg

Aber das war alles Taktik: Erst ließ er die Strecke durch die vor ihm Fahrenden aushärten und startete dann in der vorletzten Runde seine Attacke - und das richtig. Innerhalb kürzester Zeit schloss er zur Spitze der besten vier Männer auf und fuhr in den letzten 600 Metern an allen vorbei. So sicherte er sich den Sieg - und das mit 80 Watt weniger als Mayr, der ausgepumpt auf Rang fünf fuhr.

Traber gegen Radler: Wer hat mehr PS?

Als Höhepunkt war der große Zweikampf zwischen Traber und Radrennfahrer angesagt. „Der Veranstalter hat mich gefragt, ob ich gegen den Traber antreten will“, erzählt Schlichenmaier. Da sein RSC-Kollege Mayr jedoch Süddeutschlands bester Sprinter unter den Elite-Amateuren ist, ließ er ihm den Vortritt. „Ich wusste, dass er eine reelle Chance gegen das Pferd hat“, so Schlichenmaier. In dem spektakulären Rennen sollte Mayr - angefahren von seinem Schrittmacher - auf gleicher Höhe fliegend starten und die 600 Meter lange Zielgerade gegen den Traber samt Pferd spurten.

Mayr schlägt das Pferd

„Schon die Trabschritte und das Schnaufen des Pferds in unmittelbarer Nähe auf der Aufwärmrunde waren sehr furchteinflößend“, sagt Mayr. „Als dann das Tempo angezogen wurde und mein Schrittmacher mich mustergültig mit knapp 50 Klamotten auf der Uhr eingangs der nicht endenden Zielgeraden ablieferte und ausscherte, hörte ich nur noch das Pferd und es war wie im Verfolgungshorror in 4D“, erzählt er von seiner außergewöhnlichen Rennerfahrung. Dadurch angetrieben verwaltete er den knapp rausgefahrenen Vorsprung bis auf die Ziellinie und ging aus dem Mensch-gegen-Pferd-Duell siegreich hervor. „Unterstützt von der Wahnsinns-Kulisse war das ein einmaliges Erlebnis“, schwärmt Mayr.