Allgäuer im Skicross

Daniel Bohnacker aus Obermaiselstein will es im Skicross-Weltcup wissen

Daniel Bohnacker will sich in der Weltspitze etablieren. Am 15. Dezember startet in der Schweiz der Skicross-Weltcup für ihn.

Daniel Bohnacker will sich in der Weltspitze etablieren. Am 15. Dezember startet in der Schweiz der Skicross-Weltcup für ihn.

Bild: imago images

Daniel Bohnacker will sich in der Weltspitze etablieren. Am 15. Dezember startet in der Schweiz der Skicross-Weltcup für ihn.

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Skicrosser Daniel Bohnacker will sich in der Weltspitze etablieren. Dafür hat er sogar seinen Lebensmittelpunkt von der Schwäbischen Alb ins Allgäu verlagert.
09.12.2020 | Stand: 10:36 Uhr

Eine lädierte Schulter, Bänderriss im rechten Sprunggelenk, Kreuzbandriss, Daumen-OP. Die Kranken-Akte von Daniel Bohnacker hat es in sich. Und als wäre all das nicht schon genug, zwickt ausgerechnet jetzt, kurz vor dem Auftakt des Skicross-Weltcups in Arosa/Schweiz am 15. und 16. Dezember, der Rücken. „Es schmerzt schon ein bisschen länger, als es mir lieb ist. Wir waren diese Woche noch beim Skitest im Kaunertal und ich habe gemerkt, dass Skifahren noch nicht so gut war für mich“, sagt der 30-Jährige. Dass der Wettkampf-Winter 2020/2021 nach der witterungsbedingten Absage der Rennen im Montafon nun später beginnt als zunächst geplant, spielt ihm in die Karten. Bohnacker meint: „Es kommt mir entgegen, wenn ich noch ein paar Tage mehr Zeit habe, um wieder 100 Prozent fit zu werden.“

Bohnacker steht vor seiner zwölften Saison in der Skicross-Nationalmannschaft

Denn mit angezogener Handbremse geht einer wie Bohnacker nicht auf die Piste. Der Anspruch an sich selbst ist in den vergangenen Jahren gewachsen. Der Routinier, der als Kind zunächst lange Turner war („eine solide Grundausbildung, egal für welchen Sport“), steht vor seiner zwölften Saison in der deutschen Skicross-Nationalmannschaft. Einmal war er bei den Olympischen Spielen dabei, fünf Weltmeisterschaften stehen in seiner Vita. Über 100 Weltcup-Rennen hat Bohnacker bestritten, elf Mal stand auf dem Siegerpodest – und zweimal sogar ganz oben. Es gab aber nicht nur diese emotionalen Gipfelmomente. Der 30-Jährige musste auch so manches Tal durchschreiten. Zwischen seinem ersten Weltcup-Triumph im Januar 2011 in Alpe d’Huez/Frankreich und dem zweiten Sieg Anfang 2020 im schwedischen Idre Fjäll lagen neun Jahre.

Warum es in den vergangenen Jahren für den 30-Jährigen oft schwer war

Neun lange Jahre, in denen er gesundheitliche Rückschläge verkraften und mentale Herausforderungen meistern musste. Die Ungeduld war dabei oft die große Schwäche des Vollblut-Sportlers. „Ja, es war ab und zu schon schwierig, dranzubleiben. Klar, Verletzungen gehören dazu. Manchmal trifft’s einen eben, ein anderes Mal nicht. Ich habe aber gegrübelt und nachgedacht, ob es noch Sinn macht. Ob ich jemals wieder auf Top-Niveau komme“, erzählt er. Er hat’s tatsächlich geschafft. Auch weil er älter, reifer, routinierter geworden ist. Bohnacker ist seit vergangener Saison zurück an der Weltspitze. „Der Sieg im Januar in Idre war sehr, sehr wichtig. Denn die vergangene Saison war für meine Karriere ganz entscheidend. Ich wollte es mir noch einmal beweisen. Und das ist gelungen“, sagt Bohnacker. Als bester Athlet seiner Disziplin bekam er im Frühjahr sogar den „Goldenen Ski“ des Deutschen Skiverbands verliehen. Schon zum dritten Mal in seiner Laufbahn. „So etwas tut gut“, meint der Sportsoldat.

Was Gründe für den Umzug ins Allgäu waren

Seinen Lebensmittelpunkt hat der gebürtige Blaubeurer im Sommer von der Schwäbischen Alb ins Allgäu verlagert. Bohnacker wohnt in Obermaiselstein. „Nicht zwingend wegen der besseren Trainingsmöglichkeiten“, sagt er grinsend. Es geht um Lebensqualität. Darum, näher an den Bergen zu sein. „Mal eine Skitour machen, wenn wir zuhause sind. Mal einen halben Tag zum Skifahren oder im Sommer zum Biken und Wandern. Ja, das ist hier schon eine feine Sache. Ich habe mich gut eingelebt und bin zufrieden. Und die Heimat ist ja auch nicht aus der Welt“, sagt er.

Die Nähe zu den Teamkameraden spielt auch eine Rolle. Bohnacker ist der Älteste in der DSV-Mannschaft. Sein Wort hat Gewicht. Von seiner Erfahrung profitieren alle. Und dennoch steht der 30-Jährige nur ungern im Mittelpunkt. „Wenn die Jüngeren was von mir wissen wollen, gebe ich gerne Tipps. Aber ich dränge mich nicht auf“, sagt er. Auf der Piste ist das freilich anders. Bohnacker hat in der vergangenen Saison Selbstvertrauen getankt. Er weiß um seine Stärken und sagt zielstrebig: „Die Rennen können kommen. Ich bin bereit.“

Der Skicross-Nationalmannschaft des Deutschen Skiverbands gehören neben Daniel Bohnacker weitere Allgäuer an:

  • Tobias Müller 28 Jahre, SC Fischen, Lehrgangsgruppe (LG) Ia.
  • Cornel Renn 22 Jahre, SV Hindelang, LG Ib.
  • Kilian Himmelsbach 18 Jahre, SC Sonthofen, LG IIa.
  • Sebastian Veit 18 Jahre, SC Rettenberg, LG IIa.
  • Anna Maria Mangold 19 Jahre, SSV Wertach, LG IIb.

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