Krasse Leistung

Das Berg-Jojo: Dieser Allgäuer lief an einem Tag drei Mal auf die Zugspitze

Johannes Klein verblüfft immer wieder mit extremen Ausdauerleistungen. Er gewann im Vorjahr den Kanzelwand-Trail.

Johannes Klein verblüfft immer wieder mit extremen Ausdauerleistungen. Er gewann im Vorjahr den Kanzelwand-Trail.

Bild: Dominik Berchtold

Johannes Klein verblüfft immer wieder mit extremen Ausdauerleistungen. Er gewann im Vorjahr den Kanzelwand-Trail.

Bild: Dominik Berchtold

Wo liegt die Grenze zwischen Leidenschaft und Irrsinn? Johannes Klein weiß es nicht genau, „aber wenn es sie gibt, dann verschiebe ich sie immer wieder“, sagt der Oberstdorfer. So oder so: Der 25-Jährige bewegt sich dabei auf schmalem Grat. An einem kühlen Novembertag 2016 beispielsweise hatte sich Klein ein besonderes Ziel gesetzt: Ausnahmslos alle Straßen und noch so kleinen Gassen Oberstdorfs an einem Stück abzulaufen. Über 48 Kilometer später hatte er seinen privaten „Markt-Marathon“ geschafft. Was sonst noch bei Berg-Jojo abgeht, erfährst Du hier.
19.05.2017 | Stand: 15:43 Uhr

Dieses Kunstwerk stellt die Laufwege von Jojo Klein bei seinem
Dieses Kunstwerk stellt die Laufwege von Jojo Klein bei seinem "Markt-Marathon" dar.
Bild: privat

„Klar, das war schon ein wenig kurioser als normale Läufe. Aber so habe ich Oberstdorf mal aus fast jeder Perspektive gesehen“, sagt der Ausdauersportler über seinen "Markt-Marathon" lachend. Dass der 25-Jährige inzwischen auch auf den großen Wettkampf-Bühnen – vor allem in der Trailrunning-Szene – mitmischt, bewies sein dritter Rang bei der „Transvulcania“ auf La Palma am vergangenen Wochenende. Das Insel-Rennen lockte heuer insgesamt 3600 Athleten in den unterschiedlichen Klassen und führte über Kleins Distanz, der Marathonstrecke, über 45 Kilometer und fast 1900 Höhenmeter.

„Es ist ein topbesetztes Rennen und eines der größten, das es gibt. Für mich war es schon genial, an der Startlinie neben all den großen Namen zu stehen“, gesteht „Jojo“ Klein. Anfangs noch verhalten gestartet, wusste der Oberallgäuer, dass seine Stärke kommen würde, sobald es an die Höhenmeter ging. Der 25-Jährige düpierte die Konkurrenz und lief in 3:55:16 Stunden als Dritter ein. „Ich war überglücklich, als mich meine Mutter im Ziel erwartet hat. Immerhin ist es das wichtigste Rennen meiner bisherigen Laufbahn“, sagt Klein.

Das Bemerkenswerte: Diese dauert noch gar nicht allzu lange an. Denn der Oberstdorfer – bis 18 Jahre bestenfalls als „Abräumer“ in den Fußball-Jugendteams des FCO unterwegs – startete erst 2015 mit ambitionierten Läufen. „Bei all den anderen Sportarten war das Wandern immer schon eine besondere Leidenschaft“, erzählt Klein als er sich an seinen Einstieg erinnert. „Ich bin im normalen Tempo immer mehr gewandert. Ich wurde immer besser und immer schneller.“ Der Oberstdorfer setzte sich im Herbst 2014 den Start beim Nebelhorn-Lauf zum Ziel, feierte 2015 sein Debüt als 27. – und hatte Blut geleckt. Mit Folgen.

Ausdauersportler Johannes Klein aus Oberstdorf scheut keine Grenzerfahrung.
Ausdauersportler Johannes Klein aus Oberstdorf scheut keine Grenzerfahrung.
Bild: Dominik Berchtold

Seither dreht sich in Kleins Leben (fast) alles um den Ausdauersport: Ernährung, Tagesgestaltung, Lebensauffassung. „Ich habe die Anfänge gut verkraftet, weil ich stetig schneller wurde, immer steilere Passagen und neue Herausforderungen gesucht habe“, sagt Klein und fügt mit Blick auf die Faszination Ausdauersport an: „Wie viele Kilometer oder Höhenmeter es sind, spielt gar keine so große Rolle. Wenn man es mit Leidenschaft macht, haben Zeit und Raum immer weniger Relevanz. Du läufst in der Natur und bist dabei einfach frei.“

Leidenschaft. Immer wieder wiederholt sich der Begriff in Kleins Schilderungen. „Das Leiden und das Schinden spielen eine große Rolle, das ist klar“, gesteht er. Es sei nicht nur der körperliche Kampf, sondern auch dem inneren Schweinehund den „ersten Tritt in den Hintern zu geben und sich morgens vor dem Frühstück, oder auch abends bei Kälte zum Laufen zu schicken“ – das mache den Unterschied. Und es hilft, sein eigenes Limit immer wieder zu verschieben, um in seinen Zielen zu variieren, glaubt der 25-jährige.

Und sie sind vielfältig, die Ziele des Grenzgängers. Die rasant wachsende Erfolgsliste mit Triumphen beim Kanzelwand-Trail oder beim „Istrien-Ultra“ will Klein bei der Ultra-WM in der Toskana am 10. Juni erweitern. „Ich mache keinen Hehl daraus, dass es eine Sucht ist“, gesteht Klein: „Laufen ist eine Droge. Ich spüre, wie unausgeglichen ich bin, wenn ich einige Tage nicht laufe.“ Wie anders lässt es sich auch erklären, dass der 25-Jährige an einem Tag die Zugspitze sagenhafte dreimal bestiegen hat und dabei 7000 Höhenmeter hinter sich gelassen hat? Richtig, nur mit Leidenschaft. Oder wie Johannes Klein es beschreibt: „Ein Tag ist vollendet für mich, wenn ich laufen kann.“