Vierschanzentournee-Start

Der letzte Allgäuer Heimsieg liegt 57 Jahre zurück

Max Bolkart war der erste und bisher letzte Allgäuer, dem beim Auftaktspringen der Vierschanzentournee 1959 ein Sieg auf seiner Hausschanze am Schattenberg gelang.

Max Bolkart war der erste und bisher letzte Allgäuer, dem beim Auftaktspringen der Vierschanzentournee 1959 ein Sieg auf seiner Hausschanze am Schattenberg gelang.

Bild: Archiv SC Oberstdorf

Max Bolkart war der erste und bisher letzte Allgäuer, dem beim Auftaktspringen der Vierschanzentournee 1959 ein Sieg auf seiner Hausschanze am Schattenberg gelang.

Bild: Archiv SC Oberstdorf

Der erste und bislang einzige Erfolg eines Allgäuer Skispringers beim Auftakt in Oberstdorf datiert aus dem Jahr 1959. Alles zur Vierschanzentournee 2016/2017.
06.05.2021 | Stand: 13:25 Uhr

Verwöhnt mit Erfolgen der DSV-Adler wurden die deutschen Skisprung-Fans in den letzten Jahren nicht wirklich. Neidlos mussten sie anerkennen, dass das Auftaktspringen der deutsch-österreichischen Vierschanzentournee meist fest in rot-weiß-roter Hand lag.

Mit Schlierenzauer (2006, 2011), Morgenstern (2007, 2010), Kofler (2009) und Kraft (2014) belegten die Österreicher zuletzt sechs von zehn Mal das oberste Podest. Doch letztes Jahr platzte für das ob seiner Heimschwäche oft kritisierte Team von Bundestrainer Werner Schuster endlich der Knoten: Severin Freund beendete die 13-jährige Durststrecke (Sven Hannawald gewann davor 2002 das letzte Mal) und verwandelte die Erdinger Arena am Schattenberg in ein einziges Meer aus schwarz-rot-goldenen Fähnchen.

Echter Heimsieg?

Aber wie steht’s mit einem richtigen Heimsieg aus? Wann hat zuletzt ein Allgäuer oder gar Oberstdorfer bei der Tournee triumphiert? Das liegt eine halbe Ewigkeit zurück, genauer gesagt 57 Jahre, als Max Bolkart als damals 27-Jähriger nicht nur vor 6.000 Zuschauern im strömenden Regen auf seiner Hausschanze gewann, sondern am Neujahrstag in Garmisch-Partenkirchen nachlegte und auch in Innsbruck mit besten Weiten und besten Noten der gesamten Konkurrenz auf und davonflog.

Karl Geiger vom SC Oberstdorf ist am Freitag der Lokalmatador: Diese Saiso schaffte er bereits zwei Top-Ten-Platzierungen.
Karl Geiger vom SC Oberstdorf ist am Freitag der Lokalmatador: Diese Saiso schaffte er bereits zwei Top-Ten-Platzierungen.
Bild: Kimmo Brandt/dpa

Doch auch Bolkart schaffte es nicht, als erster Springer der Tournee alle vier Tageswertungen zu gewinnen (das gelang als bisher einzigem Sven Hannawald 2001/2002). In Bischofshofen wurde er nur Fünfter, die Gesamtwertung 1959/60 gewann der Oberstdorfer aber dennoch souverän.

Kann Karl Geiger vom Skiclub Oberstdorf Bolkarts Triumph noch zu dessen Lebzeiten wiederholen? Der 23-Jährige erreichte in dieser Saison zwar im finnischen Ruka schon zwei Top-Ten-Platzierungen (sechs und neun), will die Erwartungen aber nicht allzu hochschrauben.

Nach zwei tragischen 51. Plätzen bei seinen ersten Heimwettkämpfen 2012 und 2013 steigerte er sich kontinuierlich: 2014 landete er auf Rang 38, vergangenes Jahr auf Platz 26. Wie sich Geiger auf sein Heimspiel in diesem Jahr vorbereitet hat, liest Du am Donnerstag.

Am Freitag ausverkauft: Die Nachfrage bei den Fans, live bei der ersten Entscheidung dabeizusein, ist auch heuer riesengroß. „Für Freitag sind keine Tickets mehr verfügbar“, meldeten gestern die Organisatoren. Mit 25.500 Zuschauern sei die Erdinger Arena bereits jetzt voll. Auch der Ansturm auf die Qualifikation, die bereits im vergangenen Jahr mit 13.500 Besucher alle Rekorde brach, ist groß. Es gebe aber noch ausreichend Tickets im Vorverkauf und an den Stadionkassen.

Kompetenz in der Rennleitung: Mit geballter Skisprung-Kompetenz will der Veranstalter im Kampfrichterturm glänzen. Ex-Profi Michael Neumayer, der nach der vergangenen Saison seinen Rücktritt erklärt hatte, unterstützt in Oberstdorf die Rennleitung. Während der 38-jährige Fischinger Neuland betritt, geht sein Partner in sein drittes Auftaktspringen als Rennleiter. SC-Oberstdorf-Eigengewächs Georg Späth (34) dürfte heuer noch etwas gelassener an die Aufgabe herangehen. Michael Neumayer unterstützt außerdem Sepp Gratzer als Materialkontrolleur. In diese Rolle schlüpfte Neumayer heuer bereits beim Sommer Grand-Prix im japanischen Hakuba.

Jubiläum für den Pressechef: Sein „Zehnjähriges“ hinter den Kulissen der Tournee feiert Pressechef Ingo Jensen (47). Der gebürtige Immenstädter begleitet seit 1999 das Auftaktspringen in Oberstdorf und übernahm 2006 von Karl Taglauer die gesamte Vierschanzentournee. Akkreditierungen, Marketingfragen und die Betreuung von 300 Journalisten gehören zu Jensens Aufgabengebiet. Der schwarze Hut ist sein Markenzeichen. „Im Grunde genommen bin ich während der Tournee zwölf Tage am Anschlag“, sagt Jensen über sein Arbeitspensum. „Inzwischen weiß ich aber, was mich erwartet. Mit den Jahren kann man sich ganz gut auf die Herausforderung einstellen.“

So läuft der Wettkampf: Bei der Tournee gelten im Unterschied zu „normalen“ Weltcups andere Regeln. Bei der Qualifikation morgen, Donnerstag, ab 16.45 Uhr werden die 50 besten Skispringer ermittelt, wobei die Top Ten der Weltcup-Wertung fix gesetzt sind und nicht springen müssten. Die 50 Besten ermitteln am Freitag im ersten Wertungsdurchgang in K. o.-Duellen (1 gegen 50, 2 gegen 49, ...25 gegen 26) die 30 Springer für den Finaldurchgang (die 25 Sieger der Duelle sowie die fünf punktbesten Lucky Loser).

Zeitplan: Donnerstag, 29. Dezember 13 Uhr: Stadioneinlass; 14.45 Uhr Offizielles Training; 16.45 Uhr Qualifikation. Freitag, 30. Dezember 13 Uhr Stadioneinlass; 15.30 Uhr Probedurchgang; 16.45 Uhr 1. Wertungsdurchgang; anschließend Finale und Siegerehrung.