Segeln

Die Feuertaufe: Segel-Juwel Julian Hoffmann feiert Debüt bei den Profis

Julian Hoffmann entwickelt den Blick fürs Detail: „Durch die größere Segelfläche wird das Segeln viel körperlicher, das Boot ist kippeliger“, sagt der 17-jährige Blaichacher, der 2019 die Bootsklasse gewechselt hatte. „Es ist noch viel Luft nach oben in allen Bereichen. In keinem Punkt bin ich schon da, wo ich hin will.“

Julian Hoffmann entwickelt den Blick fürs Detail: „Durch die größere Segelfläche wird das Segeln viel körperlicher, das Boot ist kippeliger“, sagt der 17-jährige Blaichacher, der 2019 die Bootsklasse gewechselt hatte. „Es ist noch viel Luft nach oben in allen Bereichen. In keinem Punkt bin ich schon da, wo ich hin will.“

Bild: Christian Beeck

Julian Hoffmann entwickelt den Blick fürs Detail: „Durch die größere Segelfläche wird das Segeln viel körperlicher, das Boot ist kippeliger“, sagt der 17-jährige Blaichacher, der 2019 die Bootsklasse gewechselt hatte. „Es ist noch viel Luft nach oben in allen Bereichen. In keinem Punkt bin ich schon da, wo ich hin will.“

Bild: Christian Beeck

Wegen der Corona-Pandemie wagt sich Julian Hoffmann (17) früher als geplant an den Start bei der Elite. Wie Weltmeister Philipp Buhl dem Blaichacher unter die Arme greift.
12.11.2020 | Stand: 17:05 Uhr

Er hat den Sprung zu den Profis gewagt – und er hat die Feuertaufe bestanden. Früher als geplant absolvierte das Segel-Talent Julian Hoffmann seine erste Saison bei den Senioren, den Erwachsenen der Laser-Klasse. Und mit den Rängen 30 bei der prestigeträchtigen Kieler Woche und 60 bei der Europameisterschaft vor Danzig in Polen schaffte es der erst 17-jährige Athlet vom Segelclub Alpsee-Immenstadt auch auf Anhieb zweimal in das Goldfleet der besten verbliebenen Segler. „Ich habe viel Lehrgeld gezahlt, das weiß ich“, sagt Hoffmann. „Aber ich bin zufrieden damit, welche Erfahrungen ich sammeln konnte. Immerhin bin ich 2020 nicht mit großen Ansprüchen bei den Erwachsenen gestartet.“

Corona-Pandemie macht Pläne zunichte

Denn das Debüt des vierfachen deutschen Jugendmeisters im „Konzert der Großen“ war für 2020 noch gar nicht vorgesehen. Hoffmann hätte in dieser Saison zuallererst bei der WM und der EM in den Juniorenklassen Erfolgserlebnisse sammeln wollen – doch wie so vielen Athleten, machte die Pandemie auch dem Teenager aus Blaichach einen Strich durch den sportlichen Jahresplan.

„Es sind viele Regatten ausgefallen in meinen Altersklassen. Und in der Corona-Zeit habe ich mich entschieden, dass wir uns im Sommer für die Senioren-EM registrieren“, erzählt Hoffmann. Die Quali-Norm hierfür hatte er durch den Kaderplatz in der Junioren-Nationalmannschaft als einer von acht Athleten geschafft. „Also habe ich mein Jahr darauf ausgerichtet, die zwei großen Regatten mit den Profis zu segeln. Sonst wäre es ein verschwendetes Jahr gewesen.“

Und das wurde es keinesfalls. Denn mit den ersten Lockerungen und der Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs statteten die Junioren den deutschen Profis, Vorzeige-Segler und Weltmeister Philipp Buhl, sowie dessen Trainingspartner Nik Aron Willim, einen insgesamt vierwöchigen Besuch in Kiel ab. „Es war beeindruckend zu sehen, wie die Profis trainieren, wie sie sich strukturieren, im Alltag um das Segeln herum“, schwärmt Hoffmann. „Sie sind präzise in den Auswertungen, achten fein auf Details, die ihnen in den Trainings auffallen. Und sie waren ehrlich mit uns, was ihnen früher geholfen hat und was sie damals weitergebracht hat.“

Zwei Wochen gemeinsam mit Philipp Buhl

Der größte Wert für Julian Hoffmann: Über zwei Wochen war der 17-jährige beim Sonthofer Philipp Buhl untergebracht, hatte so intensiv und exklusiv Zeit, sich vom besten Segler der Welt Tipps zu holen. „Er war unglaublich hilfsbereit und hat sich geduldig Zeit genommen – ich habe ihn gelöchert, wo es nur ging“, sagt Hoffmann lachend. „Im Trainingslager war es imposant zu sehen, wie nüchtern er das Segeln und wie wissenschaftlich er Sport und Wettkampf beurteilt. Seine Leistungsanalyse, die Punkte, an denen er arbeiten kann, waren immer klar und kaum mit Emotionen verbunden.“

Eine Herangehensweise, die sich Hoffmann über die kommenden Jahre auch anlegen will – nach und nach. Denn zuallererst steht die Eingewöhnung an die neue Bootsklasse an. Bisher ist der dreimalige Sieger der „YES“ in Kiel in den Jugendjahren den Laser 4.7 (4,7 Quadratmeter Segelfläche) gesegelt, ehe 2018 der Umstieg auf den Laser Radial (5,7 qm) folgte – der Klasse für Frauen.

Ende 2019 versuchte sich Hoffmann erstmals im Laser Standard, 2020 absolvierte er nun das erste komplette Jahr im „Boot der Elite“. Rumpf, Schwert und Baum des Bootes sind identisch zu den kleineren Klassen – auch das Gesamtgewicht von etwa 90 Kilo seien nicht das Problem, sagt er. „Die Segelfläche von 7,06 Quadratmetern ist aber entscheidend. Dadurch wird das Segeln viel körperlicher, das Boot ist kippeliger, entwickelt mehr Hebel – das Ganze macht es schlicht schwerer, die Balance zu halten“, beschreibt Hoffmann.

Julian Hoffmann überzeugt bei der Kieler Woche

Und so geriet die Feuertaufe bei der Kieler Woche, bei der der Blaichacher als Gesamt-30. überzeugte, zum fortwährenden Kampf mit den veränderten physikalischen Begebenheiten der neuen Bootsklasse. „Man muss auf dem Niveau mit den Profis das ganze Rennen hundert Prozent geben können, um mitzuhalten, und wenn man da einen Tick langsamer ist, macht es die zwei Meter aus, die man nicht mehr aufholen kann“, sagt Hoffmann. „Es ist krass, wie wir Jungen auf der letzten Rille kämpfen im letzten Abschnitt und die Profis knallen das Ding mit einer stabilen Sicherheit runter.“

Vergleichbare Eindrücke sammelte er auch bei der EM in Danzig, beim Debüt, das er als 60. und als Zweiter der U 19 abschloss. „Ich bin glücklich, dass ich auch da das Goldfleet erreicht habe. Alleine die letzten drei Tage mit den Großen der Welt zu segeln, dafür lohnt sich jeder Augenblick“, sagt Hoffmann, der mit Rang zwölf im siebten Rennen (trotz Frühstarts) hatte aufhorchen lassen.

"Es ist noch viel Luft nach oben in allen Bereichen"

Neben den körperlich gestiegenen Anforderungen mit dem Einstieg in die Elite-Klasse wolle er im Winter vor allen Dingen an Fertigkeiten, wie Bootsgeschwindigkeit, Bootshandling, an der Antizipation von Entscheidungen und an der Ansteuerung von Bojen arbeiten. „All diese Dinge laufen bei den Profis automatisiert“, sagt Hoffmann. „Und das gibt ihnen so viel mehr Raum, sich auf das Taktische im Rennen zu konzentrieren.“

Letzteres bringt die Erfahrung – und die sammelt Deutschlands Nachwuchs-Segler 2018 mit jedem Sprung ins kalte Wasser weiter. „Es ist noch viel Luft nach oben in allen Bereichen des Segelns. In keinem Punkt bin ich schon da, wo ich hin will“, sagt Julian Hoffmann. „Wenn ich meine Fehler von 2020 ausmerzen kann, wenn ich das lerne, dann habe ich 2021 schon mal einen Punkt weniger, der mich bremst.“