Corona im Allgäu

„Ein Karateka gibt nicht auf“

Thomas Kölling, Inhaber der Sportschule Shinto in Füssen, bietet Karate- und Intervalltraining wegen des Lockdowns auch online an. Auf dem Bildschirm kann er alle Teilnehmer sehen.

Thomas Kölling, Inhaber der Sportschule Shinto in Füssen, bietet Karate- und Intervalltraining wegen des Lockdowns auch online an. Auf dem Bildschirm kann er alle Teilnehmer sehen.

Bild: Sportschule Shinto

Thomas Kölling, Inhaber der Sportschule Shinto in Füssen, bietet Karate- und Intervalltraining wegen des Lockdowns auch online an. Auf dem Bildschirm kann er alle Teilnehmer sehen.

Bild: Sportschule Shinto

Thomas Kölling bietet während der Lockdowns Online-Training an. Davon profitiert er selbst und bekommt viel Dank von anderen
04.02.2021 | Stand: 07:17 Uhr

Karate findet nicht nur im Dojo statt. Das ist laut dem Füssener Thomas Kölling, 4. Dan JKA (Japan Karate Association), ein Leitspruch dieser Kampfkunst. Es bedeutet zum einen, dass man die Werte, die der Sport vermittelt, überall im Leben brauchen kann. Zum anderen besagt es, dass man Karate an vielen Orten praktizieren kann. In der Corona-Krise geht Kölling deshalb neue Wege, um seinen Sport auszuüben. Schon während des ersten Lockdowns im März bot er die Kurse seiner Sportschule Shinto online an – mit Erfolg.

Karate sei anders als andere Sportarten, sagt der Füssener. Es beinhalte eine besondere Lebenseinstellung, geprägt von Disziplin und Durchhaltevermögen. „Ein Karateka gibt nicht auf. Das ist seine innere Pflicht“, sagt Kölling, der den Sport seit 35 Jahren ausübt. Auch vom Corona-Virus lässt er sich daher nicht so einfach ausbremsen, stattdessen nutzt er das Internet, um diese Grundsätze weiterhin zu vermitteln.

Teilnehmer aus ganz Deutschland

„Wir gehören zu den Ersten, die diese Art von Training bereits seit letztem Jahr anbieten“, sagt Kölling. Deutschlandweit trainieren Mitglieder anderer Vereine derzeit bei ihm mit. Pro Kurs verzeichnet er eine Teilnehmerzahl von 20 bis 30 Personen. Elf Online-Kurse bietet er von Montag bis Freitag an. Darunter befinden sich neben den Karate-Trainings für alle Alters- und Leistungsgruppen Fitnessboxen und Tabata-HIIT, ein hochintensives Intervalltraining. Und nach dem Training wird oft noch gemeinsam angestoßen – online natürlich.

Die Sportschule Shinto will mit diesem Angebot in den aktuellen Zeiten Zusammenhalt demonstrieren und ihren Mitgliedern weiterhin das volle Trainingsprogramm für ihre Mitgliederbeiträge bieten. Wer irgendwie die Möglichkeit hat, das Online-Training umzusetzen, sollte sich nicht ausruhen und nichts machen, ist sich der Füssener sicher. Ihm hilft das Online-Training, seine Mitglieder zu halten. Zumal die Sportschule Shinto auf deren Beiträge angewiesen ist, um zu überleben. „Wir sind kein Verein und müssen Einnahmen generieren“, sagt Kölling. Staatliche Hilfen bekommt er nicht, weil durch die Treue der Mitglieder und das umfangreiche Angebot die Mitgliedsbeiträge weiter fließen können. Trotzdem bezeichnet er den zweiten Lockdown „als Katastrophe. Es ist schwierig gerade, aber wir machen weiter“.

Anfängerkurse im Moment unmöglich

Eine Neugewinnung von Mitgliedern zum Beispiel, wie früher über Anfängerkurse, Flyer und Mundpropaganda „ist im Moment fast unmöglich“, sagt Kölling. Aber mit dem Online-Angebot verzeichne er zumindest nur den sonst üblichen Mitgliederabgang. Um aber doch noch neue Menschen zu erreichen, plant er ab März über das Netz einen Karate-Anfängerkurs für Erwachsene. Wer also schon immer mal vor hatte, diesen Sport zu betreiben und sich vielleicht nie getraut hat, kann sich auf diese Weise einen Einblick in die Sportschule holen. „Die Leute sind dankbar, dass wir Onlinetraining anbieten“, sagt Kölling. Auf diese Weise können sie weiter Sport treiben und behalten durch die festen Trainingszeiten ein wenig Struktur in ihrem ansonsten oft recht veränderten Alltag. Dank erfahre er deshalb auch regelmäßig von seinen kleinen und großen Mitgliedern. Auch die jüngsten Karateka ab vier bis sechs Jahren aus der Bonsai-Gruppe trainieren fleißig. „Da müssen die Eltern zwar beim Training noch mithelfen. Von selbst klappt es erst ab sieben Jahren. Aber auch die Kleinsten wissen, am Freitag um 17 Uhr ist fix Karatetraining“, berichtet Kölling.

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Besondere technische Voraussetzungen braucht es für das Online-Training nicht. Ein PC, Laptop oder Tablet, ein halbwegs schneller Internetzugang und etwas Platz zuhause genügen. „Es geht auch mit dem Handy, aber da ist der Bildschirm sehr klein“, meint Kölling. Das Training läuft über die Plattform Zoom und gestaltet sich ähnlich, wie eine Online-Konferenz. Der Trainer ist groß in der Mitte des Bildschirms zu sehen, die Teilnehmer in kleinen Fenstern außen herum. Jeden davon kann Kölling einzeln anklicken und das Bild vergrößern. Auf diese Weise sind auch Korrekturen gut machbar.

Vollwertiges Training, nicht nur Bespaßung

Wichtig ist dem Füssener, dass er ein vollwertiges und anspruchsvolles Training anbietet. „Es soll nicht nur eine Bespaßung sein“, betont er. Je nachdem, wie lange der Lockdown noch andauert, plant er sogar Gürtelprüfungen über das Internet abzuhalten. Nachteile gegenüber dem Präsenztraining sieht er in der Online-Variante nicht. Seine Vorbereitungszeit sei zwar länger, weil er das Training etwas anders aufbauen müsse, aber ansonsten sei alles möglich. Seinem Gefühl nach sei der Zusammenhalt jetzt sogar stärker als beim Präsenztraining. „Es wissen alle, was wir gerade für Zeiten haben und rücken enger zusammen“, beschreibt Kölling. Er glaubt, dass sich das mit ins künftige Präsenztraining nehmen lässt und „wir so gestärkt aus der Sache hervorgehen“.

Das Fitness-Boxen und das Intervall-Training möchte Kölling nach dem Lockdown tagsüber weiter übers Internet anbieten. „Da sind mehr Teilnehmer online dabei, als im Präsenztraining“, sagt er. Das liege daran, dass sich viele Freunde und Eltern seiner Karatekids daran beteiligten, die sonst Training und Kinderbetreuung nicht unter einen Hut bekommen. Von daheim aus aber sei das kein Problem.