Eishockey

Eric Nadeau: Mit 46 Jahren Kapitän des EV Füssen

Eric Nadeau ist bereits 46 Jahre alt und geht in seine 20. Eishockeysaison in Deutschland. Der Kapitän des Eishockey-Oberligisten EV Füssen denkt noch nicht ans Aufhören.

Eric Nadeau ist bereits 46 Jahre alt und geht in seine 20. Eishockeysaison in Deutschland. Der Kapitän des Eishockey-Oberligisten EV Füssen denkt noch nicht ans Aufhören.

Bild: Benedikt Siegert

Eric Nadeau ist bereits 46 Jahre alt und geht in seine 20. Eishockeysaison in Deutschland. Der Kapitän des Eishockey-Oberligisten EV Füssen denkt noch nicht ans Aufhören.

Bild: Benedikt Siegert

EVF-Kapitän Eric Nadeau könnte der Vater vieler seiner Teamkollegen sein. Sogar Opa ist er schon geworden. Wie der 46-Jährige  mit seiner Fitness verblüfft.
04.11.2020 | Stand: 21:13 Uhr

Er hat die Laktatwerte eines 20-Jährigen. Von seinem Körperfettanteil (fünf Prozent) träumen manche Sportler ihr ganzes Lebens lang. Beim diesjährigen Leistungstest auf dem Ergometer schnitt er gar als zweitbester des gesamten Teams ab. Und das alles trotz der 46-Jahre, die Eric Nadeau inzwischen auf dem Buckel hat. Der Kapitän des Eishockey-Oberligisten EV Füssen könnte der Vater vieler seiner Teamkollegen sein. Mehr noch. Im Januar hielt er sogar stolz seine erste Enkeltochter Lilly in Händen. Ans Aufhören denkt der Deutsch-Kanadier aber noch nicht. „Solange der Körper mitspielt, und ich merke, dass ich noch mithalten kann, mache ich weiter“, sagt Nadeau.

Auftaktspiel des EV Füssen gegen den HC Landsberg

Wenn der EVF am Freitag gegen den HC Landsberg in die Saison startet, wird es der Auftakt sein zur 20. Saison des Eric Nadeau in Deutschland. Eine turbulente Zeit: Bis auf die DEL war Nadeau nämlich seither in jeder deutschen Eishockey-Spielklasse aktiv. Er erlebte, wie die Eisbären Kempten in die Insolvenz schlitterten. Er ging mit dem EV Füssen den harten Gang in die Bezirksliga. Aber er erlebte auch späte Höhepunkte. Wie die drei Meisterschaften mit den Schwarz-Gelben und das furiose erste Oberliga-Jahr mit Rang sieben. Da könnte man sich als inzwischen 46-Jähriger doch eigentlich zufrieden zurücklehnen, oder? Mitnichten. Denn dafür dreht sich im Leben des Eric Nadeau noch viel zu viel um Eishockey: „Ich stehe ja auf Schlittschuhen, seit ich drei Jahre alt bin.“ Auch beruflich kann er nicht lassen vom schnellsten Mannschaftssport der Welt: Beim Füssener Eishockey-Großhändler Schanner kümmert er sich um die Kontakte nach Übersee. „Da liegt inzwischen klar mein Fokus, ich bin kein Profi mehr“, sagt Nadeau.

Balance zwischen gesunder Ernährung, langem Schlaf und viel Bewegung

Opfer bringen muss er für den Sport aber dennoch ziemlich große. Gerade wegen seines Alters. Häufig geht er um halb sieben daheim in Kempten aus dem Haus und kommt erst um kurz vor neun wieder zurück. „Ich würde nicht sagen, dass ich härter trainiere als früher“, sagt Nadeau. Aber es gelte schon eine Balance zu finden aus gesunder Ernährung, langem Schlaf und viel Bewegung. Bis zu sechs Mal in der Woche trainiert der 46-Jährige. Und zwar wenn nicht gerade Eishockey-Saison ist. Kraft, Ausdauer, Sprints. „Aber nicht länger als anderthalb Stunden am Tag - zu viel ist auch nicht gut“, sagt Nadeau.

Ob es nicht manchmal komisch ist, neben Teamkollegen zu sitzen, die seine Söhne sind? „Du musst im Herzen jung bleiben“, lacht Nadeau. Und er hat noch eine passende Anekdote parat. Denn inzwischen spielt er mit Nikita Naumann (18) im Team. „Das erste mal habe ich ihn gesehen, als er mit seinem Vater zu uns in die Kabine kam - da war er sieben und ich spielte noch mit seinem Vater Andrej zusammen“, schmunzelt der 46-Jährige. „Da merkst du schon, du wirst älter.“

Nadeau entscheidet von Jahr zu Jahr, ob er weitermacht

Wie lange er noch weitermachen will, kann Nadeau nicht sagen. „Ich entscheide von Jahr zu Jahr mit meiner Frau und meiner Familie, je nach dem wie es mir geht“, sagt der Deutsch-Kanadier. Sein Landsmann Gordie Howe habe ja schließlich mit 51 auch noch in der National Hockey League gespielt.

Ob die 20. Saison des Eric Nadeau in Deutschland also seine letzte wird, steht noch nicht fest. Eine besondere wird die Spielzeit aber wegen Covid-19 ganz bestimmt. „Das ist von der Emotion her, so ohne Zuschauer, ganz schwierig, sich zu motivieren“, sagt Nadeau. Aber sein Eishockey-Virus ist stärker als Corona.