75. Geburtstag des Ex-Bayern-Spielers

"Bulle" Franz Roth wird 75 - Rasen und Schwung sind dem Allgäuer geblieben

Der Allgäuer "Bulle", Franz Roth, wird 75 Jahre alt. Der Ex-Profifußballer spielte zwölf Jahre für den FC Bayern München.

Der Allgäuer "Bulle", Franz Roth, wird 75 Jahre alt. Der Ex-Profifußballer spielte zwölf Jahre für den FC Bayern München.

Bild: Ralf Lienert (Archivbild)

Der Allgäuer "Bulle", Franz Roth, wird 75 Jahre alt. Der Ex-Profifußballer spielte zwölf Jahre für den FC Bayern München.

Bild: Ralf Lienert (Archivbild)

Einst marschierte der Allgäuer über den Fußballplatz und machte mit wichtigen Toren Bayern München groß. Nun wird er 75 und ist immer noch auf dem Rasen daheim.
27.04.2021 | Stand: 15:01 Uhr

Beim FC Bayern ist eigentlich alles rot. Die Allianz-Arena wird bei abendlichen Heimspielen in dieser Farbe illuminiert, rot leuchten die Trikots der Stars. So erscheint es irgendwie logisch, dass auch die größten Erfolge der Münchner Fußballer mit dem Namen Roth verbunden sind. Mehr noch: Franz Roth, der an diesem Dienstag seinen 75. Geburtstag feiert, legte quasi den Grundstein für diese Erfolge.

Franz Roth zieht es zum Golf

An diesem Frühlingstag trägt Franz Roth allerdings grün. Er hat sich mit Fernsehreporter Bernd Schmelzer zu einer Runde Golf verabredet. Im Club zu Gut Ludwigsberg nördlich von Türkheim, wo Roth seit 20 Jahren seiner zweiten Leidenschaft nach dem Fußball frönt. Mittlerweile ist der immer noch in seinem Heimatdorf Bertoldshofen bei Marktoberdorf wohnende Ex-Fußballer Ehrenmitglied.

„Man hat das Gefühl, der wohnt da, so wie der super den Platz erklärt“, sagt Schmelzer nach der Runde, die von einem Kamerateam begleitet wird. Dabei wirkt er leicht außer Atem. „Jaja, ich bin ein zügiger Golfer“, sagt Roth lachend. Oder wie es ein langjähriger Mitspieler ausdrückt: „Mit ihm spielt man nicht Golf, mit ihm rennt man Golf.“

Franz Roth feiert 75. Geburtstag: Woher der Spitzname "Bulle" kommt

Zügig und kraftvoll rannte Roth schon als Fußballer über den Rasen, was dem Mittelfeldmann mit dem wuchtigen Schuss schon bald den Spitznamen „Bulle“ einbrachte. So nennt ihn heute noch die halbe Welt. Wobei, so der richtige Weltmann im Stil seiner einstigen Mitstreiter wie Franz Beckenbauer, Gerd Müller und Sepp Maier (denen Roth mit seinen wichtigen Europacup-Toren den Weltruhm erst ermöglichte) war der Bulle nie. Eher schon Familienmensch. Bis heute.

„So zwei, drei Mal in der Woche kommt er zum Essen“, erzählt Enkel Rufus, der beim FC Ismaning in der Bayernliga kickt. „Dann kochen wir was schönes und überraschenderweise fallen dem Opa immer noch neue Geschichten ein.“ Und er schaut auch von ihm ab. Rufus Roth (18): „Ich studiere in München Sportwissenschaft. Da gibt es auch ein Fußball-Seminar, und von seiner Schusstechnik kann man immer noch lernen.“ (Lesen Sie auch: Zum 75. Geburtstag von Franz Beckenbauer: Besondere Worte von Gefährten)

Franz Roth war zwölf Jahre beim FC Bayern München

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Damit schoss der Bulle die Bayern zu drei Europacupsiegen, zum ersten Mal 1967 in Nürnberg beim Pokalsieger-Finale gegen die Glasgow Rangers. Roth: „Das war wohl mein schönstes und wichtigstes Tor, weil von da an ging es ständig bergauf.“ Zwölf herrliche Jahre habe er gehabt beim FC Bayern, die er rückblickend so beschreibt: „Es war eine Patt-Situation: Der FC Bayern hat von mir profitiert und ich habe dem FC Bayern viel zu verdanken.“

Wobei alles sehr bescheiden anfing: Mit 20 bekam Roth, der erst als 13-Jähriger in der C-Jugend des TSV Bertoldshofen mit dem Kicken begonnen hatte, vom damaligen Manager Robert Schwan einen Zweijahresvertrag angeboten – Monatsgehalt 900 Mark. Dennoch sagt der Landwirtssohn: „Mit der heutigen Profigeneration würde ich nicht tauschen wollen. Allein wenn ich an die Medien denke ...“ Fakt ist, dass der FCB auch noch heute ganz oben steht – ebenso wie in den Schlagzeilen.

Die aktuelle Trainer-Situation rund um Hansi Flick beurteilt Roth wie folgt: „Es ist wie in einer Ehe: Wenn die nicht mehr funktioniert, dann muss man einen Weg finden, so herauszukommen, dass man sich gegenseitig respektiert. Ich hoffe, dass beide Seiten vernünftig bleiben. Es wäre schade, wenn am Ende dreckige Wäsche gewaschen werden würde.“ (Lesen Sie auch: Fußballerin aus Wangen wechselt zum FC Bayern München zurück)

Bilderstrecke

Ex-Bayern- und Nationalspieler Franz Roth feiert 75. Geburtstag

Klopp oder Nagelsmann: Wer ist Roths Favorit als neuer Bayern-Trainer?

Um die Zukunft des Rekordmeisters macht sich Roth jedenfalls keine Sorgen: „Es wird auch nach Hansi Flick bei Bayern weitergehen. So wie es immer weitergegangen ist. Vielleicht nicht immer gleich so erfolgreich, aber dann, wenn sich wieder ein Team gefunden hat.“

Auf einen Favoriten für die Flick-Nachfolge will er sich aber nicht festlegen: „Jeder Trainer hat eine eigene Philosophie. Deswegen ist es schwer zu sagen: Der wäre der Richtige für Bayern. Ob Klopp oder Nagelsmann: Man kann in die Menschen nicht reinschauen. Man weiß nie, ob sie zu Bayern passen würden.“ (Lesen Sie auch: Früherer Gerd-Müller-Sturmpartner wird 80 - "Stolz" auf FC Bayern-Historie)

Franz Roth führte ein Sportgeschäft in Bad Wörishofen

Mit Franz Roth und dem FC Bayern hat es zwölf Jahre lang gepasst, in die Fremde zog es den Allgäuer erst zum Abschluss seiner Karriere – kurzzeitig nach Salzburg und Sandhausen, ehe er es in Mindelheim ausklingen ließ. In der Nähe seines Sportgeschäftes in Bad Wörishofen, auf das er sich nach seiner Karriere 40 Jahre lang konzentrierte. Ein zweites kam im Laufe der Zeit in Marktoberdorf hinzu, mittlerweile geführt von seinem Sohn Claus (51). Der erzählt beim Fototermin, dass er mit dem Papa gern zum Fischen geht, mal am Forggensee oder auch mal im Unterallgäu.

Dann nimmt Roth senior fürs Foto einen Bayern-Schal in die Hand, betrachtet die aufgedruckten Trophäen und sagt: „Bei den meisten war ich selber dabei.“ Bei Roth klingt das nicht nach Eigenlob, sondern nach einer Mischung aus Stolz und Dankbarkeit. Auch wenn er über seine golferischen Fähigkeiten – Handicap 12,3 – spricht: „Ich bin kein ehrgeiziger Golfer und will nicht immer nur gewinnen. Vielmehr genieße ich die Ruhe und die Natur und auch mal, ein Reh oder einen Hasen zu entdecken.“

„Der Bulle weidet halt immer noch auf der grünen Wiese“

Die Runde auf Gut Ludwigsberg ist beendet, Franz Roth verstaut die Golfschläger im Auto und bringt Vergangenheit und Gegenwart auf den Punkt: „Der Bulle weidet halt immer noch auf der grünen Wiese.“ Wobei – logisch war es nicht unbedingt, dass er bei den roten Bayern Karriere macht. „Im Allgäu waren wir früher eher 60er“, erinnert er sich. Also blau."

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