An verwunschenem Ort

Faszinierender Kurzfilm: Warum der Allgäuer Snowboard-Profi Elias Elhardt im Kosovo drehte

Lost place statt Luxus-Pisten: Snowboard-Profi Elias Elhardt (31) aus Oberstaufen hat seinen zweiten Kurzfilm in einem verlassenen Skigebiet gedreht: Brezovica im Kosovo.  Warum der Film "Narcis", den Du bei uns anschauen kannst, ein Symbol für die Völkverständigung ist, erfährst Du hier.
14.01.2020 | Stand: 12:52 Uhr

Wintersport im Kosovo? Koso-WO? Top-Snowboarder Elias Elhardt hat sich auf Spurensuche begeben. Für seinen zweiten Kurzfilm, "Narcis" (Narzisse), verbrachte er mehrere Wochen an einem Wintersport-Ort ohne Gäste: in Brezovica im Süden der krisengeplagten Republik. Leerstehende Hotels, renovierungsbedürftige Liftanlagen, Tristesse auf den Straßen. Brezovica ist mehr Schrottspot als Hotspot. Auf den ersten Blick zumindest. Dabei hat das kleine Skigebiet eine aufregende Vergangenheit. Im damaligen Jugoslawien, zu dem der Kosovo gehörte, beherbergte es die High-Society. Mit dem Kosovo-Krieg vor über 20 Jahren begann der schleichende Verfall. 

Zurück bleiben Einheimische wie Hamdi Hisari, die dem Ort neues Leben einhauchen wollen. Der Wintersport spielt dabei eine zentrale Rolle.  "Ich wollte einen Film machen, der das Verbindende zeigt. Und das in einer Region, in der es so viele Konflikte gab und in einer Zeit, in der der Nationalismus in ganz Europa zunimmt", sagt Elias Elhardt. Die Leidenschaft für den Wintersport und das Erlebnis auf den schneebedeckten Gipfeln bringt die Menschen in seinem 18 Minuten langen Film zusammen. In einer Szene sagt Hamdi Hisari: „Wenn man heraufkommt, spielt es keine Rolle, wer man ist, was man ist." 

Diese Erfahrung hat Elias Elhardt selbst immer wieder gemacht. An unterschiedlichsten Orten. Weltweit. Der 31-Jährige ist seit zehn Jahren Snowboard-Profi und fährt auch in dieser Saison in der Freeride World Tour. Trotz dieses privilegierten Lebens ist er keiner dieser abgehobenen Lifestyle-Apologeten. Er hat sich einen eigenen Kopf und einen eigenen Blick auf die Dinge bewahrt. Davon zeugte schon sein erster Film "Contradiction", in dem er sein Verhältnis zum Snowboarden thematisiert. "Ich bin seit vielen Jahren mit der Kamera unterwegs. Anfangs vor allem, um den Sport ins Szene zu setzen. Mittlerweile fasziniert es mich, Geschichten zu erzählen", sagt der Allgäuer, der in Innsbruck lebt.

Für "Narcis", der mit Unterstützung seiner Sponsoren gedreht wurde, hat er bei einer Sommer-Reise 2018 erste Kontakte im Kosovo geknüpft. Im Winter besuchte er mit seinem Kompagnon Alex Tank dann erneut Brezovica. "Mich hat vor allem die Gastfreundschaft begeistert, mit der wir aufgenommen wurden. Ich wünsche, dass mein Film dazu beiträgt, dass dieses kleine, aber feine Skigebiet wieder richtig in die Gänge kommt." 

Passend dazu der Film-Titel. "Narcis" war das früher das angesagteste Hotel im Skigebiet Brezovica. Und die Narzisse ist die Blume, die dort als erstes nach dem Winter blüht.

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