Amtsmissbrauch

FIFA-Ethiker schließen Infantino-Fall: Keine "glaubhaften Beweise"

FIFA-Präsident Gianni Infantino wird trotz schwerwiegender Vorwürfe und eines laufenden Strafverfahrens von der hauseigenen Ethikkommission nicht sanktioniert.

FIFA-Präsident Gianni Infantino wird trotz schwerwiegender Vorwürfe und eines laufenden Strafverfahrens von der hauseigenen Ethikkommission nicht sanktioniert.

Bild: Sebastian Gollnow, dpa

FIFA-Präsident Gianni Infantino wird trotz schwerwiegender Vorwürfe und eines laufenden Strafverfahrens von der hauseigenen Ethikkommission nicht sanktioniert.

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FIFA-Präsident Gianni Infantino muss keine Sanktion durch die Ethikkommission befürchten. Die Chefermittlerin sieht keine glaubhaften Beweise gegen ihn.

dpa
20.08.2020 | Stand: 07:45 Uhr

FIFA-Präsident Gianni Infantino wird trotz schwerwiegender Vorwürfe und eines laufenden Strafverfahrens von der hauseigenen Ethikkommission nicht sanktioniert.

Wie die FIFA mitteilte, hat Chefermittlerin María Claudia Rojas im Mai 2020 zwar eine Voruntersuchung gegen den 50-Jährigen eingeleitet. "Nach Prüfung der maßgebenden Unterlagen und Beweise" sei aber beschlossen worden, "das Verfahren wegen mangelnder glaubhafter Beweise" einzustellen. Eine vorsorgliche Suspendierung Infantinos ist damit vom Tisch.

Die Ethikkommission untersuchte laut FIFA "verschiedene behauptete Verstöße", vor allem aber die Buchung eines Charterfluges von Suriname nach Genf sowie die geheimen Treffen von Infantino mit dem Leiter der Bundesanwaltschaft, Michael Lauber.

Wegen der Treffen hatte die Schweizer Staatsanwaltschaft Ende Juli ein Strafverfahren gegen Infantino eröffnet. Der Vorwurf lautet unter anderem auf Anstiftung zum Amtsmissbrauch. Lauber ist in der Schweiz enorm in die Kritik geraten und wird seinen Posten Ende August verlassen.

Über den Flug hatte die "Süddeutsche Zeitung" berichtet: Infantino habe kurzfristig einen Privatflieger genutzt, um aus Südamerika in die Schweiz zurückzureisen. Gegenüber dem Compliance-Chef des Weltverbandes, Tomaz Vesel, der eine Erklärung einforderte, habe er die dadurch anfallenden höheren Kosten im angeblich sechsstelligen Bereich mit dringenden Terminen am Folgetag gerechtfertigt, die es laut "SZ"-Bericht aber zumindest zum Teil nie gegeben haben soll.

In beiden Fällen hatte die FIFA sämtliche Vorwürfe zurückgewiesen. Bezüglich der Treffen mit Lauber sagte Infantino zuletzt: "Im Rahmen dieser Sitzungen hat sich nichts auch nur im Entferntesten Illegales ereignet respektive hätte sich die Möglichkeit dazu ergeben." Allein der Gedanke daran sei "absurd". Zum Zeitpunkt der Treffen steckte die FIFA noch in der Aufarbeitung der Skandalzeit um Ex-Präsident Joseph Blatter. Allerdings gab es auch Vorwürfe gegen Infantino aus seiner Zeit als UEFA-Generalsekretär, die die Schweizer Justiz beschäftigen.

Infantino wurde am 21. Juni auch bei der Ethikkommission angezeigt

Chefermittlerin Rojas habe die Voruntersuchung zunächst wegen "Informationen, die auf verschiedenen Medienkanälen publiziert wurden" eingeleitet, teilte die FIFA mit. Im weiteren Verlauf habe sie Einsicht in mehrere Unterlagen zu der Lauber-Affäre gehabt und diese "eingehend geprüft". Wann der eingesetzte außerordentliche Staatsanwalt zu einem Ergebnis im Strafverfahren kommt, ist noch nicht abzusehen.