Corona im Fußball

Geheimniskrämerei oder Datenschutz? BFV nennt Corona nicht als Absagegrund

Unbespielbarkeit des Platzes? Oder etwa ein Corona-Fall im Team? Der BFV hält sich bei der Begründung von Spielabsagen bedeckt.

Unbespielbarkeit des Platzes? Oder etwa ein Corona-Fall im Team? Der BFV hält sich bei der Begründung von Spielabsagen bedeckt.

Bild: Ralf Lienert (Symbolbild)

Unbespielbarkeit des Platzes? Oder etwa ein Corona-Fall im Team? Der BFV hält sich bei der Begründung von Spielabsagen bedeckt.

Bild: Ralf Lienert (Symbolbild)

Fans bleiben im Unklaren, ob ein Corona-Fall oder ein unbespielbarer Platz "schuld" sind.  Sogar eine Anwältin war involviert. Jetzt lenkt der Verband ein - und informiert zumindest im Zwei-Wochen-Rhythmus über pandemiebedingte Absagen.
09.10.2020 | Stand: 18:35 Uhr

Corona ist auch beim Bayerischen Fußball-Verband (BFV) ein heikles Thema. Erst recht, wenn die Presse anruft und wissen will, warum bei Spielabsagen – egal, ob im Vorfeld oder danach – die Öffentlichkeit nicht über den Grund der Absage informiert wird.

Da fallen dann Sätze wie „Abgesagt ist abgesagt“ oder „Das geht nur den BFV etwas an“. Auf Nachfrage unserer Zeitung, auf welchen Beschlüssen, Regeln oder Gesetzen diese Nicht-Information basiert, möchte die Haus-Anwältin erst einmal einen Nachweis, woraus sich der sogenannte Auskunftsanspruch unserer Zeitung eigentlich ergäbe.

BFV-Medienchef lenkt ein: "Wir wollen nichts unter den Teppich kehren"

Auf derlei juristische Spielchen muss sich dann aber doch niemand einlassen, weil BFV-Medienchef Fabian Frühwirth (ein gelernter Journalist) gekonnt dazwischengrätscht – und einfach nur aufklärt: „Wir wollen nichts unter den Teppich kehren. Aber wir stecken datenschutzrechtlich in der Zwickmühle.“ Egal, ob sich ein oder mehrere Spieler mit Covid-19 infiziert haben, oder eine Partie wegen eines Trauerfalls im Umfeld der Mannschaft abgesagt werden muss: Die Kommunikationshoheit liege immer erst beim Verein. Der Verband könne und wolle sich darüber nicht hinwegsetzen.

Vereine informieren Zuschauer selbst

In ganz vielen Fällen seien die Vereine ja auch transparent und würden ihre Zuschauer darüber informieren, warum sie beispielsweise bei kurzfristig abgesagten Spielen unverrichteter Dinge wieder nach Hause gehen mussten.

Dennoch spiele der Datenschutz für den Verband eine große Rolle. So habe es beispielsweise in einem Nachbar-Bundesland einen Fall gegeben, bei dem ein Amateurkicker von seinem Arbeitgeber zu einer 14-tägigen Quarantäne gezwungen wurde, nur weil dieser von einem abgesagten Spiel des Vereins erfahren hatte, bei dem sein Angestellter regelmäßig kickt. „Da sind dann plötzlich schon Persönlichkeitsrechte betroffen“, sagt Frühwirth.

Beim A-Klassisten SV 29 Kempten mussten Spieler in Quarantäne, weil es einen Corona-Fall im gegnerischen Team gegeben hatte. 18 von 35 Spielern (zwölf davon aus der Ersten) ließen Abteilungsleiter Ralph Hänel und Trainer Pierre Borchers daraufhin wissen, dass sie unter diesen Umständen nicht weiter Fußball spielen werden. Das Risiko weiterer Quarantäne-Tage würden die meisten Arbeitgeber nicht mittragen.

BFV ändert seine Informationspolitik

Um sich nicht der Geheimniskrämerei verdächtig zu machen, fährt der BFV deshalb nun eine Informationspolitik, bei der Corona-Fälle nicht mehr einem einzelnen Verein und damit 20 bis 25 Spielern konkret zugeordnet werden können. „Wir werden künftig in regelmäßigen Abständen darüber informieren, wie viele Partien in einem Fußballkreis pandemiebedingt abgesagt wurden. Das können aber auch Verdachtsfälle oder reine Vorsichtsmaßnahmen sein“, sagt BFV-Sprecher Frühwirth.

Spielabsagen am ersten Spieltag hoch - seitdem rückläufig

Die hohe Zahl an Absagen am ersten Spieltag sei vor allem deshalb zustande gekommen, weil viele Vereine Bedenken hatten, ob sie das aufwendige Hygienekonzept in allen Einzelheiten überhaupt erfüllen konnten. Inzwischen sei allerdings bayernweit ein erfreulicher Trend erkennbar. Fielen in der Vorwoche noch knapp 14 Prozent aller Spiele aus, lag die Quote zuletzt nur noch bei 8,5 Prozent.

Ursprünglich wollte der BFV Spielabsagen nur bei einer amtlichen Verfügung zur Quarantäne von Spielern oder Personen aus dem direkten Umfeld akzeptieren, doch in der Praxis reichen schon Krankheitssymptome aus, damit die Spielleiter vorsorglich Spiele absetzen. Selbst in den höchsten Spielklassen.

In der Regionalliga wurde vergangenes Wochenende der FC Memmingen auf der Fahrt nach Garching gestoppt, am Mittwoch wurde das Bayernliga-Spiel des TSV Landsberg gegen Kirchanschöring kurzfristig gestrichen. Fälle, die sich in der anstehenden Erkältungszeit häufiger wiederholen werden.

Schwabenweit steigt die Zahl der Absagen


Anders als im bayernweiten Trend sind die pandemiebedingten Absagen bei den Meisterschaftsspielen in den Kreisen Augsburg und Donau zuletzt angestiegen. Berücksichtigt sind Covid-19-Infektionen, Quarantäne-Maßnahmen und lokale Spielverbote.

BAYERNWEIT

1. Spieltag: 1277 Absagen bei

9117 Ansetzungen = 14 Prozent

2. Spieltag: 733 von 8672 = 8,5 %

KREIS ALLGÄU

1. Spieltag: 8 von 132 = 6,1 %

2. Spieltag: 2 von 132 = 1,5 %

KREIS AUGSBURG

1. Spieltag: 6 von 148 = 4,1 %

2. Spieltag: 23 von 148 = 15,5 %

KREIS DONAU

1. Spieltag: 3 von 114 = 2,6 %

2. Spieltag: 6 von 120 = 5,0 %

Quelle: BFV