Boxen

Gibt es im Kemptener Illerstadion bald einen Titelkampf des Box-Weltverbands WBF?

Das Illerstadion ist die Heimat des FC Kempten und der Allgäu Comets. Der Kemptener Box-Promoter Mevlüt Kaffar plant hier im Frühjahr 2021 einen Titelkampf des Weltverbands WBF.

Das Illerstadion ist die Heimat des FC Kempten und der Allgäu Comets. Der Kemptener Box-Promoter Mevlüt Kaffar plant hier im Frühjahr 2021 einen Titelkampf des Weltverbands WBF.

Bild: Ralf Lienert

Das Illerstadion ist die Heimat des FC Kempten und der Allgäu Comets. Der Kemptener Box-Promoter Mevlüt Kaffar plant hier im Frühjahr 2021 einen Titelkampf des Weltverbands WBF.

Bild: Ralf Lienert

Der Kemptener Promoter Mevlüt Kaffar plant eine Box-Veranstaltung unter freiem Himmel und will dazu den Weltverband WBF ins Boot holen. Was dessen Sportdirektor Christian Rösen dazu sagt.

29.08.2020 | Stand: 06:30 Uhr

Seine Heimatstadt spielt in all den Plänen von Mevlüt Kaffar immer eine wichtige Rolle. Der 42-Jährige, lizenzierter Trainer und Promoter im Bund Deutscher Faustkämpfer (BDF), will Kempten auf lange Sicht zu einer Hochburg des Boxsports machen. Zwei Mal hat er bereits seine „Allgäu Fight Night“ organisiert. Jetzt hat er große Pläne für 2021: Im April soll im Kemptener Illerstadion die nächste Box-Nacht unter seiner Regie stattfinden. Wegen der Corona-Auflagen unter freiem Himmel und mit Fans. Kaffars Vision: ein Titelkampf des Weltverbands WBF. Darüber haben wir mit Christian Rösen, Geschäftsführer und Sportdirektor der WBF, gesprochen.

Herr Rösen, zu den WBF-Weltmeistern zählen Größen wie Francois Botha und Evander Holyfield. Wer hat denn derzeit das Zeug dazu, in die Liga der großen Namen aufzusteigen?

Christian Rösen: In der Tat haben wir namhafte Weltmeister. Zurzeit tragen viele Talente internationale oder interkontinentale Titel. Wir werden in Zukunft auch wieder den einen oder anderen als Weltmeister küren. Am 5. September zum Beispiel boxt in Donauwörth Ema Kozin um den WBF-Titel, in Kooperation mit der WBC. Sie ist in 19 Kämpfen ungeschlagen und Nummer vier der Welt.

"Die vier großen Weltverbände nehmen uns ernst"

Sie haben nach dem Tod des langjährigen Direktors Olaf Schröder 2019 dessen Posten bei der WBF übernommen, die aber noch nicht zu den vier größten Weltverbänden gehört. Wie sieht die Strategie für die Zukunft aus?

Rösen: Es gibt auf der Welt maximal zehn Verbände, die den Status eines Weltverbandes nach offiziellem Standard erfüllen, dazu zählt auch die WBF. Darauf sind wir stolz, auch wenn wir noch nicht zu den vier Großen zählen. Die WBF hat weltweit mit knapp 90 Titelkämpfen pro Jahr die meisten – darin sehen wir auch die Wertigkeit der Titel. Die vier großen Weltverbände nehmen uns ernst und wir freuen uns über Angebote der Titelvereinigungen. Sowie im September mit der WBC oder im Oktober mit der IBF.

Welche Rolle spielt das Allgäu bei der Entwicklung der WBF?

Rösen: Bis auf die langjährige Freundschaft mit Promoter Mevlüt Kaffar und dessen Team spielt das Allgäu im Vergleich zum Rest der Welt noch keine große Rolle. Wir hoffen, dass aus dem Team bald ein Titelträger kommt, der es auch zum Weltmeister schaffen kann.

"Viele namhafte Boxer stammen aus der Region"

Box-Fans haben in Kempten schon große Kämpfe gesehen, die Big-Box war ausverkauft. Potenzial zur Box-Hochburg im Süden hat das Allgäu. Haben Sie das mitverfolgt?

Rösen: Nicht nur landschaftlich, sondern auch sportlich ist das Allgäu toll. Viele namhafte Boxer stammen aus der Region. Natürlich verfolgt man das als Direktor eines der größten Boxverbände. Ich selbst war schon im Allgäu und habe eine Veranstaltung von Mevlüt Kaffar begleiten dürfen. An diesem Abend ist sein Bruder Deutscher Meister geworden. Ich schätze Kaffars Arbeit und seine Kompetenz sehr. Es wäre schön, wenn die Region sein Team unterstützt, denn so ein Kampfabend ist nicht nur organisatorisch und sportlich ein Meilenstein, sondern auch finanziell eine Herausforderung, die Kaffar aktuell mehr oder weniger alleine stemmen muss. Ich würde mir wünschen, dass ihm die Stadt zur Seite steht, denn in seinem Team wird viel für Integration und Jugendförderung getan.

Das klingt ja schon fast nach einer Liebeserklärung ...

Rösen: (lacht) Was Kaffar als Einzelkämpfer im Haifischbecken Boxen menschlich, sportlich und sozial leistet, sucht sicherlich seinesgleichen. Wir unterstützen ihn, wo wir können. Auch unser Verbandspräsident aus Südafrika hat sich schon angekündigt. Er will sich zu einem Gespräch mit ihm treffen.

"Jeder Verband hat seine Berechtigung"

Es gibt aber immer auch kleinere Auseinandersetzung zwischen den verschiedenen Verbänden und deren Vertretern. Warum zieht man eigentlich nicht an einem Strang?

Rösen: Diese Einschätzung kann ich nicht teilen. Wir von der WBF haben mit fast allen Verbänden ein freundschaftliches Verhältnis und schätzen unsere Kollegen. Man muss verstehen, dass es im Verbandswesen viele Unterschiede der Ausrichtung und Ziele gibt. Der eine möchte nur Tyson Fury, Mike Tyson oder Klitschko als Champion haben, andere fördern mit Titeln auch den Nachwuchs. So hat irgendwie jeder seine Berechtigung. Uns ist es wichtig, dass wir mit seriösen Verbänden zusammenarbeiten, die gewisse Standards erfüllen.