Handball im Allgäu

Gleich zwei Leistungsträger verlassen die SG Kempten-Kottern

Handball Bezirksoberliga Herren, TV Immenstadt - SG Kempten-Kottern, Sonntag 12.01.2020.
Timm Schwegler (Kempten-Kottern)

Timm Schwegler ist einer von zwei Leistungsträgern, die Kempten verlassen. Zusammen mit Jonas Bernick wechselt er zur HSG Dietmannsried/Altusried.

Bild: Dirk Klos

Timm Schwegler ist einer von zwei Leistungsträgern, die Kempten verlassen. Zusammen mit Jonas Bernick wechselt er zur HSG Dietmannsried/Altusried.

Bild: Dirk Klos

Der Bezirksoberligist muss die Eigengewächse Timm Schwegler und Jonas Bernick ziehen lassen - ausgerechnet zum Lokalrivalen HSG Dietmannsried/Altusried.

07.06.2020 | Stand: 17:30 Uhr

Der Wiederaufstieg in die Handball-Landesliga war ihr großes sportliches Ziel. Am liebsten wären Timm Schwegler (22) und Jonas Bernick (23) diesen Weg mit ihrem Heimatverein gegangen. Doch die beiden Versuche, nach dem Abstieg im Frühjahr 2018 den Sprung nach oben erneut mit der SG Kempten-Kottern zu schaffen, scheiterten. In der vergangenen Spielzeit blieb die Mannschaft streckenweise sogar weit hinter den eigenen Erwartungen zurück. "Dass man sich in einer solchen Situation als Spieler Gedanken über seine Zukunft macht, ist doch ganz normal", sagt Schwegler. Jetzt folgte der Paukenschlag: Die beiden Kemptener Leistungsträger verlassen den Verein, in dem sie seit der Jugend gespielt haben. Und es zieht sie ausgerechnet zum benachbarten Landesligisten HSG Dietmannsried/Altusried.

Er war Dreh- und Angelpunkt bei Kempten

Die Nachricht vom Wechsel sorgt in der Allgäuer Handball-Szene für Aufsehen. Schwegler selbst bewertet das als "eher unspektakulär". Der Student erklärt: "Es war ein sehr langer Prozess und mir ist die Entscheidung auch wirklich nicht leicht gefallen. Aber ich will einfach wieder höherklassig spielen und mich auf einem anderen Niveau weiterentwickeln." Von der Form des 22-Jährigen hing das Spiel der SG Kempten-Kottern in den vergangenen Jahren maßgeblich ab. Schwegler war Dreh- und Angelpunkt und einer, der sich voll und ganz mit dem Verein identifizierte. Doch schon Ende des vergangenen Jahres fand er immer wieder deutliche Worte. So wie nach dem 24:24 gegen Aufsteiger Waltenhofen. Damals kritisierte Schwegler die Einstellung mancher Mitspieler sowie die mangelhafte Trainingsbeteiligung. Im Dezember 2019 sagte er: "Manchmal kommt’s einem fast so vor, als wären wir ein zusammengewürfelter Haufen, der sich nur zum Spiel trifft."

Abteilungsleiter warnt: "Übertreibt es nicht!"

Das ist ein Grund, den auch SG-Abteilungsleiter Oliver Ahegger, früher selbst ambitionierter Handballer, noch nachvollziehen kann. Er weiß freilich, dass Top-Spieler Schwegler und Linkshänder Bernick begehrt sind bei der Konkurrenz. Schon in den vergangenen Jahren habe es immer wieder Versuche von anderen Klubs gegeben, die beiden Eigengewächse abzuwerben. Er sagt aber auch: "Die HSG spielt nur eine Klasse höher als wir. Dafür würde ich meinen Heimatverein nicht im Stich lassen." Nach Informationen unserer Zeitung könnten in den kommenden Wochen noch weitere Abgänge wichtiger Akteure folgen. Ahegger warnt die Konkurrenz: "Übertreibt es nicht!" Denn für die SG Kempten-Kottern haben solche Wechselspiele weitreichende Folgen. Die langfristige sportliche Planung wurde über den Haufen geworfen. "Wir fangen jetzt quasi noch einmal von vorne an", sagt der Abteilungsleiter.

SG Kempten-Kottern baut auf starken Nachwuchs

Von ihrer starken Jugend wollen die Kemptener profitieren, talentierte A-Jugendspieler sollen in der kommenden Saison schon bei den Männern zum Einsatz kommen. "Und in drei, vier Jahren sind wir mit den anderen wieder auf Augenhöhe", sagt Ahegger kämpferisch. Einen Vorwurf macht er den HSG-Verantwortlichen nicht. Mit Thomas "Tö" Kinkel, dem Sportlichen Leiter der Dietmannsrieder, habe es in der Zwischenzeit schon wieder das eine oder andere klärende Telefonat gegeben. Ahegger sagt: "Diese beiden Wechsel haben schon ein bisschen Feuer in das nachbarschaftliche Verhältnis gebracht. Aber wir haben keinen Streit."

In Dietmannsried freut man sich über den Coup

Das bestätigt Kinkel. Man gehe "offen und ehrlich" miteinander um. Er legt Wert darauf, dass er Schwegler und Bernick nicht aus einer laufenden Abmachung reißen und abwerben wollte. Kinkel: "Ich habe mit beiden erst Kontakt aufgenommen, als klar war, dass sie in Kempten nicht mehr weitermachen." Der Sportliche Leiter ist entsprechend glücklich über den Coup. Er sagt: "Das sind die besten Spieler, die wir bei uns in der Region kriegen konnten. Sie sind nicht nur Ergänzungen für unseren Kader, sondern ganz klar Verstärkungen." Nach dem Klassenerhalt in der abgebrochenen Runde 2019/2020 wollen die Dietmannsrieder in der kommenden Spielzeit den nächsten Schritt nach vorn machen, dafür hat Kinkel den Kader erweitert - auf mittlerweile über 20 Spieler.