Formel 1

Hamilton zu seiner Formel-1-Zukunft: "Ist nicht garantiert" - Sieg in Imola bringt Team-WM

Lewis Hamilton vom Team Mercedes freut sich auf dem Podium mit dem Pokal in der Hand über seinen Sieg.

Lewis Hamilton vom Team Mercedes freut sich auf dem Podium mit dem Pokal in der Hand über seinen Sieg.

Bild: Miguel Medina/AFP Pool / AP/dpa

Lewis Hamilton vom Team Mercedes freut sich auf dem Podium mit dem Pokal in der Hand über seinen Sieg.

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Lewis Hamilton hält sich im Vertragspoker mit Mercedes seine Zukunft in der Formel 1 weiter offen. Nach seinem Sieg in Imola sorgte er Gesprächsstoff.
Lewis Hamilton vom Team Mercedes freut sich auf dem Podium mit dem Pokal in der Hand über seinen Sieg.
dpa
01.11.2020 | Stand: 20:57 Uhr

Update, 1. November 20.30 Uhr: Hamilton zu seiner Formel-1-Zukunft: "Ist nicht garantiert"

"Ich wäre gern hier nächstes Jahr, aber es ist nicht garantiert", sagte der 35 Jahre alte Brite am Sonntag nach seinem Sieg in Imola. Schon in zwei Wochen in der Türkei kann der Mercedes-Pilot seinen siebten WM-Titel einfahren und die Bestmarke von Michael Schumacher einstellen. Hamiltons Vertrag mit dem Werksteam läuft am Jahresende aus. "Es gibt vieles, was mich am Leben danach reizt. Die Zeit wird es zeigen", sagte der WM-Spitzenreiter.

Teamchef Toto Wolff rechnet indes mit einer Einigung mit Hamilton auf eine weitere Zusammenarbeit, sobald das Titelrennen endgültig entschieden ist. "Es fühlte sich für uns beide bisher nicht wie der richtige Moment an, bevor diese Titel erledigt sind", sagte der Österreicher. Die Konstrukteursweltmeisterschaft hat Mercedes bereits am Sonntag beim Grand Prix der Emilia Romagna gewonnen.

Gänzlich ausschließen wollte Wolff einen plötzlichen Abschied Hamiltons aber nicht. "Nichts ist sicher im Leben, so lange es keine Unterschrift gibt", sagte der 48-Jährige. "Ich glaube und hoffe nicht, dass das passiert", fügte Wolff hinzu. Hamilton fährt seit 2013 für Mercedes.

"Den Enkeln erzählen": Hamilton siegt in Imola und führt Mercedes zur siebten Team-WM

Überschwänglich stemmte Lewis Hamilton seinen Teamchef Toto Wolff nach dem nächsten Formel-1-Rekord in die Höhe. Mit seinem Sieg in Imola hat der WM-Spitzenreiter das Mercedes-Team am Sonntag vorzeitig zum siebten Konstrukteurstitel in Serie geführt und damit eine weitere Bestmarke aus Michael Schumachers Ära übertroffen. "Davon werde ich irgendwann mal meinen Enkeln erzählen", schwärmte Hamilton nach seinem neunten Erfolg im 13. Saisonlauf. Schumacher hatte einst zu besten Zeiten mit Ferrari sechsmal in Serie die Team-WM gewonnen. "Das ist ein riesiger, stolzer Moment", beteuerte Boss Wolff und kündigte ein paar Runden Gin-Tonic an.

Mit dem 93. Grand-Prix-Erfolg ist Hamilton auch seiner siebten Weltmeisterschaft ganz nah, schon in zwei Wochen in der Türkei könnte er hier zu Schumacher aufschließen. "Das ist der Geist dieses Teams, ich bin dankbar, ein Teil davon zu sein", sagte der 35-Jährige, ehe er auf dem Podium einen Schluck Champagner aus dem Schuh des drittplatzierten Renault-Piloten Daniel Ricciardo schlürfte.

Zweiter im Großen Preis der Emilia Romagna wurde Hamiltons Teamkollege Valtteri Bottas, der von der Pole Position gestartet war. Der Finne hatte sich schon in der zweiten Runde sein Auto beschädigt, profitierte aber vom späten Reifenplatzer des Red-Bull-Piloten Max Verstappen. In der Gesamtwertung hat Hamilton nun vier Rennen vor Schluss 85 Punkte Vorsprung auf Bottas.

Vettel erlebt das nächste Ärgernis

Für Sebastian Vettel wurde auch das dritte Italien-Heimspiel von Ferrari in diesem Jahr zum Ärgernis. Nach der Enttäuschung in der Qualifikation mit Startplatz 14 zögerte er im Rennen seinen Reifenwechsel lange hinaus und war deshalb sogar Vierter. Doch dann patzte seine Boxencrew schwer, brauchte 13,1 Sekunden für den Stopp. "Der hat uns das Rennen gekostet", sagte der 33-Jährige bei Sky. So verpasste der Hesse als Zwölfter die Punkteplätze.

Nach 14 Jahren war die Formel 1 auf das Autodromo Enzo e Dino Ferrari zurückgekehrt. "Da steckt sehr viel Geschichte drin, gute und schlechte. Jeder, der die Formel 1 verfolgt, kennt Imola", sagte Vierfach-Weltmeister Vettel vor dem Start. Vor allem das schwarze Wochenende 1994 mit dem Tod von Ayrton Senna und Roland Ratzenberger hat sich tief ins Gedächtnis der Motorsport-Fans gebrannt.

Seither ist der Kurs mehrfach umgebaut worden und inzwischen deutlich sicherer. Zugleich aber ist mit den modernen Boliden das Überholen enorm schwierig. So entwickelte sich ein lange eher spannungsarmer Grand Prix, der phasenweise einer Prozession glich.

Zum Start behauptete Bottas seine Pole Position, die er sich am Vortag im letzten Versuch noch geschnappt hatte. Teamkollege Hamilton dürfte nach den ersten paar Metern noch einmal seine "schwache Runde" aus der Qualifikation verflucht haben. Von der schmutzigen Seite der Fahrbahn kam er schlecht weg und verlor Platz zwei an Verstappen. Danach hielt sich dann die Action bis zum Schluss in engen Grenzen.

So kam es wieder einmal auf Strategie und Rennglück an. Verstappen machte den ersten Schachzug und kam nach 19 Runden zum Reifenwechsel. Jetzt witterte Hamilton seine Chance, nachdem er zuvor einfach nicht am Niederländer vorbeigekommen war. "Ich werde schneller fahren, holt mich nicht rein", rief der Titelverteidiger per Funk dem Kommandostand zu. Stattdessen beorderte Mercedes den führenden Bottas umgehend an die Box.

Hamilton löst sein Versprechen

Der Finne kam wie erhofft vor Verstappen zurück auf die Strecke, an der Spitze aber lag nun Hamilton. Und der Superstar löste sein Versprechen ein, baute mit schnellen Runden seinen Vorsprung aus. Als dann auch noch Esteban Ocon seinen rauchenden Renault auf dem Grünstreifen parken musste und das Feld kurz vom virtuellen Safety-Car eingebremst wurde, fiel die Vorentscheidung. Hamilton holte sich neue Reifen und kehrte als Erster zurück.

Bottas konnte sich nur noch mit Mühe vor Verstappen halten, weil sein Mercedes schon früh ramponiert worden war. In der 43. Runde zog der Red-Bull-Pilot vorbei. Doch die Freude währte nur neun Runden. Dann drehte sich Verstappen mit geplatztem Reifen ins Kiesbett.

Die folgende Safety-Car-Phase sorgte noch einmal für Hektik an den Boxen. Hamilton konnte sich zwar erst verspätet einen frischen Reifensatz holen, blieb aber trotzdem vorn. Wenig später stand der nächste Mercedes-Doppelerfolg und ein weiterer Titelgewinn fest.