Nordische Ski-WM in Oberstdorf

Horngacher: "Karl Geiger ist bis zur Ski-WM in Oberstdorf wieder voll fit"

Kommt er bis zur Nordischen Ski-WM in Oberstdorf wieder in Form? Ratlos wirkte Skiflug-Weltmeister Karl Geiger nach dem verkorksten Weltcup-Wochenende im polnischen Zakopane.

Kommt er bis zur Nordischen Ski-WM in Oberstdorf wieder in Form? Ratlos wirkte Skiflug-Weltmeister Karl Geiger nach dem verkorksten Weltcup-Wochenende im polnischen Zakopane.

Bild: Grzegorz Momot/PAP/dpa

Kommt er bis zur Nordischen Ski-WM in Oberstdorf wieder in Form? Ratlos wirkte Skiflug-Weltmeister Karl Geiger nach dem verkorksten Weltcup-Wochenende im polnischen Zakopane.

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Fünf Wochen vor der Nordischen Ski-WM in seiner Heimat rätselt der Skiflugweltmeister Karl Geiger selbst über seine Form. Was sein Trainer sagt.
18.01.2021 | Stand: 23:39 Uhr

Es war eindeutig der Tiefpunkt in dieser bisher so ereignisreichen Skisprung-Saison. Die deutschen Adler um Karl Geiger und Markus Eisenbichler erlebten am vergangenen Wochenende im polnischen Zakopane eine brutale Bruchlandung. Rang sechs im Teamspringen hinter Österreich, Polen, Norwegen, Slowenien und Japan war für die erfolgreichste Skisprung-Nation des vergangenen Winters die bislang empfindlichste Niederlage - und das fünf Wochen vor der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf. Das Einzelspringen am Sonntag stimmte Bundestrainer Stefan Horngacher zwar wieder etwas versöhnlicher, die Plätze 8 für Markus Eisenbichler, 13 für Pius Paschke, 16 für Severin Freund, 17 für Martin Hamann und 25 für Karl Geiger sorgten dennoch für lange Gesichter im sonst so erfolgsverwöhnten DSV-Team.

Dabei hatte vor allem Karl Geiger versucht, in Zakopane wieder an erfolgreiche Zeiten anzuknüpfen. Auch die Gesichtsmaske am Helm, die er bei seinem Triumph bei der Skiflug-WM in Planica getragen hatte, kramte Geiger wieder als eine Erfolgskomponente hervor. Doch Geigers Abwärtstrend setzte sich fort. Wie eine Woche davor in Titisee-Neustadt vergeigte Geiger auch beim Einzel in Zakopane einen Sprung total und fand sich in den Ergebnislisten ganz weit hinten. Auch im Gesamt-Weltcup sieht es derzeit düster aus für Geiger. Mit 397 Punkten liegt der Gesamt-Zweite der Vorsaison derzeit nur auf Rang neun, der führende Norweger Halvor Egner Granerud scheint mit 956 Punkten weit enteilt.

"In der Luft ein bisschen schlampig"

Geiger wirkte in Polen ziemlich ratlos: "So ganz schlau werde ich aus diesem Wochenende in Zakopane nicht. Das ist nicht leicht gegangen. Ich wollte nochmal alles reinhauen, was geht, aber es hat einfach nicht gegriffen. Auch draußen in der Luft war ich so komisch schief und da verliere ich brutal viele Weitenmeter. Das muss ich ein paar Tage sacken lassen", sagte er im Interview mit der Sportschau. ARD-Experte Sven Hannawald hatte am Wochenende mehrfach darauf hingewiesen, dass Geiger nun den enormen mentalen Belastungen der Vorwochen Tribut zollen muss. "Was da mit Skiflug-WM, Papawerden, Corona-Infektion und Heimsieg in Oberstdorf alles passierte, kommt jetzt halt doch langsam raus", mutmaßte Hannawald, der die psychischen Belastungen im Skisprung als bekennender Burn-out-Patient so gut kennt wie kaum ein anderer in der Branche.

Angesprochen auf seine Überbelastung meinte Geiger: "Ich glaube, es ist eine Kombination aus mehreren Faktoren. Es waren schon sehr gute Ereignisse dabei in diesem Winter, das baut mich natürlich auf." Trotz seines WM-Goldes von Planica sieht der Skiflug-Weltmeister aus Oberstdorf aber "gerade im Flug momentan ziemlich viel Reserven. Das ist ein bisschen schlampig, das gefällt mir nicht so." Der 27-Jährige richtete den Blick nach vorn: "Ich bin überzeugt, dass ich das in den nächsten Tagen wieder in den Griff bekomme."

Horngacher: Die Kapelle ist nach vorn marschiert

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Auch wenn Horngacher mit dem Abschneiden seiner Schützlinge in Zakopane nicht zufrieden war, sah er beim Einzelspringen am Sonntag "einen Schritt nach vorn" - im Vergleich zum Teamspringen am Samstag: "Die Kapelle ist nach vorwärts marschiert. Das war schon mal extrem wichtig, weil in solchen Situation kann es auch ganz schnell noch weiter nach unten gehen." Seine Athleten hätten sich berappelt und deutlich bessere Sprünge gezeigt. "Jetzt müssen wir schauen, dass wir in Lahti einen weiteren Schritt nach vorne machen", wagte Horngacher schon einen Blick auf die nächsten Weltcups am Wochenende in Finnland.

Speziell zu Karl Geiger meinte Horngacher: "Er ist momentan sicher nicht auf seinem hundertprozentigen Niveau. Es läuft einfach nicht bei ihm. Er hat nicht das richtige Gefühl in der Anfahrtshocke, trifft dann den Absprung nicht optimal und dann kommt er nach dem Vorbau nicht auf die Welle drauf, sodass er eine gute Flugposition einnehmen kann." Da sei jetzt Geduld gefragt - von allen. "Wir müssen in Ruhe weiterarbeiten. Wir wissen, was der Karl kann. Das nächste Großereignis ist die Weltmeisterschaft in Oberstdorf - und bis dahin wird der Karl wieder voll fit sein."

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Bis zur Beginn der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf sind es noch exakt fünf Wochen: Zehn FIS-Weltcups (siehe unten) stehen noch auf dem Programm, lediglich bei den letzten Wettbewerben vor der WM im rumänischen Rasnov gäbe es pandemiebedingt noch ein paar Fragezeichen. "Wir springen jetzt alle Wettkämpfe durch", kündigte Horngacher an, "vor Rasnov werden wir individuell entscheiden, wer dort hingeht oder nicht. Ansonsten seien keine Pausen bis zur WM geplant: "Wir versuchen, uns bei den Wettkämpfen wieder nach vorne zu arbeiten. Es ist niemand so weit weg, müde oder schlecht drauf, dass er raus muss aus dem Weltcup und stattdessen trainieren muss. Also, wir ziehen das Ding durch", so Horngacher.

Schon in Lahti soll die Formkurve wieder nach oben zeigen. Die Schanze tauge sowohl Markus Eisenbichler als auch Karl Geiger. "Wir sind da letztes Jahr gut gesprungen. Der Karl hat das Einzel und wir alle zusammen haben auch den Teamwettbewerb gewonnen. Mit diesen guten Erinnerungen werden wir dorthin fliegen und versuchen, unsere besten Sprünge auch im Wettkampf zu zeigen."

Noch zehn Weltcups bis zur Nordischen Ski-WM

Fünf Wochen sind es noch bis zur Nordischen Ski-WM in Oberstdorf. Und auf die Skispringer wartet bis dahin mit vermutlich zehn Weltcups noch ein wahres Mammutprogramm. Das ist für die DSV-Springer der Weg bis zur Heim-WM im Oberallgäu:

  • 22. bis 24. Januar: Lahti (Finnland) 1 x Teamspringen, 1 x Einzel (jeweils Großschanze)
  • 29. bis 31. Januar: Willingen (Deutschland) 2 x Einzel von der Großschanze
  • 5. bis 7. Februar: Klingenthal (Deutschland; ERSATZ für Sapporo /Japan) 2 x Einzel von der Großschanze
  • 12. bis 14. Februar: Zakopane (Polen; ERSATZ für Peking/China) 2 x Einzel von der Großschanze
  • 18. bis 20. Februar: Rasnov (Rumänien) 1 x Normalschanze, 1 x Mixed-Team-Wettbewerb (bd. noch fraglich wegen Pandemie und Einreisebestimmungen)
  • 24. Februar: ERÖFFNUNG NORDISCHE SKI-WM IN OBERSTDORF
  • 27. Februar: ERSTER WM-WETTKAMPF VON DER NORMALSCHANZE

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