Allgäuer Kurt Felle

"Ich habe 364 Marathons gemeistert. Hier verrate ich Dir mein Lauf-Geheimnis..."

Unglaublich, aber wahr: Kurt Felle aus Memmingen lief 364 Marathons. Unser Foto zeigt den 76-Jährigen mit einem alten Laufschuh aus den 1990er Jahren, in denen er schwer aktiv war. Er empfiehlt jedem Hobbysportler einen der vielen Läufe in unserer Region.

Unglaublich, aber wahr: Kurt Felle aus Memmingen lief 364 Marathons. Unser Foto zeigt den 76-Jährigen mit einem alten Laufschuh aus den 1990er Jahren, in denen er schwer aktiv war. Er empfiehlt jedem Hobbysportler einen der vielen Läufe in unserer Region.

Bild: Schuhwerk, Hintergrund-Montage: Uhlemayr

Unglaublich, aber wahr: Kurt Felle aus Memmingen lief 364 Marathons. Unser Foto zeigt den 76-Jährigen mit einem alten Laufschuh aus den 1990er Jahren, in denen er schwer aktiv war. Er empfiehlt jedem Hobbysportler einen der vielen Läufe in unserer Region.

Bild: Schuhwerk, Hintergrund-Montage: Uhlemayr

Man muss es ihm nicht gleichtun. Das ist Kurt Felle klar. "Ich hab's schon ein bisschen übertrieben", sagt der 76-Jährige aus Memmingen grinsend. Mit "ein bisschen" meint er seine schier unglaubliche Lauf-Bilanz: Der Hobbysportler hat in seinem Leben 364 Marathons bestritten! Mit dieser Zahl ist er die unangefochtene Nummer eins in unserer Region. "So viel Läufe würde ich keinem raten", sagt er schmunzelnd. "Aber zumindest einen Lauf sollte man in seinem Leben machen." Warum und wie Du am besten vorgehst, das erfährst Du hier.
23.02.2017 | Stand: 12:09 Uhr

Von den Laufschuhen kommt Kurt Felle nicht los. Auch jetzt nicht. 18 Jahre nach seinem letzten Wettkampf. Einerseits, weil er sie nach wie vor als bequem empfindet. Andererseits, weil sie für den 76-Jährigen ein Statussymbol darstellen wie für andere ein Porsche oder Jaguar. Beides hat Kurt Felle nie besessen. Er hat noch nicht mal einen Führerschein. Das Einzige, was er knapp 30 Jahre brauchte, um wirklich glücklich zu sein, waren seine Laufschuhe. In ihnen hat er mehr erreicht, als sich ein Porsche- oder Jaguar-Fahrer zu träumen wagt. Von 1970 bis 1999 hat der Memminger schier unglaubliche 364 Marathons bestritten. Seine Bestzeit erzielte er 1988 in Berlin, als er in 2:58,02 unter der für Hobbyläufer "magischen Marke" von drei Stunden blieb. Darüber hinaus quälte er sich bei 185 Läufen mit einer Länge von mehr als 42,195 Kilometern ins Ziel. 153 davon führten über 100 Kilometer. Eine bis heute im Allgäu unerreichte Zahl.

Die Läufervereinigung "100 Marathon Club", zu deren Gründungsmitgliedern Felle 1999 gehörte, führt ihn noch immer auf Platz 15 ihrer internationalen Rangliste. "Das kann mir keiner nehmen. Es war eine wunderbare Zeit", sagt der Rentner, der mit 58 Jahren wegen Kniebeschwerden mit dem Laufen aufhören musste. "Die hätte ich vielleicht auch ohne meine Marathons bekommen", sagt er achselzuckend.

In seiner Hochphase reiste der nimmermüde Extremsportler, der als kaufmännischer Angestellter arbeitete, von März bis Dezember fast jedes Wochenende mit der Bahn zu Marathons oder Ultraläufen. Oder er flog ins Ausland, um sich einen Adrenalinkick zu holen. Im damaligen Ostblock war er genauso gern gesehen ("ich schmuggelte immer ein paar Laufschuhe für Freunde mit") wie in Skandinavien oder Südafrika. Den dortigen Comrads-Marathon mit Start in Durban hat er als schönste Veranstaltung in Erinnerung - vor allem wegen der atemraubenden Landschaft. "Ich habe übers Laufen unheimlich viele Freundschaften geschlossen", erzählt der Rentner, der vor seiner Laufkarriere starker Raucher war. Der Sport machte ihn zu einem anderen Menschen.

Genau deshalb er empfiehlt er allen "Couchpotatoes", sich aufzuschwingen und zumindest einmal an einem Lauf-Wettbewerb teilzunehmen. "Es lohnt sich. Man lernt sich und seinen Körper neu kennen. Man wird ausgeglichener. Und man erlebt Einmaliges, wenn man die Ziellinie überquert", sagt Felle. Doch welche Tipps gibt der Experte Einsteigern? Generell, meint Kurt Felle, sollte man sich zunächst einmal medizinisch durchchecken lassen. Wenn alles okay ist, hat er fünf Tipps zusammengetragen, die ihm halfen.

Kurt Felle aus Memmingen ist Allgäuer Rekordhalter im Marathonlauf. Das Bild zeigt ihn in den 1990er Jahren in Durban/Südafrika.
Kurt Felle aus Memmingen ist Allgäuer Rekordhalter im Marathonlauf. Das Bild zeigt ihn in den 1990er Jahren in Durban/Südafrika.
Bild: Schuhwerk

1.) Höre auf Dich und Deine innere Stimme: Es gibt tausende von Laufbüchern und immer wieder neue Trends. Doch das Wichtigste ist und bleibt beim Laufen, einen eigenen Rythmus zu finden. Du bist keine Sportskanone? Na und! Selbst der Letzte wird bei Lauf-Wettbewerben wie ein Sieger gefeiert. Wähle ein Tempo, das für Dich passt. Lass Dich von niemand anderem hetzen. Genieße. Auch im Wettkampf. Apropos Genießen: Die Ernährungstipps haben sich im Laufe der Jahrzehnte auch immer wieder geändert. Ich glaube mittlerweile nur noch an eine Regel: Iss nicht zu viel Fettes, damit Du selbst nicht fett wirst. Denn das schadet nicht nur als Läufer...

2.) Baue Deine Ausdauer Schritt für Schritt aus: Es muss nicht immer Laufen sein! Meine Kondition habe ich mit vielen Bergtouren aufgebaut. Mir hat das damals unglaublich geholfen. Wenn man viele Stunden in gemütlichem Tempo unterwegs ist, schult man seinen Körper. Diese Grundlage half mir gleich bei meinem ersten Lauf extrem: Ich habe nämlich gleich die ganz lange Distanz gewählt. Und zwar 100 Kilometer! Die habe ich 1970 in Biel im Marschschritt bewältigt. Ich war 17:50 Stunden unterwegs. Die Zeit war mir egal. Hauptsache geschafft! Was für ein Gefühl. Neun Jahre später habe ich in Kosice/Slowakei meine 100-Bestzeit überigens auf 8:03 gedrückt. Man muss also dran bleiben...

3.) Wähle das richtige Ziel: Jeder Lauf ist ein Erlebnis. Die Distanz ist zweitrangig. Am Anfang reichen vielleicht fünf Kilometer, um Wettkampf-Luft zu schnuppern. Später kann man das ausbauen. Mit einem Marathon oder einer noch längeren Strecke einzusteigen, würde ich heute keinem empfehlen. Man kann sich da sehr leicht überschätzen und muss dann eventuell aufgeben. Das ist zwar nicht dramatisch. Aber es führt oft dazu, dass Leute dauerhaft die Lust am Laufen verlieren. Auf einen Marathon solltest Du Dich mehrere Monate vorbereiten und immer am Ball bleiben. Pro Woche bin ich zwischen 40 und 60 Kilometer gelaufen.

4.) Kaufe die richtigen Schuhe: Sie sind das Handwerkszeug des Läufers. Wer hier spart, macht einen riesigen Fehler. Ich habe immer auf Qualität geachtet. Das hilft, Schäden zu vermeiden. Mein persönlicher Tipp: Kaufe die Schuhe am Nachmittag. Denn dann sind die Füße stärker durchblutet als morgens. Das entspricht eher dem Wettkampf.

5.) Hab Spaß: Mich hat das Laufen bereichert, weil ich viele Leute kennengelernt habe. Immer nur den Tunnelblick aufzusetzen, das bringt's nicht. Es tut oft gut, allein zu laufen. Aber es macht genauso Spaß, wenn man mit anderen unterwegs ist. Ich drücke Dir Daumen für Deine Ziele 2017. Wenn Du jetzt noch nicht angefangen hast mit dem Training, wird's langsam Zeit...

P.S.: Auch in der Redaktion von allgaeu.life steht Laufen hoch im Kurs. Hobbymäßig versteht sich :-) Warum das Spaß machen kann, siehst Du im Video:

Bilderstrecke

Läufe im Allgäu