Fußball-Weltmeister von 1990 im Allgäu

Im WM-Bus stank es nach Fisch: Was Fußball-Legende Klaus Augenthaler beim Besuch in Kempten verriet

Klaus Augenthaler machte als Nationalspieler bei der WM 1990 eine deutlich bessere Figur.

Klaus Augenthaler machte als Nationalspieler bei der WM 1990 eine deutlich bessere Figur.

Bild: Ralf Lienert

Klaus Augenthaler machte als Nationalspieler bei der WM 1990 eine deutlich bessere Figur.

Bild: Ralf Lienert

Ex-Profi Klaus Augenthaler plaudert in Kempten über alte Zeiten und neue Herausforderungen. Warum er dem FC Bayern den Champions-League-Triumph zutraut.

17.09.2020 | Stand: 15:25 Uhr

Es war eine der legendärsten Pressekonferenz in der Fußball-Bundesliga. Nur 42 Sekunden lang. Im Mai 2007 stellte sich Klaus Augenthaler als Trainer beim VfL Wolfsburg die Fragen selbst – und lieferte die einsilbigen Antworten gleich mit. Es sei, erzählt er rückblickend, ein eigenwilliger Protest gewesen. „Wir standen im Tabellenkeller und die Journalisten stellten immer nur Fragen nach meiner Zukunft. Taktik und Personal interessierte fast niemanden mehr“, sagt Augenthaler. Am Dienstagabend ist der mittlerweile 62-Jährige deutlich redseliger. Bei einer Sponsoren-Veranstaltung des TSV Kottern plaudert Augenthaler im Motorsport-Museum von Abt Sportsline in Kempten gut gelaunt über alte Zeiten. Ruhig und gelassen. So wie man ihn aus seiner aktiven Zeit als Fußball-Profi kennt.

Im Interview geht es vorrangig um Erinnerungen an WM 1990

30 Jahre nach dem größten Erfolg in seiner Karriere, dem Triumph bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1990 in Italien, geht es im kurzweiligen Interview freilich vorrangig um die Erinnerungen an diese Zeit. Und da hat Augenthaler jede Menge Anekdoten auf Lager. Eine seiner Lieblingsgeschichten aus dem Trainingslager vor der WM hat mit seinen beiden größten Leidenschaften zu tun: Fußball und Fischen. Augenthaler erzählt mit einem verschmitzten Grinsen von seinen nächtlichen Angel-Ausflügen („aber nur bis 23 Uhr, dann war Bettruhe“) und fetter Beute.

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Augenthaler: „Ich habe am Abend vor der Abfahrt in unser WM-Quartier zwei Zander gefangen und sie gleich unten in den Bus reingelegt. Mei, da hatte es auch schon um die 30 Grad. Und ich habe den Fisch dann im Bus vergessen. Überall hat es derart nach Fisch gestunken. Ich habe aber nicht gesagt, dass ich das war. Naja, den Bus mussten sie total renovieren.“ Es war übrigens nur ein vergleichsweise kleiner Fang. „Mein größter Fisch war bislang ein Waller mit zwei Meter zwanzig“, sagte der Niederbayer.

Doch es geht bei seinem Besuch in Kempten in erster Linie um Fußball. Mit 18 Jahren zog es Augenthaler 1975 zum FC Bayern München. In 15 Jahren bestritt er für den deutschen Rekordmeister über 400 Spiele. Aus dem Nachwuchsstürmer wurde an der Säbener Straße ein Libero von Weltformat. „Es war eine schöne und erfolgreiche Zeit. Die habe ich genossen“, sagt er.

Im Interview spricht er unter anderem über: 

  • die WM 1990: Eigentlich hatte Augenthaler vier Jahre zuvor nach der WM in Mexiko seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt. Zum zweiten Mal. „Und dann kurz vor der WM 1990 hat Franz Beckenbauer angerufen und gesagt, er bräuchte mich. Ich hatte eine ganz gute Saison gespielt und mit dem FC Bayern das Double geholt. Und direkt vom Abendessen in München sind wir zum Flughafen gefahren. Ich hatte massive Achillessehnenprobleme und wollte eigentlich zuhause bleiben. Aber diese WM habe ich dem Franz zu verdanken und den zwei Masseuren.“ Deutschland sei in Italien zwar nicht favorisiert gewesen, „aber im Gegensatz zu 1986 hatten wir nicht nur gute Einzelspieler, sondern waren auch eine Einheit“.
  • starke Gegenspieler: Bei der Frage nach seinem stärksten Gegenspieler, muss Augenthaler nicht lange überlegen: Diego Armando Maradonna. „Er war nicht zu halten. Es ist natürlich schwierig, jetzt Vergleiche mit Messi aufzustellen. Aber in meinen Augen war Maradonna ein kompletter Spieler. Er war körperlich noch präsenter als Messi, vielleicht auch antrittsstärker. Maradonna hat fast keine Schwächen gehabt. Er hat Tore sogar mit der Hand erzielt(lacht).“
  • Bayern-Stürmer Robert Lewandowski:  „Ich habe früher immer gegen gute Stürmer gespielt, gegen die besten Angreifer. Einen Stürmer Lewandowski kann man nicht über 90 Minuten ausschalten. Das war bei Gerd Müller auch so. Den hat man oft eine halbe Stunde lang nicht gesehen, aber im entscheidenden Moment war er da.“ Es würde ihn reizen, selbst gegen Lewandowski zu spielen. „Wenn ich noch 30 wäre.“
  • das Champions-League-Viertelfinale zwischen Bayern München und dem FC Barcelona: „Ich glaube, Bayern hätte bessere Chancen, wenn es zwei Spiele wären. Sicherlich ist Barcelona nicht mehr so stark wie vor einigen Jahren. Aber die Mannschaft hat immer noch klasse Spieler wie Messi, Griezmann und Suarez in ihren Reihen. Das ist sehr gefährlich, die können mit einer einzigen Situation so ein Spiel entscheiden. Die Chancen stehen aber gut für den FC Bayern. Es wird die Mannschaft weiterkommen, die weniger Fehler macht.“ Augenthalers Tipp: 2:0 für den FC Bayern München.

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  • private Herausforderungen:  Vor einem halben Jahr wurde Augenthaler mit 62 Jahren noch einmal Vater. Sohn Maximilian ist sein ganzer Stolz. „Er hält mich auf Trab. Der weiß nicht, ob Tag oder Nacht ist. Einen kleinen schwarz-weißen Softball hat er schon. Ich habe ihm auch schon einen Champions-League-Ball vom FC Bayern mitgebracht. Er hat sehr große Hände. Also, entweder wird er mal Pianist, Torwart oder Taschendieb(lacht).“
  • Grenzerfahrung im Rennauto: 2014 besuchte Augenthaler das DTM-Team von Abt Sportsline beim Saisonauftakt auf dem Hockenheimring – und drehte einige Runden als Beifahrer im Renntaxi. „Die wollten mich fertigmachen. Ich habe immer auf den Tacho rübergeschaut, wir wurden immer schneller. Bei 230 kam langsam die Kurve. Aber der Fahrer hat nicht gebremst. Ich habe die erste Runde noch zugeschaut, dann habe ich die Augen zugemacht. Ich dachte immer, ich wäre ein guter Autofahrer. Aber, was die Profis am Steuer machen: Hut ab!“

Das ist Klaus Augenthaler: 

Klaus Augenthaler wurde am 26. September 1957 in Fürstenzell bei Passau geboren. Seine Fußball-Laufbahn begann er in der Jugend des FC Vilshofen. Als 18-Jährigen zog es ihn zum FC Bayern München, seine einzige Station als Profi. 404 Spiele absolvierte Augenthaler für den FCB, wurde sieben Mal deutscher Meister und drei Mal DFB-Pokalsieger. Augenthaler spielte 27 Mal für die deutsche A-Nationalmannschaft. Sein größter Erfolg war der WM-Triumph 1990. Nach seiner Aktivenzeit gab er sein Wissen als Trainer weiter. Erst beim FC Bayern München (bis 1996), dann beim Grazer AK, 1. FC Nürnberg, Bayer 04 Leverkusen, VfL Wolfsburg, SpVgg Unterhaching und SV Donaustauf. Inzwischen ist Augenthaler wieder für den FC Bayern München tätig. Unter anderem trainiert er die Legenden-Mannschaft des Vereins.