Corona und Sport

Ist der Amateurfußball im Allgäu in Gefahr?

Der SV 29 Kempten (unser Archivbild zeigt im schwarzen Trikot Dennis Glasmit gegen den Heisinger Daniel Furlani) kämpft derzeit ums Überleben. Wenige Tage nach dem Re-Start schickten die Kemptener einen Hilferuf an den Verband.

Der SV 29 Kempten (unser Archivbild zeigt im schwarzen Trikot Dennis Glasmit gegen den Heisinger Daniel Furlani) kämpft derzeit ums Überleben. Wenige Tage nach dem Re-Start schickten die Kemptener einen Hilferuf an den Verband.

Bild: Dirk Klos (Archiv-Foto)

Der SV 29 Kempten (unser Archivbild zeigt im schwarzen Trikot Dennis Glasmit gegen den Heisinger Daniel Furlani) kämpft derzeit ums Überleben. Wenige Tage nach dem Re-Start schickten die Kemptener einen Hilferuf an den Verband.

Bild: Dirk Klos (Archiv-Foto)

Der A-Klassist SV 29 Kempten schlägt Alarm. Wegen der strengen Quarantäne-Regeln und immer größerer Ansteckungsgefahr wollen 18 von 35 Spielern aufhören.
26.09.2020 | Stand: 15:21 Uhr

Ein Testspiel vor über zwei Wochen hat den Ball oder besser die Lawine ins Rollen gebracht. Weil beim Gegner TSV Leuterschach/Geisenried ein Spieler positiv auf Covid-19 getestet wurde, mussten die Fußballer des A-Klassisten SV 29 Kempten und Teile der zweiten Mannschaft mehrere Tage in Quarantäne. Auch die Spiele der ersten und zweiten Mannschaft zum Re-Start am vergangenen Wochenende mussten abgesagt werden. 18 von 35 Spielern (zwölf davon aus der Ersten) ließen Abteilungsleiter Ralph Hänel und Trainer Pierre Borchers daraufhin wissen, dass sie unter diesen Umständen nicht weiter Fußball spielen werden. Das Risiko weiterer Quarantäne-Tage würden die meisten Arbeitgeber nicht mittragen. "Wir haben viele Selbstständige in unserer Mannschaft, die sich ein längeres Fortbleiben vom Arbeitsplatz schlichtweg nicht leisten können", sagt Borchers. Auch eine Nachfrage beim Gesundheitsamt, das vor gut einer Woche einen Schnelltest beim SV 29 angeordnet hatte, ob denn künftig vor Spielen Tests gemacht werden könnten, blieb bis heute unbeantwortet.

Bitte um Verlegung der Spiele auf das Frühjahr wird abgelehnt

In einem Schreiben wandte sich der SV 29 Kempten daraufhin an den Bayerischen Fußball-Verband. Es war ein Hilferuf - verbunden mit der Bitte, alle Spiele des Vereins auf Frühjahr nächsten Jahres zu legen. Der BFV, der sich erst vor Kurzem damit rühmte, die Wiederaufnahme des Spielbetriebs bei der Politik mit großem Druck durchgesetzt zu haben, lehnte den Antrag "natürlich ab" (O-Ton Borchers), stellte den Kemptenern aber frei, ohne Strafe aus dem Ligapokal aussteigen zu dürfen. Dieses Angebot nahmen die Kemptener an, die für dieses Wochenende geplanten Spiele gegen den TSV Buchenberg I und II fallen aus. Trainer Borchers will nun Ex-Spieler aktivieren, um wenigstens die Meisterrunde ordentlich zu Ende zu bringen. „Ein Verzicht darauf hätte den Zwangsabstieg bedeutet“, erzählt Borchers. Damit wäre allen verbliebenen Spielern die Perspektive geraubt worden. Der Re-Start im Amateurfußball, ist der Trainer überzeugt, sei letztlich nicht gut genug durchdacht gewesen. Er fürchtet, dass viele Amateursportvereine schon bald die gleichen Probleme wie sein Verein bekommen könnten. Einen "Flächenbrand" schließt er nicht mehr aus. "Man darf nicht vergessen: Viele Spieler haben in der langen Corona-Pause eh für sich festgestellt: Mei, so schlimm ist es ohne Fußball gar nicht."

"Viele rufen nur noch kurz an und sagen, sie hätten einen Verdachtsfall"

Auch Kreisspielleiter Elmar Rimmel sieht nicht nur wegen des Falles SV 29 Kempten große Probleme auf den Amateurfußball zukommen. Der Kemptener teilte gegenüber der AZ mit, dass am vergangenen Wochenende „alle im Allgäu abgesagten Spiele“ coronabedingt ausfallen mussten. Das wären von der Kreisliga abwärts insgesamt zwölf Spiele gewesen. „Viele rufen nur noch kurz an und sagen, sie hätten einen Verdachtsfall.“ Das könne ja heiter werden in den nächsten Wochen, fügte Rimmel mit einer Portion Sarkasmus hinzu.