Nordische Ski-WM

WM-Chef: "Auch ohne Fans wird es keine blutleere Geister-WM"

Jetzt ist die Entscheidung gefallen: Die Tribünen für die Nordische Ski-WM in Oberstdorf bleiben leer. Wie hier im Langlaufstadion in Ried sind Zuschauer wegen Corona verboten.

Jetzt ist die Entscheidung gefallen: Die Tribünen für die Nordische Ski-WM in Oberstdorf bleiben leer. Wie hier im Langlaufstadion in Ried sind Zuschauer wegen Corona verboten.

Bild: Ralf Lienert

Jetzt ist die Entscheidung gefallen: Die Tribünen für die Nordische Ski-WM in Oberstdorf bleiben leer. Wie hier im Langlaufstadion in Ried sind Zuschauer wegen Corona verboten.

Bild: Ralf Lienert

Die Ski-WM 2021 in Oberstdorf findet pandemiebedingt vor leeren Tribünen statt. Warum die Organisatoren dennoch eine hochkarätige Veranstaltung erwarten.
19.01.2021 | Stand: 16:14 Uhr

Nun ist es fix: Die Nordische Ski-WM vom 23. Februar bis 7. März dieses Jahres findet pandemiebedingt ohne Zuschauer statt. Das erfuhr unsere Redaktion am Dienstagmorgen exklusiv aus Oberstdorf. Am frühen Nachmittag kam die endgültige Bestätigung vom Aufsichtsrat der WM-GmbH, Dr. Franz Steinle. Der Präsident des Deutschen Skiverbandes und die Organisatoren in Oberstdorf wollten noch abwarten, ob Bundeskanzlerin Merkel mit den Länderchefs in Berlin weitreichendere Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung beschließen, die auch die WM im Oberallgäu betreffen könnten. Allerdings gab es keine Anzeichen dafür, dass die Politik den Profisport ausbremsen könnte.

Bereits am Montagabend wurden die Ressort- und Bereichsleiter der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf über das Zuschauerverbot unterrichtet. Das Organisationskomitee, so heißt es aus der südlichsten Gemeinde Deutschlands, habe aus dem Bayerischen Innenministerium klare Signale bekommen, wonach eine zunächst geplante reduzierte Zuschauer-Kapazität nicht durchsetzbar sei. Zu undurchsichtig sei derzeit das Infektionsgeschehen in Bayern und im gesamten Bundesgebiet. Letztlich stünde die Sicherheit der Zuschauer und der Athleten an vorderster Stelle.

Seit Dezember 2019 wurden 55 000 Tickets für die Nordische Ski-WM verkauft

Seit Dezember 2019 lief der Kartenvorverkauf für die WM-Wettbewerbe. "Die Ticket-Nachfrage war überraschend groß", hatte Geschäftsführer Moritz Beckers-Schwarz selbst nach Beginn der Pandemie immer wieder betont. Nachdem feststand, dass volle Stadien aufgrund der Pandemie undenkbar sind, wurde ein Hygienekonzept erarbeitet, das im Skisprungstadion 2500 und im Langlaufstadion etwas 2000 Sitzplätze erlauben sollte. Insgesamt sind laut Veranstalter bereits 55 000 Tickets für die WM verkauft worden. Sieben der insgesamt 21 WM-Entscheidungen waren bereits ausverkauft. Am meisten gefragt waren die Skisprung-Wettbewerbe an den beiden Wochenenden in der Audi-Arena am Schattenberg. Alle, die ein Ticket für die WM haben, bekommen den Eintrittspreis erstattet.

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Was ist eigentlich die Nordische Ski-WM 2021?

Steinle: "Das wird keine blutleere Geister-WM"

Bis zuletzt hatten die Verantwortlichen darauf gehofft, zumindest einer reduzierten Anzahl an Ski-Fans ein Live-Erlebnis vor Ort ermöglichen zu können. „Natürlich hätten wir uns alle eine andere Entscheidung gewünscht“, erklärte Dr. Franz Steinle, Präsident des Deutschen Skiverbandes und Aufsichtsratsvorsitzender der Nordischen Ski-WM GmbH. Allerdings hätten sich in den Gesprächen mit dem bayerischen Innenminister Joachim Hermann schon seit einiger Zeit die Zeichen verdichtet, dass eine WM mit Publikum trotz bestehender Hygienekonzepte nicht durchsetzbar sei. Steinle richtet den Blick nach vorn: „Die WM 2021 wird zwar nicht das Wintermärchen, von dem wir alle geträumt haben, aber ganz sicher auch keine blutleere Geister-WM.“ Die letzten Wochen hätten gezeigt, dass der Skisport auch ohne Fans faszinierende Wettkämpfe liefern könne.

Wie bei der Tournee gibts in Oberstdorf Fans aus Pappe

Geschäftsführer Moritz Beckers-Schwarz verspricht, in den verbleibenden Tagen bis zum WM-Start am 23. Februar noch intensiver daran zu arbeiten, dass Oberstdorf ein guter WM-Gastgeber ist – für die Athleten vor Ort genauso wie für die Zuschauer zuhause vor den Bildschirmen. Sein Kollege Florian Stern kündigte an, dass Fans wie bei der Vierschanzentournee die Gelegenheit haben werden, wenigstens als Pappfigur auf der Tribüne Platz nehmen zu können.

Bürgermeister Klaus King denkt an die Folgen für Hotellerie und Gastronomie. „Wir alle hätten es uns anders gewünscht. Aber die Pandemie macht uns einen Strich durch die Rechnung.“ Anders als für die WM-Organisatoren, die eine sogenannte Ausfallversicherung abgeschlossen haben, werden viele Betten, Esstische und damit auch die Kassen vieler Oberstdorfer Tourismusbetriebe während der WM leer bleiben.

Der Oberstdorfer Skiclub-Präsident Dr. Peter Kruijer hat die Kinder und Jugendlichen im Blick: „Für viele Nachwuchssportler wäre eine Teilnahme als Zuschauer an den WM-Stätten ein Motivationsschub zum weiteren Training gewesen.“ Er hofft, dass die jungen Sportler die Wettkämpfe am Fernsehen verfolgen und den Weltmeistern nacheifern.

Dennoch kein großer finanzieller Schaden

Ein Trost: Für die Oberstdorf entsteht durch das Zuschauerverbot zunächst einmal kein großer finanzieller Schaden. Wie bereits mehrfach berichtet, hat der Deutsche Skiverband frühzeitig eine sogenannte Ausfallversicherung abgeschlossen, bei der auch entgangene Ticketerlöse eingeschlossen sind. Seit Pandemie-Beginn sind die Oberstdorfer in ständigem Austausch mit der Versicherung, um den größten Part im Veranstaltungsbudget nicht zu gefährden. Dass der Skiverband eine solche Ausfallversicherung in Zeiten abgeschlossen hat, in denen kaum einer das Wort Pandemie überhaupt kannte, wird in der Veranstaltungs-Branche zwar als "weitsichtig" und "goldrichtig" angesehen. Fakt ist aber auch: Künftig werden solche Absicherungen für Sport-Großveranstaltungen wesentlich teurer, manche sprechen sogar von "unbezahlbar".

Zum News-Blog vor der Nordischen Ski-WM 2021 in Oberstdorf: