Planung zur Nordischen Ski-WM 2021 im Allgäu

Paukenschlag: Internationaler Skiverband feuert Generalsekretärin Sarah Lewis

Überraschend gefeuert: FIS-Generalsekretärin Sarah Lewis wurde am Freitag vom Vorstand des Internationalen Skiverbandes mit sofortiger Wirkung von ihren Aufgaben entbunden. Über die Hintergründe wird noch gerätselt.

Überraschend gefeuert: FIS-Generalsekretärin Sarah Lewis wurde am Freitag vom Vorstand des Internationalen Skiverbandes mit sofortiger Wirkung von ihren Aufgaben entbunden. Über die Hintergründe wird noch gerätselt.

Bild: Ralf Lienert (Archiv)

Überraschend gefeuert: FIS-Generalsekretärin Sarah Lewis wurde am Freitag vom Vorstand des Internationalen Skiverbandes mit sofortiger Wirkung von ihren Aufgaben entbunden. Über die Hintergründe wird noch gerätselt.

Bild: Ralf Lienert (Archiv)

Die FIS-Führung spricht von einem „völligen Vertrauensverlust“. Vor einer Woche noch war Lewis in Oberstdorf
11.10.2020 | Stand: 03:14 Uhr

Die Bombe platzte am späten Freitagabend. Nach stundenlangen Telefon- und Videokonferenzen auf Führungsebene hat der Internationale Skiverband mit Sitz in Oberhofen am Thuner See in der Schweiz seine einflussreichste Mitarbeiterin im operativen Geschäft gefeuert.

Die Suspendierung von Generalsekretärin Sarah Lewis wurde auf der Homepage mit einem einzigen Satz verkündet: „Auf seiner heutigen Sitzung hat das FIS-Council, einschließlich der Mitglieder der „Marc Hodler Foundation“, aufgrund eines völligen Vertrauensverlusts mit großer Mehrheit entschieden, dass Sarah Lewis mit Wirkung zum 9. Oktober nicht mehr als Generalsekretärin der FIS fungieren wird.“ Über die Gründe der Trennung wurde nichts bekannt.

Hörmann will sich noch nicht äußern

An der Entscheidung mitbeteiligt war auch Alfons Hörmann aus Sulzberg, der seit zehn Jahren im FIS-Council sitzt. Auf Anfrage unserer Redaktion am frühen Samstagmorgen stellte Hörmann in Aussicht, sich gegebenenfalls am Montag zur Personalie Lewis äußern zu wollen. Auch der Oberstdorfer Stefan Huber, der als FIS-Event-Direktor seit Juli 2018 sehr eng mit Lewis zusammenarbeitete, bat die Redaktion um Verständnis, dass er sich als „Angestellter der FIS“ dazu nicht äußern möchte.

Peter Kruijer, Präsident des Skiclubs Oberstdorf, bedauerte die Personalie Lewis: „Wir haben immer sehr freundschaftlich und in einem netten Verhältnis mit ihr zusammengearbeitet.“ Erst vor einer Woche war Lewis zu Gast in Oberstdorf, um bei einem sogenannten Management-Meeting zur Nordischen Ski-WM 2021 im Allgäu zu verhandeln. Kruijer sieht die WM-Vorbereitungen durch die Entlassung von Lewis nicht gefährdet: „Die Fis ist breit genug aufgestellt. Da sehe ich momentan noch keine Probleme.“

Rätselraten über die Gründe

Über die Gründe rätselt auch der Oberstdorfer Skiclub-Chef: „Es gab für uns keine Anzeichen. Sie hat alle Punkte sehr professionell mit uns abgearbeitet.“ An Spekulationen wolle er sich gleichwohl nicht beteiligen: „Da müssen wir geduldig sein. Irgendwann wird man uns schon über das Wie und Warum informieren.“

So bleiben viele Fragen offen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit, wird in Fachkreisen spekuliert, habe ihre mögliche Kandidatur um die Nachfolge von Präsident Gian Franco Kasper ihr nun den Job gekostet. Insider sprechen schon lange davon, Lewis sei nur noch auf Wahlkampf-Tour unterwegs. Der 76-jährige Schweizer Kasper, seit 22 Jahren FIS-Präsident, wollte ursprünglich bereits im Juni dieses Jahres beim Kongress in Thailand sein Amt ein Jahr früher als geplant abgeben, doch dann kam Corona.

Im Hintergrund begann das Strippenziehen. Urs Lehmann, der Schweizer Skiverbandspräsident, brachte sich in Position. Das missfiel wiederum Kasper, der mit einem Seitenhieb auf Lehmann sagte: „Ich habe ein Interesse daran, dass die FIS nicht völlig neu ausgerichtet wird. Sie soll ein Sportverband bleiben und kein kommerzielles Unternehmen werden.“ Kasper, so schien es, könnte seine Gunst einem anderen Kandidaten schenken als dem Landsmann Lehmann.

Intrigenspiele bei der FIS?

Immer wieder fällt der Name Mats Årjes. Der 52-jährige Schwede ist der Schatzmeister und einer von vier Vizepräsidenten der FIS sowie Präsident des Nationalen Olympischen Komitees. Kasper versprach im Frühjahr für die nächsten Wochen und Monate schon mal gute Unterhaltung: „Es wird sicher gewisse Intrigenspiele geben.“

Sarah Lewis könnte das erste Opfer sein. Der 55-Jährigen wird nachgesagt, sie habe sich zuletzt ebenfalls intensiv darum bemüht, in die Fußstapfen von Kasper zu treten, weil sie andernfalls unter einem neuen Präsidenten um ihren Job bangen müsse. Da Lewis es angeblich nicht schaffte, sich von einem einflussreichen großen nationalen Verband als Bewerber nominieren zu lassen - so besagten Gerüchte - habe sie mit einer Kandidatur für den libanesischen Verband geliebäugelt, einem Zwerg im Reich der 130 Ski-Nationen der FIS. Offiziell bestätigt wurde das aber nie.

Die gebürtige Engländerin Sarah Lewis, selbst erfolgreiche alpine Skiläuferin, begann 1994 bei der FIS zu arbeiten und war vier Jahre lang Alpin-Koordinatorin für die Continental Cups, die die Serien in Europa, Nordamerika, Fernost, Südamerika und Australien, Neuseeland abdeckten. Sie wurde 1998 FIS-Direktorin, bevor sie im Mai 2000 beim Kongress im australischen Melbourne zur Generalsekretärin ernannt wurde. Der Kongress übrigens, bei dem Oberstdorf den Zuschlag für die Nordische Ski-WM 2005 bekam.