Porträt Stefan Luitz

Pechvogel, Kämpfer - und einer der Besten: Das ist Skirennfahrer Stefan Luitz aus Bolsterlang

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Stefan Luitz ist der derzeitige Allgäuer Top-Skifahrer. Für die Saison nimmt er sich viel vor.

Bild: Michael Kappeler, dpa

Stefan Luitz ist der derzeitige Allgäuer Top-Skifahrer. Für die Saison nimmt er sich viel vor.

Bild: Michael Kappeler, dpa

Stefan Luitz aus Bolsterlang ist einer der besten deutschen Skirennfahrer - und hat harte Jahre hinter sich. Jetzt steht er in Sölden in der Pflicht.
18.10.2020 | Stand: 12:16 Uhr

Dass Stefan Luitz sich bei Instagram den Hashtag #comebackstronger ins Profil geschrieben hat, ist wahrlich kein Zufall. Luitz, 1992 in Kempten geboren, ist einer der besten deutschen Skirennfahrer - und kann von mehr Pleiten, Pech und Pannen berichten, als die meisten Sportler verkraften. Und trotzdem kam er immer wieder zurück - stärker als zuvor.

"Seine Geschichte ist schon eine spezielle", sagt Felix Neureuther vor einigen Jahren über seinen Kumpel Stefan Luitz. "Durch seine Art, Ski zu fahren, kann man mit ihm extrem mitfiebern. Weil du nie wirklich weißt, was dabei raus kommt."

Stefan Luitz - sein Skiverein ist der SC Bolsterlang - fuhr erstmals im Januar 2009 im Europacup und holte sich einen Monat später den zweiten Platz im Riesenslalom beim European Youth Olympic Festival in Szczyrk. 2010 gewann er Silber bei der Juniorenweltmeisterschaft 2010 in Les Houches im Riesenslalom und schaffte es wenig später in den Kader des Deutschen Skiverbandes.

Sein erstes Weltcuprennen fuhr Luitz 2011, bei der WM im gleichen Jahr in Garmisch-Partenkirchen belegte er im Riesenslalom Platz 29. In den Folgejahren kletterte der Allgäuer auf der Erfolgsleiter weiter nach oben. 2012: Mit Platz 13 im Riesenslalom von Beaver Creek erstes Top-20-Ergebnis im Weltcup. Eine Woche später erstmals eine Weltcup-Podestplatzierung.

Im Februar 2013 riss sich Stefan Luitz beim Training in Garmisch-Partenkirchen sein Kreuzband - es sollte die erste von mehreren schweren Verletzungen in seiner Karriere sein. Bei der WM 2013 und Olympia 2014 fuhr er jeweils kurz vor dem Ziel an einem Tor vorbei. Auch im Weltcup warf er den Lohn für herausragende Leistungen mehrfach durch grobe Schnitzer weg. Luitz erklärte diese vor allem mit seiner Risikobereitschaft: "Wenn du nur runterfährst, machst du zwar keine Fehler - aber du wirst halt 20. Das ist nicht das, was ich will."

2018 gewann Stefan Luitz seinen ersten Weltcup - und musste sich den Titel erstreiten

In der Saison 2015/16 fuhr Luitz im Riesenslalom regelmäßig in die Punkteränge. 2018 macht er dann richtig Schlagzeilen. Nach einer erneuten längeren Verletzungspause gewann er überraschend den Riesenslalom von Beaver Creek vor Marcel Hirscher und Thomas Tumler. Seinen ersten Weltcup-Sieg bekam er allerdings aberkannt, weil er Sauerstoff aus einer Flasche eingeatmet hatte.

Es folgten eine juristische Auseinandersetzung mit dem Skiweltverband FIS, gereizte Reaktionen nach schlechten Rennen und schließlich, als er sich und seine Leistung stabilisiert hatte, eine ausgekugelte Schulter unmittelbar vor der WM. In Are kam dann ein Innenbandeinriss im Knie dazu. Immerhin: Schließlich bekam er vom Internationalen Sportgerichtshof CAS Recht, seinen Sieg zurück - und dankte in einem emotionalen Facebook-Post seiner Freundin, seiner Anwältin, und all seinen Fans. Die FIS hat ihre Regeln inzwischen angepasst.

Trotz der Achterbahnfahrt der vergangenen Jahre ist und bleibt Stefan Luitz einer der Hoffnungsträger im DSV. Zum Weltcup-Auftakt in Sölden gehen er und Alexander Schmid beim Riesenslalom mit Hoffnungen auf vordere Plätze in das Rennen.

Nach dem enttäuschenden Damen-Wettkampf am Samstag, bei dem keine der vier deutschen Starterinnen die Top 30 erreichte, können es die Herren besser machen. Luitz nimmt sich auf dem Rettenbachferner im Ötztal vor, aggressiv und selbstbewusst aufzutreten. "Ich will wieder ein bisserl die Drecksau sein", sagte er in einem Zeitungsinterview.