Ski Alpin

Ski Alpin: Warum kaum Spuren im Schnee sind

Händeringend auf der Suche nach Trainingsmöglichkeiten sind Riesenslalom-Spezialist Stefan Lutz vom SC Bolsterlang (Bild) und seine Kollegen aus der alpinen Nationalmannschaft.

Händeringend auf der Suche nach Trainingsmöglichkeiten sind Riesenslalom-Spezialist Stefan Lutz vom SC Bolsterlang (Bild) und seine Kollegen aus der alpinen Nationalmannschaft.

Bild: Michael Kappeler, dpa

Händeringend auf der Suche nach Trainingsmöglichkeiten sind Riesenslalom-Spezialist Stefan Lutz vom SC Bolsterlang (Bild) und seine Kollegen aus der alpinen Nationalmannschaft.

Bild: Michael Kappeler, dpa

Der Lockdown trifft besonders die alpinen Rennläufer, denen die Trainingsmöglichkeiten fehlen. Springer wollen planmäßig loslegen.
06.11.2020 | Stand: 08:44 Uhr

Noch bis vor wenigen Tagen haben die alpinen Rennläufer des Deutschen Skiverbands (DSV) im österreichischen Sölden trainiert. Dann kam auch in der Alpenrepublik der Lockdown. Alle Skigebiete sind aktuell für den touristischen Skilauf gesperrt. Ob und wann die DSV-Athleten in den kommenden Wochen noch auf den Brettern stehen können, ist unklar. „Wir prüfen gerade verschiedene Möglichkeiten“, sagte DSV-Pressesprecher Ralph Eder am Donnerstag unserer Zeitung. Sollte beispielsweise Sölden seine Pisten zu Trainingszwecken für die Ski-Profis freigeben, müsse man sich wegen der geschlossenen Bahnen laut Eder mit Skidoos oder Pistenraupen behelfen, um die Sportler transportieren zu können.

Warum der Lockdown besonders die Alpinen trifft

Der derzeitige Lockdown trifft besonders die Alpinen im DSV empfindlich. „Das klemmt auf Dauer unseren Lebensnerv ab“, sagte Sportdirektor Wolfgang Maier dem. „Wir sind händeringend auf der Suche, wo überhaupt noch was geht“, fügte er konsterniert hinzu. DSV-Vorstand Stefan Schwarzbach (Betzigau) berichtet, die Alpinen hätten „immer größere Schwierigkeiten, noch ein halbwegs vernünftiges Training unter den immer schwieriger werdenden Rahmenbedingungen zu realisieren.“

Der großflächige Lockdown in Deutschland bringt das Training der alpinen Skiläufer praktisch zum Stillstand. Der Plan, Mitte November hinauf auf die Zugspitze zu wechseln, ist bekanntlich inzwischen Makulatur, auch Deutschlands höchster Berg ist gesperrt. Das Skigymnasium in Berchtesgaden ist geschlossen, ebenso die Hallen, in denen wenigstens Trockentraining möglich wäre. „Für uns ist das einschneidend“, betonte Maier. Mit Blickrichtung auf den kommenden Februar, wo im italienischen Cortina d’Ampezzo um WM-Medaillen gefahren werden soll, warnt Maier: „Wir haben massive Probleme, nachhaltig und konkurrenzfähig zu bleiben. Mal schauen, ob’s uns in vier Wochen noch gibt.“

Was für Rennen geplant sind

Dann werden die Probleme nicht geringer sein. So hat der DSV mehr als eine Million Euro zusätzlich für die Corona-Tests seiner Sportler einplanen müssen. Die Fortsetzung der Saison im alpinen Weltcup nach dem Auftakt Mitte Oktober in Sölden war eigentlich für den 13. November geplant. Nun wurden die beiden Parallel-Slaloms für Frauen und Männer in Lech am Arlberg um zwei Wochen nach hinten verschoben. Wie Ralph Eder berichtet, sollen sie ähnlich wie in Sölden und somit praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit über die Bühne gehen. Da Touristen noch nicht erlaubt sein werden, ist dies laut Eder leichter umsetzbar. Zuvor sollen am 21. und 22. November noch zwei Slalom-Rennen der Frauen im finnischen Levi gefahren werden.

Und die Weltcupfahrer sind nur ein Teil des Problems. „Am massivsten sind die Einschränkungen für unseren Nachwuchs- und Freizeitbereich und für unsere Vereine. Hier hätten wir uns eine differenziertere Reglementierung gewünscht“, sagte Schwarzbach. „Der ganze Nachwuchs wird uns jetzt erst mal weggenommen“, sagte Maier, der befürchtet: „Uns droht, eine ganze Generation verloren zu gehen.“ Auch Eder kann die jüngsten Maßnahmen der Politik nicht nachvollziehen: „Unterhalb der U 16 stehen die Leute still. Wir betreiben Freiluftsport ohne Kontakt. Da ist es bei allem Respekt für einige Einschränkungen, die vielleicht notwendig sind, nicht zu verstehen, dass zum Beispiel Schulsport stattfinden kann, den Vereinen dies aber verboten wird.

Skisportler sind seit Sölden motiviert

Immerhin hat Eder auch Positives zu vermelden: „Die Skisportler sind seit dem Auftakt in Sölden voll motiviert und glücklich, ihren Sport wieder ausüben zu können, unter welchen Umständen auch immer.“ Dies gelte im Übrigen auch für die Skispringer, die laut Eder – mit den entsprechenden Hygienekonzepten – wie geplant vom 19. bis 21 November im polnischen Wisla in die Weltcup-Saison starten wollen.