Nordische Ski-WM

Ski-WM 2021: Große Sorgen in Oberstdorf wegen Einreiseverboten

Wie bunt wird der Nationenmix bei der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf? Vier der gemeldeten 67 Nationen müssten nach den jüngsten Einreisebeschränkungen entweder über Drittstaaten oder in letzter Minute anreisen. Sollten die Maßnahmen verlängert werden, droht ein Aus einzelner Nationen.

Wie bunt wird der Nationenmix bei der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf? Vier der gemeldeten 67 Nationen müssten nach den jüngsten Einreisebeschränkungen entweder über Drittstaaten oder in letzter Minute anreisen. Sollten die Maßnahmen verlängert werden, droht ein Aus einzelner Nationen.

Bild: Archiv-Ralf Lienert

Wie bunt wird der Nationenmix bei der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf? Vier der gemeldeten 67 Nationen müssten nach den jüngsten Einreisebeschränkungen entweder über Drittstaaten oder in letzter Minute anreisen. Sollten die Maßnahmen verlängert werden, droht ein Aus einzelner Nationen.

Bild: Archiv-Ralf Lienert

In drei Wochen beginnt die Ski-WM in Oberstdorf. Eine Firma aus England musste bereits absagen. Auch Sportlern droht das Aus.
03.02.2021 | Stand: 07:46 Uhr

Florian Stern gehört zu den Menschen, die nicht sehr schnell ihre Fassung verlieren. Seine Nüchtern- und Besonnenheit kommen dem 46-jährigen Geschäftsführer der Nordischen Ski-WM GmbH in Oberstdorf in so turbulenten Zeiten wie diesen natürlich entgegen. Unzählige Male musste er in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder die Frage beantworten, ob die Ski-WM in Oberstdorf denn nun stattfinden könne – wo doch das Leben sonst fast überall stillsteht. Doch auch nach den jüngsten Nachrichten verliert Florian Stern das große Ganze nicht aus dem Blickfeld. Gefragt nach den Auswirkungen der Einreiseverbote, die die Bundesregierung wegen der erheblich größeren Ansteckungsgefahr des mutierten Covid-19-Virus verhängt hat, sagt Stern erst einmal: „Es gibt für uns in der Organisation jetzt nur noch eine Richtung – nämlich weitermachen bis zum letzten Tag.“

Keine Meldungen aus Südafrika für die Nordische Ski-WM

Wegwischen kann und will er die Entscheidungen der Politik aber nicht. „Natürlich machen uns die Einreiseverbote schon große Sorgen“, so der Fischinger, der seit März 2017 in der Schaltzentrale des Oberstdorfer Wintersports sitzt. Welche genauen Auswirkungen die Einreisebeschränkungen aber auf die WM haben werden, kann Stern selbst nicht genau abschätzen. Schließlich gelten die Verbote zunächst nur für Großbritannien, Irland, Portugal, Südafrika und Brasilien – und zwar vorerst nur bis 17. Februar, also bis eine Woche vor WM-Beginn.

Bürger dieser fünf Staaten dürfen derzeit weder mit Flugzeug, Bus oder Bahn nach Deutschland kommen. Nun gelten diese fünf Länder zwar nicht unbedingt zu den klassischen Wintersport-Nationen, doch ein Blick in die Meldelisten zeigt: Unter den 67 gemeldeten Nationen sind auch Brasilien mit zehn Langläuferinnen und Langläufern, Portugal mit vier, England mit drei und Irland mit zwei. Aus Südafrika ist derzeit kein Sportler gemeldet. (Lesen Sie auch: Norwegen macht die Grenzen dicht: Was bedeutet das für die Nordische Ski-WM?)

"Wegen fünf Ländern weniger wird WM nicht ausfallen"

Stern bezweifelt ohnehin, dass die „Exoten“ alle aus ihren Heimatländern anreisen: „Viele von denen schlagen ihre Zelte im Winter dann auch in Mitteleuropa auf.“ Selbst unter der Annahme, dass die Einreiseverbote eventuell verlängert werden und eine Last-Minute-Anreise nach Deutschland unmöglich machen könnten, sieht Stern die Titelkämpfe nicht in Gefahr. „Wegen fünf Ländern weniger wird die Ski-WM sicher nicht ausfallen“ – zumal die Athleten ja selbst zurückziehen müssten. „Aber sollten es noch deutlich mehr Länder auf dieser Liste werden“, denkt Stern laut nach, „dann könnten wir natürlich schon massive Diskussionen um den sportlichen Wert der Veranstaltung bekommen.“

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Stern kündigte gegenüber unserer Redaktion an, noch in dieser Woche mit Vertretern des Internationalen Skiverbandes darüber zu diskutieren, wie viele Länder mindestens bei der WM starten müssen, um den internationalen Charakter der Titelkämpfe zu wahren. „Im Weltcup wissen wir, dass sieben von zehn Top-Nationen vertreten sein müssen“.

Betroffen sind neben Sportlern und Trainern auch Servicefirmen

Die Einreisebeschränkungen treffen nicht nur Sportler und Betreuer, sondern auch etliche internationale Servicefirmen. So sei vor allem das Team des Hostbroadcasters, der das internationale TV-Signal produziert, bunt durchmischt – was seine Herkunft betrifft. Die Mitarbeiter einer englischen Firma, die beispielsweise ab 15. Februar eine Seilkamera hätten installieren und dann während der WM auch bedienen sollen, haben bereits am Wochenende abgesagt. Dafür Ersatz zu finden, sei sicher hinzubekommen, so Stern, weitere Ausfälle könnten allerdings auch für den Aufbau der Infrastruktur kritisch werden. Richtig hart treffen würde es die WM-Organisatoren, wenn auch die Grenzen zu den Nachbarn aus Österreich geschlossen werden müssten. Davon geht Stern derzeit aber nicht aus. Drei Wochen vor Beginn der Nordischen Ski-WM arbeitet er mit seinem Team weiter mit Hochdruck an den Vorbereitungen. Er sagt aber auch: „Keiner weiß, was morgen kommt ...“

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