Nordische Ski-WM

Ski-WM ohne Fans sorgt in Oberstdorf weiter für hitzige Debatte

Leere Zuschauertribünen wie hier im Langlauf-Stadion im Ried wird es vermutlich auch zur WM geben. Das schmeckt vielen Oberstdorfern gar nicht. Unser Bild entstand am Wochenende, als sich Ex-Langläufer und DSV-Trainer Axel Teichmann durch die Schneemassen auf der Stahltribüne wühlte.

Leere Zuschauertribünen wie hier im Langlauf-Stadion im Ried wird es vermutlich auch zur WM geben. Das schmeckt vielen Oberstdorfern gar nicht. Unser Bild entstand am Wochenende, als sich Ex-Langläufer und DSV-Trainer Axel Teichmann durch die Schneemassen auf der Stahltribüne wühlte.

Bild: Ralf Lienert

Leere Zuschauertribünen wie hier im Langlauf-Stadion im Ried wird es vermutlich auch zur WM geben. Das schmeckt vielen Oberstdorfern gar nicht. Unser Bild entstand am Wochenende, als sich Ex-Langläufer und DSV-Trainer Axel Teichmann durch die Schneemassen auf der Stahltribüne wühlte.

Bild: Ralf Lienert

Eine Online-Petition für eine weitere (zeitnahe) Ski-WM stößt auf bislang wenig Resonanz. Freie Wähler und SPD wollen, dass künftig die Bürger entscheiden.
19.01.2021 | Stand: 00:30 Uhr

Mitte Dezember letzten Jahres hatte der Oberstdorfer Gustav Stempfle eine Online-Petition gestartet. Er habe in der Marktgemeinde einen deutlichen Widerstand gegen eine mögliche Geister-WM gespürt, begründete der 73-Jährige damals die Forderung, die Verantwortlichen mögen sich doch möglichst schnell um eine weitere Weltmeisterschaft bewerben. „Nur so kann der Ort wie 1987 und 2005 von diesem Großereignis nachhaltig profitieren“, hieß es. 1500 Unterstützer wollte Stempfle, Mitbegründer des Winterfestes und lange Jahre Marktgemeinderat, für seine Petition gewinnen.

Von erforderlichen 1500 Stimmen liegen bisher erst 570 vor

Bis Montag dieser Woche waren es 572 Unterstützer, also gerade einmal 38 Prozent. Stempfle nennt das Zwischenergebnis „enttäuschend“, auch wenn er anfänglich viele positive Reaktionen erhalten habe. Noch bemerkenswerter sei, dass von den abgegebenen Stimmen nicht einmal ein Drittel aus Oberstdorf kommen. Stempfle wörtlich: „Bei fast 2000 Mitgliedern des Skiclubs und den über 1000 freiwilligen Helfern, die bei vielen Veranstaltungen dabei sind, hätte ich da schon deutlich mehr erwartet.“ Gewundert habe sich Stempfle, dass sowohl Bürgermeister Klaus King als auch Skiclub-Schatzmeister Andreas Gehring in den Fernsehbeiträgen zur Vierschanzentournee immer wieder auf die Ausfallversicherung hingewiesen hätten, die für die entgangenen Ticket-Einnahmen einspringen würde. Oberstdorf dürfe sich nicht zufriedengeben damit, dass der Sport normal über die Bühne geht. „Für die enormen Summen, die im Oberstdorfer und Allgäuer Wirtschaftsleben fehlen werden, gibt es keine Versicherungen. Erst recht nicht für den Verlust von Spaß und Freude für Sportler, Organisatoren, Helfer, Einheimische und Zuschauer, wenn nur Wettkämpfe in einer medialen Blase stattfinden“, formuliert es Stempfle.

"Hotellerie und Gastronomie wünscht sich eine Absage"

Große Teile der Oberstdorfer Hotellerie und Gastronomie, so der 73-Jährige, würden bereits jetzt eine komplette Absage der WM für richtig halten, weil sie sich wegen der Pandemie Sorgen um die weitere Wintersaison machen würden. Dass sich DOSB-Präsident und Fis-Vorstandsmitglied Alfons Hörmann in einem Interview mit unserer Zeitung dafür ausgesprochen habe, eine nächste WM schon in zehn oder zwölf Jahren zu bekommen, hält Stempfle „gelinde gesagt für ein Unding“. Oberstdorf wisse aus jahrzehntelanger Erfahrung, dass eine so große Zeitspanne wieder Investitionen in Millionenhöhe notwendig machen würde. Er rief die Oberstdorfer noch einmal dazu auf, sich an der Petition zu beteiligen: „Oberstdorf ist es wert, für eine bessere Lösung zu kämpfen.“ Noch bis 31. März kann man sich online an der Petition beteiligen.

Ex-Bürgermeister will künftig die Oberstdorfer entscheiden lassen

Dass nicht die Skiverbände, sondern die Oberstdorfer Bevölkerung künftig über Weltmeisterschaften entscheiden, das haben im Marktgemeinderat nun auch die Freien Wähler (5 Sitze von insgesamt 20) und die SPD (1) beantragt. Pikant: Zu den Freien Wählern gehören Ex-Bürgermeister Laurent Mies, der die WM nach Oberstdorf geholt hat, Peter Titzler, der frühere Sportreferent, und Fidel Joas, der Sportliche Leiter Langlauf für die WM 2021. Sie alle plädieren dafür, dass „eine weitere Bewerbung ausdrücklich in die Hände der Oberstdorfer Bevölkerung gelegt wird.“ Über den Antrag soll bereits an diesem Donnerstag abgestimmt werden. Damit könnte die Geister-WM 2021 auch die letzte für Oberstdorf sein ...