Nordische Ski-WM 2021

So mühsam ist Deutschlands Weg zurück an die Langlauf-Weltspitze

Katharina Hennig ist bei der Tour de Ski an der Langlauf-Weltspitze angekommen. Die Oberwiesenthalerin, die mittlerweile im Allgäu lebt, gilt als große Hoffnung für die Heim-WM in Oberstdorf.

Katharina Hennig ist bei der Tour de Ski an der Langlauf-Weltspitze angekommen. Die Oberwiesenthalerin, die mittlerweile im Allgäu lebt, gilt als große Hoffnung für die Heim-WM in Oberstdorf.

Bild: Alessandro Trovati, dpa

Katharina Hennig ist bei der Tour de Ski an der Langlauf-Weltspitze angekommen. Die Oberwiesenthalerin, die mittlerweile im Allgäu lebt, gilt als große Hoffnung für die Heim-WM in Oberstdorf.

Bild: Alessandro Trovati, dpa

Die Wahl-Allgäuerin Katharina Hennig lässt bei der Tour de Ski als Achte aufhorchen. Wo steht das deutsche Langlauf-Team kurz vor der Heim-WM in Oberstdorf?

12.01.2021 | Stand: 06:30 Uhr

Langlauf kann ganz schön zäh sein. Ein Sport, der Kopf und Körper auf eine harte Probe stellt. Wenn man sich den steilen Anstieg hinauf quälen muss. Runde für Runde. Wenn auf der Zielgeraden die Beine brennen und jeder Meter schmerzt. Nicht ganz so drastisch, aber ähnlich könnte man den Weg der deutschen Langläufer in den vergangenen Jahren skizzieren. Schmerz, sagt der Volksmund, ist vergänglich, Erfolg dagegen bleibt für immer. Und genau nach diesem Erfolg sehnen sich die Athleten des Deutschen Skiverbands (DSV) nach vielen durchwachsenen Jahren bei Heim-WM in Oberstdorf. Doch klar ist auch: Um wieder Anschluss an die Weltspitze zu finden, reicht kein Sprint. Gefragt ist ein mühevoller Langstreckenlauf.

Am 23. Februar beginnt die Nordische Ski-WM in Oberstdorf

In knapp fünf Wochen beginnt die Nordische Ski-Weltmeisterschaft im Allgäu. Wer fix dabei sein will, muss mindestens einmal unter die Top 8 oder zwei Mal unter die besten 15. Mit Katharina Hennig, Lucas Bögl, Florian Notz und Janosch Brugger haben bislang vier Sportler diese WM-Norm des DSV erfüllt. Schon vier oder nur vier? Es ist wie so oft im Leben die Frage: Ist das Glas halb leer oder halb voll? Nach dem ersten Saisonhöhepunkt, der Tour de Ski, die am Wochenende in Val di Fiemme (Italien) zu Ende gegangen ist, sagt der Sportliche Leiter Andreas Schlütter: „Wir haben gesehen, was wir können und wo wir noch Defizite haben. Den Schwung, den wir bei der Tour gewonnen haben, wollen wir mitnehmen. Am besten bis zur WM.“

Die Wahl-Allgäuer Katharina Hennig und Janosch Brugger starten durch

Zur Aufbruchstimmung im deutschen Lager haben zuletzt zwei Wahl-Allgäuer beigetragen. Allen voran Katharina Hennig. „Bei ihr kann man sagen: Sie ist in der Weltspitze angekommen“, meint Schlüter. Noch Ende Dezember sprach die 24-Jährige bei einer Pressekonferenz der WM-Veranstalter über ihre Aussichten, Wünsche und Träume für die Wettkämpfe, die am 23. Februar in Oberstdorf beginnen. Nur knapp zwei Wochen beendete sie die prestigeträchtigen Tour de Ski als Achte. Hennig scheint auf Kurs, auch wenn die guten Platzierungen wegen des coronabedingten Fehlens der Norwegerinnen nicht überbewertet werden dürfen. „Ich bin überglücklich. Die Tour war jeden Tag eine Herausforderung“, sagt die Oberwiesenthalerin, die sich bei der WM aber ohne Probleme als Lokalmatadorin verkaufen lässt. Der Liebe wegen hat sie den Schritt vom Erzgebirge ins Allgäu gewagt, wohnt in Sonthofen mit ihrem Freund Christian Dotzler, dessen Vater Stefan ihr Trainer ist.

Langlauf-Chef Andreas Schlütter lobt Fortschritte des deutschen Teams

Bundestrainer Peter Schlickenrieder weiß, was Hennig auszeichnet. Je schwerer das Profil der Strecke, desto mehr könne sie der Weltspitze in der klassischen Technik Paroli bieten. Langlauf-Chef Schlütter lobt aber auch die anderen Frauen: „Generell haben sich die Mädels sehr gut verkauft. Ich denke, man hat gesehen, dass wir ausdauermäßig einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht haben.“ Nach Hennig als Gesamt-Achte klafft in der Ergebnisliste allerdings eine große Lücke. Antonia Fräbel (Oberhof) und Pia Fink (Fischen) folgen als nächste DSV-Läuferinnen erst auf den Rängen 27 und 28, die beiden Sprint-Spezialistinnen Laura Gimmler (Oberstdorf) und Sofie Krehl (Bolsterlang) waren planmäßig nach dem ersten Tour-Stop in Val Müstair (Schweiz) ausgestiegen.

Janosch Brugger gilt als Zugpferd bei den DSV-Männern

Bei den Männern soll Janosch Brugger in den kommenden Wochen das Zugpferd spielen. Dreimal war er beim Etappen-Rennen unter den Top 10. „Es war meine erste Tour de Ski, die ich bis zum Schluss mitgelaufen bin. Absolut verrückt – auch ergebnistechnisch. Ich bin glücklich über meine Top-10-Ergebnisse und hoffe, möglichst fit zur WM zu kommen“, erzählt der 23-Jährige, der in Fischen lebt. Schlütter bestätigt auch den DSV-Männern, dass sie „einen weiteren Schritt nach vorne gemacht haben“. Nach acht Etappen kam Luca Bögl (Ruhpolding) als bester Deutscher auf Platz zwölf der Gesamtwertung ins Ziel. Florian Notz (Oberstdorf) wurde 20., Brugger kam in der Addition aller Rennen auf Platz 30.

Sebastian Eisenlauer und Laura Gimmler bereiten sich in Oberstdorf vor

Bevor es im Weltcup weitergeht, ist das deutsche Team zweigleisig unterwegs. Die einen dürfen sich zuhause von den Strapazen der Tour erholen, die anderen treffen sich zum Lehrgang in Oberstdorf. Mit dem 1b-Kader trainieren dort auch Krehl, Gimmler, Sebastian Eisenlauer (Sonthofen) und Nadine Hermann (Ruhpolding). Der Fokus liegt auf den Weltcups in Lahti (Finnland) am 23. und 24. Januar und eine Woche später in Falun (Schweden). Dort wird sich zeigen, wie weit man vom ersehnten Erfolg tatsächlich entfernt ist – wenn auch die starken Skandinavier wieder ins internationale Wettkampf-Geschehen einsteigen.

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