Eishockey-Chef im Klartext-Interview

ECDC Memmingen: Jetzt muss ein Mental-Trainer ran

Sportvorstand Sven Müller bezieht im Interview Stellung zu Trainerwechsel, Fitnesszustand und Schwachstellen beim ECDC Memmingen in der Eishockey-Oberliga.

Sportvorstand Sven Müller bezieht im Interview Stellung zu Trainerwechsel, Fitnesszustand und Schwachstellen beim ECDC Memmingen in der Eishockey-Oberliga.

Bild: Rebhan, ECDC (Collage)

Sportvorstand Sven Müller bezieht im Interview Stellung zu Trainerwechsel, Fitnesszustand und Schwachstellen beim ECDC Memmingen in der Eishockey-Oberliga.

Bild: Rebhan, ECDC (Collage)

In der Eishockey-Oberliga kommt Vorjahres-Vizemeister ECDC Memmingen einfach nicht in Schwung. Im Interview findet Sportchef Sven Müller klare Worte zur Lage.
29.11.2022 | Stand: 15:27 Uhr

Trainer gewechselt, Kontingentspieler getauscht. Viel hat man beim ECDC Memmingen schon versucht, um die Mannschaft nach einem schwachen Saisonstart in die richtige Spur zu bekommen. Sah es zwischendurch nach einem Aufwärtstrend aus, verlief das vergangene Wochenende wieder enttäuschend.

Die Spiele gegen Füssen und Landsberg legten offen, woran es in dieser Saison krankt: zu viele individuelle Fehler und eine schlechte Chancenverwertung. Welche Möglichkeiten bleiben den Indians-Machern jetzt noch? Wo setzt man intern die Hebel an? ECDC-Sportvorstand Sven Müller im Interview mit allgaeuer-zeitung.de.

Frage: Herr Müller, wieso kommt der ECDC Memmingen trotz Trainerwechsel und Tausch eines Importspielers nicht richtig in Tritt?

Sven Müller: Wenn ich darauf eine einfache Antwort hätte, wären wir längst auf der Überholspur und würden bessere Spiele abliefern. Ich denke, es sind viele kleinere Ursachen, die in der Summe zu den durchwachsenen Ergebnissen führen. Einer der Hauptgründe ist eine mentale Blockade bei vielen Spielern. Die Mannschaft ist inzwischen extrem verunsichert. Wir werden jetzt mit Mentaltraining nachsteuern. Auch das Teambuilding kam in den letzten Wochen zu kurz. Seit Daniel Huhn Trainer ist, arbeiten wir intensiv daran.

Oft wird das zweite Spiel am Wochenende am Sonntag verloren. Sind einige Spieler nicht mehr auf dem Fitness-Level wie im letzten Jahr?

Müller: Wir hatten zu Beginn der Saison denselben Fitnesstest wie die letzten Jahre gemacht. Die Spieler hatten zum Teil deutlich bessere Werte wie in den Vorjahren. Im Training zu Saisonbeginn wurden dann aber falsche Schwerpunkte gesetzt - das hat die Mannschaft zurückgeworfen. Da haben die Jungs eher Kondition abgebaut, anstatt sie, wie in der Vorbereitung üblich, aufzubauen. Das jetzt aufzuholen wird ein hartes Stück Arbeit.

Verletzungen und kleiner Kader werfen Memminger Indians zurück

Teilweise kann man nur mithilfe der Förderlizenzspieler mit drei Reihen auflaufen. Ist der Kader zu klein?

Müller: Die vielen Ausfälle durch Verletzungen und Krankheiten sind ein weiteres Puzzleteil. Wir konnten oft kaum mit mehr als zehn Spielern trainieren. Die langfristigen Verletzungen von Topol, Hafenrichter und Stange tun uns richtig weh, diese Spieler sind nicht zu ersetzen. Wir haben aber trotzdem noch genügend Qualität auf dem Eis, um andere Leistungen zu zeigen und Ergebnisse einzufahren.

Wieso wird im Gegensatz zu anderen Vereinen nicht nachverpflichtet?

Müller: Wir bemühen uns seit September um weitere Verpflichtungen, die uns sportlich weiterhelfen. Ich weiß, dass es viele Fans nicht hören wollen, aber: Der Spielermarkt gab bislang absolut nichts her, was uns deutlich geholfen hätte. Und das Wettbieten um die namhaften Spieler können und wollen wir nicht mitmachen. Die Summen, die gerade unter der Spielzeit aufgerufen werden, sind teils astronomisch.

Etwas mehr Kadertiefe könnte dennoch helfen...

Müller: Es hat keinen Sinn, nur für die Breite im Kader nachzuverpflichten. Erschwerend kommt hinzu, dass einige junge Spieler aktuell nicht zu uns wechseln wollen, was mit der eigentlich hohen Qualität in unserem Team zusammenhängt. Die Spieler rechnen sich aus, wo sie eventuell spielen werden, wenn alle Verletzten zurück sind. Dann entscheiden sie sich für ein anderes Team mit mehr Aussicht auf Eiszeit in den vorderen Reihen. Wir brauchen Jungs, die sich durchbeißen wollen. Es ist gerade nicht einfach, aber wir bleiben dran.

Wieso haben Sie sich für Daniel Huhn als Cheftrainer entschieden? Wäre es keine Option gewesen, mit einem erfahrenen Trainer nochmals einen Neustart in die Saison zu machen?

Müller: Natürlich habe ich darüber nachgedacht, ob ein neuer Impuls von außen gut tun würde. Nicht, weil ich Daniel nicht vertraue, sondern vielmehr um ihn nicht zu "verbrennen". Deshalb habe ich Daniel zunächst zwei Wochen Zeit gegeben, bevor wir final entschieden haben. Es war beeindruckend, wie er mit der Mannschaft gearbeitet hat - das Team hat voll mitgezogen. Er genießt mein Vertrauen und ich bin überzeugt, dass er uns wieder auf die Siegerstraße bringen wird.

ECDC Memmingen: Jetzt muss ein Mentalcoach ran

Wieso gelingt es nicht, das schwache Defensivverhalten und die Chancenverwertung zu verbessern?

Müller: In der Defensive haben wir uns in den letzten Wochen schon deutlich verbessert. Was wir von außen nicht abstellen können, sind individuelle Fehler einzelner Spieler. Auch die Chancenverwertung ist ein schwieriges Thema. Kein Spieler schießt absichtlich am Tor vorbei. Alleine im Spiel gegen Landsberg hatten wir fast 50 Torschüsse, darunter fünf Alleingänge. Wir machen aber nur drei Tore. Hier setzen wir in den nächsten Tagen auch mithilfe des Mentaltrainers an.

Kann der neue Kontingentspieler Andrew Johnston der Mannschaft weiterhelfen?

Müller: Ja, da bin ich mir sicher. Der Wechsel auf der Importposition hat unser Spiel schon etwas stabilisiert. Ich betone aber, dass Eishockey ein Mannschaftssport ist. Unsere schlechteren Leistungen lagen nicht an einem Spieler, genau wie unsere Siege gegen Rosenheim oder Bad Tölz nicht an einem Spieler festzumachen sind.

Mitte November verpflichtete ECDC-Obmann Sven Müller (r.) Kanadier Andrew Johnston als dritten Kontingentspieler neben Matej Pekr und Linus Svedlund.
Mitte November verpflichtete ECDC-Obmann Sven Müller (r.) Kanadier Andrew Johnston als dritten Kontingentspieler neben Matej Pekr und Linus Svedlund.
Bild: ECDC Memmingen

ECDC Memmingen: Sven Müller zum Trainerwechsel

Wenn Sie zurückblicken: Welche Fehler ärgern Sie am meisten?

Müller: Der Trainerwechsel war unvermeidbar. Ich habe alles versucht, es zu verhindern. Im Nachhinein bin ich schlauer und hätte es wohl schon deutlich früher machen sollen. Der schlechte Start hängt uns immer noch nach. Wir müssen das jetzt aus den Köpfen bekommen, den Spaß wiederfinden und gleichzeitig hart trainieren.

Welche Erwartungen haben Sie an die Mannschaft und den Trainer?

Müller: Die nächsten Schritte sind klar: Mentaltraining, Fitness aufbauen und weiter an unserem System arbeiten. Hier wird keiner den Kopf in den Sand stecken.

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