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Gewürdigt, aber nicht gefeiert: Das 75. Jubiläum des ESVK

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75 bewegte Jahre hat der ESV Kaufbeuren hinter sich. Eine entsprechende Feier soll nach Corona in der neuen Arena steigen.

Bild: Harald Langer

75 bewegte Jahre hat der ESV Kaufbeuren hinter sich. Eine entsprechende Feier soll nach Corona in der neuen Arena steigen.

Bild: Harald Langer

Beim ESV Kaufbeuren neigt sich das 75. Jubiläum dem Ende zu. Corona verhinderte eine große Sause. Doch die Geschichte zeigt: Einem Tief folgt immer ein Hoch.
30.12.2021 | Stand: 20:14 Uhr

Jubiläumsjahre gelten grundsätzlich als besonders. Und ein besonderes Jubiläumsjahr hat nun auch der ESV Kaufbeuren hinter sich. Im Januar 1946 gegründet, wurde der Eissportverein der Wertachstadt heuer also 75 Jahre alt. Eine noch im vergangenen Winter ins Auge gefasste große Feier anlässlich des Geburtstags fand nicht statt. Thomas Petrich, Gesellschafter der ESVK Spielbetriebs GmbH und Vorstandsmitglied des Vereins, begründet dies mit sämtlichen Unwägbarkeiten der Pandemie.

Dass das Jubiläumsjahr nicht nur aus Feiersicht, sondern auch sonst eher dürftig ausfiel bei den Buron Jokern, passt zur Historie der Rot-Gelben, die in ihren nunmehr fast 76 Jahren stets ein Auf und Ab durchlebten. Aufgebaut von jungen Eishockeyfreunden einige Monate nach Kriegsende, folgten wilde Anfangsjahre, geprägt von stetem Studieren des Wetterberichts.

Meilenstein in der Geschichte des ESV Kaufbeuren

Nur bei passenden Temperaturen wurde gespielt. Ein Meilenstein war daher 1969 die Überdachung des Stadions am Berliner Platz. Die gedeckte Halle änderte alles, erinnert sich ESVK-Historiker Manfred Kraus. Die Eishockey-Euphorie war in den folgenden Jahren nicht zu bremsen. Teils über 5000 Zuschauer drängten sich im Stadion. Viele Kaufbeurer kannten ihre Kufencracks persönlich, und so kam es dazu, dass besonders die Lokale angesagt waren, in denen man auf ESVK-Spieler traf. „Da musste man sich manchmal auch einen Spruch anhören“, erinnert sich Rudolf Uhrle, der einer von den Spielern war.

Glanzzeiten erlebte der Verein Mitte der 80er, in der Saison 1986/87 wurde ein bis heute gültiger Rekordzuschauerschnitt von 5260 verkauften Karten verbucht; und das in einer Saison, die eigentlich als Umbruch in die Geschichte einging. Zuvor hatten prägende Figuren wie Bohuslav Stastny und Vladimir Martinec den Verein verlassen, auch Kaufbeurens wohl bekanntester Eishockey-Sohn Dieter Hegen war nicht zu halten. „Diesen Verlust aufzufangen, war eigentlich unmöglich“, erinnerte sich Dieter Medicus, legendärer ESVK-Verteidiger. Doch die Neuverpflichtungen schlugen ein, „es passte extrem gut“, weiß der ehemalige Defensive Manfred Schuster.

Bitterster Moment: Der Verlust der DEL-Lizenz

Aber wie immer beim ESVK – auf Jubel folgte Katerstimmung. 1989 stieg der Verein ab, kämpfte sich in den 90ern aber wieder nach oben, um letztlich seine wohl bitterste Stunde zu erleben. Nach dem Abgang eigener und dem Kommen fremder Spieler, Historiker Kraus spricht von einem „gestaltlosen Legionärssammelbecken“, drückte ein Schuldenberg so sehr auf den Verein, dass er die Lizenz für die neue Deutsche Eishockey-Liga (DEL) im Oktober 1997 verlor.

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Auf und Ab gehört beim ESVK dazu

2002 war Kaufbeuren zurück in der zweiten Bundesliga. Ein weiterer Auf- und Abstieg und natürlich das große Drama um das von Streusalz beschädigte Stadion, das dem Klub 2013 eine beispiellose „Auswärts dahoim“-Tour und einen Krimi um den Stadionneubau bescherte, runden turbulente 75 Jahre ESV Kaufbeuren ab.

DEB-Präsident Franz Reindl erinnert sich an besondere Duelle

„Kampf, Einsatz – der ESVK war immer ein unangenehmer Gegner. Da hat man sich immer warm anziehen müssen im wahrsten Sinne des Wortes. Das war immer eine Herausforderung, in Kaufbeuren oder gegen den ESVK anzutreten“, erinnerte sich DEB-Präsident Franz Reindl im Frühjahr dieses Jahres im Gespräch mit unserer Redaktion an seine Begegnungen mit dem ESVK. „Kaufbeuren war wie eine kanadische Hockeytown mitten in Manitoba – ein bisschen flach, kalt, Schnee, Wind, Eis. Ich verfolge die Joker bis heute gern“, sagte der Verbandspräsident.

Abschied nehmen mussten derweil die ESVK-Fans von der jahrzehntelangen Heimat, dem Stadion am Berliner Platz, das 2020 dem Erdboden gleichgemacht wurde. Das neue Zuhause, die nur einige Steinwürfe entfernte Erdgas Schwaben Arena, bietet nunmehr 3500 Zuschauern Platz; in deutlich modernerem Ambiente. Derzeit finden die Spiele einmal mehr ohne Zuschauer statt, Eintrittsgelder und Einnahmen aus der Gastronomie fehlen an allen Ecken und Enden. Auch der sportliche Erfolg ist nicht mehr so groß wie in den Anfangsjahren des neuen Stadions.

Jubiläumsfeier ist nach wie vor geplant

Doch die Historie zeigt: Jedem Tief folgt auch wieder ein Hoch. Die neue Arena soll zudem Austragungsort einer nachträglichen Jubiläumsfeier sein. Vorstand Petrich erklärte, man plane ein solches Event nach der laufenden DEL 2-Saison; stattfinden werde es aber freilich nur, wenn es Corona auch zulasse. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.