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Talfahrt des EV Füssen in der Oberliga – ein Erklärungsversuch

Eishockey-Oberliga: EV Füssen - Blue Devils Weiden

Auch wenn Goalie Benedikt Hötzinger in dieser Situation die Oberhand behielt: Im Heimspiel gegen die Blue Devils Weiden ging der EV Füssen erneut leer aus und ist jetzt Tabellenletzter der Oberliga.

Bild: Benedikt Siegert

Auch wenn Goalie Benedikt Hötzinger in dieser Situation die Oberhand behielt: Im Heimspiel gegen die Blue Devils Weiden ging der EV Füssen erneut leer aus und ist jetzt Tabellenletzter der Oberliga.

Bild: Benedikt Siegert

Auch gegen Tabellenführer Blue Devils Weiden ist für den Altmeister nichts zu holen. Lesen Sie in unserer Analyse, was beim EV Füssen zur Zeit schief läuft.
05.12.2021 | Stand: 20:54 Uhr

Es ist inzwischen zur Routine geworden: Mit hängenden Köpfen verlassen die Spieler des EV Füssen nach dem Spiel das Eis. Hinter ihnen liegen meist 60 Minuten, in denen sie zwar Moral und Einsatz zeigten. Aber zu einem Erfolg reichte es wieder nicht. So war das auch jetzt im Heimspiel gegen den Tabellenführer der Eishockey-Oberliga, die Blue Devils Weiden. 0:3 hieß es am Ende aus Sicht der Schwarz-Gelben. Es war die zehnte Niederlage in Folge, verbunden mit dem Abrutschen auf den letzten Tabellenplatz.

EV Füssen ist Schlusslicht der Eishockey-Oberliga: Das sagt Trainer Marko Raita

„Different game, same story“, meinte Trainer Marko Raita nachher – „anderes Spiel, gleiches Manko.“ Der EVF muss zu viel Aufwand betreiben, um ein Tor zu erzielen. Wenn denn überhaupt eines gelingt. Chancen wären jedenfalls auch gegen den Tabellenführer genügend vorhanden gewesen. Etwa als Julian Straub im ersten Drittel das leere Tor vor sich hatte, aber nur den Pfosten traf.

Auch Gäste-Coach Sebastian Buchwieser sprach davon, dass Füssen ebenbürtig gewesen sei – besonders im ersten Drittel. „Die haben schon eine gute Mannschaft“, meinte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Ein Lob, das dem EVF-Team heuer schon häufiger zuteil wurde. Nur schlagen sich solche warmen Worte eben nicht in der Tabelle wieder. Die bittere Realität für die Füssener lautet: letzter Platz, äußerst magere acht Zähler aus 15 Partien.

Schusseffizienz lässt zu wünschen übrig: Darum setzte es für den EVF auch gegen Weiden eine Niederlage

Ein Indiz, warum die Füssener so weit hinten liegen, waren die 22 Sekunden zur Mitte des zweiten Drittels. Binnen dieses kurzen Zeitraums drehten die Blue Devils Weiden die Partie zu ihren Gunsten. Dennis Thielsch und Tomas Rubes trafen. Vorangegangen war mal wieder ein kollektiver Blackout der Füssener. Gespielt wurde vier gegen vier, die Mannschaft von Marko Raita schien jedoch mental noch auf fünf gegen fünf eingestellt, schenkte dem Gegner viel zu viel Raum und verlor obendrein zweimal in der Vorwärtsbewegung die Scheibe.

Im Prinzip war bereits mit diesem Doppelschlag des Tabellenführers die Entscheidung gefallen. Auch wenn noch über 25 Minuten zu spielen gewesen wären. Zwar erarbeiteten die Füssener sich weitere hochkarätige Chancen. Doch entweder Gäste-Torhüter Jaroslav Hübl, ein ehemaliger tschechischer Nationalspieler, entschärfte die Versuche. Oder die Schwarz-Gelben zielten zu ungenau. Nicht umsonst belegen sie auch in der Schuss-Effizienz-Tabelle den letzten Rang der Liga.

Mehrfach zielte der EV Füssen gegen Weiden zu ungenau: Florian Simon scheitert hier knapp an Weidens Goalie Jaroslav Hübl
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Bild: Benedikt Siegert

Der EV Füssen hat weiterhin mit vielen Ausfällen zu kämpfen

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Eine Tatsache, mit der auch Raita nach dem Spiel haderte. Der Finne lobte seine Mannschaft für deren couragierten Auftritt. „Auch die Trainingswoche war gut, keiner gibt sich auf“, sagte der 41-Jährige. Verzichten müssen hatte der Coach erneut auf Andrei Taratukhin, also jenen Russen, auf dem die Füssener Hoffnungen in der Offensive beruht hatten. Jedoch bestritt der 38-Jährige bislang lediglich vier Spiele und fällt weiter aus. Auch die Verteidiger Max Dropmann und Jörg Noack sind bis auf weiteres nicht einsatzfähig. Aus finanziellen Gründen hatte Sportdirektor Andreas Becherer jedoch im AZ-Interview bereits Nachverpflichtungen ausgeschlossen.

Was womöglich Ansatz zur Hoffnung gibt, ist die Tatsache, dass sich die Füssener auch gegen den Tabellenführer nicht hängen ließen. Selbst nach dem 0:3 durch Tomas Rubes in der 46. Minuten steckten die Füssener nicht auf. Zählbares sprang freilich bis zum Schluss nicht mehr heraus.

Trotz Geisterspielen beim Profisport sind beim EV Füssen weiterhin Zuschauer erlaubt

Die nurmehr 48 Zuschauer, die sich ob der restriktiven Corona-Maßnahmen ins Stadion verirrt hatten, honorierten zumindest den Einsatz der Mannschaft. Nach der Schlusssirene spendeten sie aufmunternden Applaus. Immerhin eine gute Nachricht erreichte den Verein in diesem Zusammenhang: Entgegen erster Befürchtungen ist die Oberliga nämlich nicht von der Geisterspiel-Regelung der Bayerischen Staatsregierung für den Profisport betroffen. Aller Voraussicht nach können also auch künftig Fans ins Stadion, jedoch nur unter strengen Auflagen, geimpft oder genesen und getestet.