FC Memmingen - Fußball Regionalliga

Memmingens Trainer Adelmann tritt zurück - doch kommt das nicht zu spät?

Ist künftig nicht mehr Trainer beim FC Memmingen: Fabian Adelmann.

Ist künftig nicht mehr Trainer beim FC Memmingen: Fabian Adelmann.

Bild: IMAGO/nordphoto GmbH / Hafner

Ist künftig nicht mehr Trainer beim FC Memmingen: Fabian Adelmann.

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Zwei Spieltage vor Saisonende nimmt der stark abstiegsbedrohte FC Memmingen das Rücktrittsangebot von Trainer Adelmann an. Kommt das nicht zu spät?
11.05.2022 | Stand: 10:46 Uhr

Kracher-Meldung am Dienstagabend. Um 18 Uhr verkündete Fußball-Regionalligist FC Memmingen in einer Pressemitteilung, dass Trainer Fabian Adelmann dem stark abstiegsbedrohten Verein seine Vertragsauflösung angeboten hat – und Vorstand und Sportliche Leitung dieses Angebot auch angenommen haben. Die Nachricht wurde für die Medien noch mit einem Sperrvermerk bis 18.30 Uhr versehen, vermutlich, weil auch die Mannschaft und das nähere Umfeld erst am Abend informiert wurden.

FC Memmingen und Adelmann ziehen Reißleine

Adelmann und der FCM haben also die Reißleine gezogen. Beiden Seiten fehlte offenbar die Hoffnung, dass der Klassenerhalt in den zwei ausstehenden Spielen der Saison am kommenden Samstag zuhause gegen den 1. FC Nürnberg II (derzeit Platz 9) und eine Woche später beim FC Augsburg II (10.) noch geschafft werden kann.

Obwohl sich die Situation beim ranghöchsten Allgäuer Fußballklub schon seit vielen Wochen äußerst kritisch darstellt, wollte den Ernst der Lage niemand so recht erkennen. Man hörte Durchhalteparolen, schob die letzten schlechten Ergebnisse einmal mehr auf schlechte Schiedsrichterleistungen oder fehlendes Glück. Die blutleere Vorstellung am vergangenen Freitag bei der 0:3-Niederlage beim SV Wacker Burghausen hat offenbar doch so manchem FCM-Offiziellen die Augen geöffnet.

Und auch der stets beschwichtigende und Optimismus predigende Adelmann erkannte anscheinend die Ausweglosigkeit. In der Pressemitteilung wird er mit dem Satz zitiert: „Leider haben wir es aus unterschiedlichen Gründen nicht geschafft, die sportliche Situation kurzfristig positiver zu gestalten. Nun möchte ich der Mannschaft und dem Verein die Möglichkeit geben, noch einmal alle Kräfte zu bündeln, um die Regionalliga zu halten.“

FCM: Adelmann war erst im Januar gekommen

Wann Adelmann dem FC Memmingen das Rücktrittsangebot gemacht hat und wann Vorstand und Sportliche Leitung darüber beraten haben, darüber gab der Verein am Dienstag keine Auskunft – auch nicht auf Nachfrage unserer Redaktion. Fakt ist: Adelmann, der erst zum 1. Januar dieses Jahres das Amt von Esad Kahric übernommen hatte und der sich erst vor Wochenfrist mit seinem neuen Co-Trainer Bernd Maier gedanklich schon in der neuen Saison wähnte, bot jetzt eine vorzeitige Auflösung seines bis Sommer 2023 datierten Vertrages an, weil er wusste, dass der Klassenerhalt kaum mehr zu schaffen ist und er auch im Falle eines Abstiegs der falsche Mann für einen Neuanfang wäre.

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Kein Heimsieg unter FCM-Trainer Adelmann

Adelmanns Bilanz ist äußerst mager: In zwölf Spielen unter seiner Leitung verlor der FC Memmingen sieben Mal, erzielte vier Unentschieden und ging nur ein einziges Mal als Sieger vom Platz. 6:20 Tore zeigen das Dilemma der kurzen Adelmann-Ära: in der Verteidigung zu anfällig, im Sturm zu harmlos. Dem 30-jährigen Franken war vor dem kritischen Heimpublikum kein einziger Punktspiel-Sieg vergönnt.

Adelmanns Talfahrt von Rang zwölf auf jetzt Rang 18 wird in der Pressemitteilung nicht thematisiert. Kein Wort über die sportliche Misere, kein Wort der Kritik, nur Austausch von Höflichkeiten: Da dankt erst die Vereinsführung dem scheidenden Trainer. Vorsitzender Armin Buchmann wird so zitiert: „Fachlich und menschlich hat es für uns absolut gepasst. Wir bedanken uns bei Fabian für seinen Einsatz in den vergangenen Monaten, in der nicht leichten sportlichen Situation und wünschen ihm in jeder Hinsicht nur das Beste. Wir sind überzeugt, dass er mit seinen Qualitäten einen erfolgreichen Weg im Fußball gehen wird“.

Und auch Adelmann raspelt Süßholz. Erst dankt er für die „offenen und verständnisvollen Gespräche in dieser schwierigen Lage“ und dann dafür, dass er in seiner „kurzen Zeit beim FC Memmingen die Menschen hier sehr schätzen gelernt“ hat. Warme Worte, die nicht so ganz zur aktuellen und höchst bedrohlichen Lage des FCM passen. Nun soll der Sportliche Leiter Thomas Reinhardt das Unmögliche noch möglich machen.

Er wird in den verbleibenden zwei Spielen die Mannschaft übergangsweise übernehmen, so wie er es schon im Herbst nach der Absetzung von Esad Kahric getan hatte. Ziel ist es, in den letzten beiden Partien noch auf einen der beiden Relegationsplätze 16 oder 17 zu klettern. Zwei Punkte vor dem FCM ist die SpVgg Greuther Fürth platziert, drei Zähler davor der SC Eltersdorf. Beide haben nur noch jeweils ein Auswärtsspiel, allerdings bei Gegnern, für die es um nichts mehr geht: Eltersdorf beim bereits geretteten SV Heimstetten, Fürth beim bereits abgestiegenen SV Schalding-Heining. Will heißen: Dem FCM helfen zur Rettung vermutlich nur zwei Siege.

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