Fußball

Beim Kreistag geht es um die Zukunft des Fußballs im Allgäu

Fußball im Fokus: Beim Allgäuer Kreistag in Hawangen ging es um Weichenstellungen für die Zukunft.

Fußball im Fokus: Beim Allgäuer Kreistag in Hawangen ging es um Weichenstellungen für die Zukunft.

Bild: Dirk Klos

Fußball im Fokus: Beim Allgäuer Kreistag in Hawangen ging es um Weichenstellungen für die Zukunft.

Bild: Dirk Klos

Beim Kreistag in Hawangen tauschen sich Vereine und Funktionäre aus. Welche Schwerpunkte der Verband setzt und was es mit Werbung auf Hosen auf sich hat.
04.04.2022 | Stand: 11:01 Uhr

„Der Ball ist rund, und ein Spiel dauert 90 Minuten“ – die alte Fußball-Weisheit wird dem ehemaligen Bundestrainer Sepp Herberger zugeschrieben. An den zweiten Teil hielt sich der Allgäuer Kreisvorsitzende Karl Heinz Giegerich, was die Dauer des Fußball–Kreistages in Hawangen anging. Die zwei Minuten „Nachspielzeit“ der kurzweiligen Versammlung konnten die Vertreter aus 111 Allgäuer Fußballvereinen auch noch locker verschmerzen, denn wegen des Wintereinbruchs hielt sich die Zahl der Spiele am Sonntag in Grenzen.

  • Team bleibt zusammen Auf dem Kreistag wurden Karl Heinz Giegerich (Oberstaufen, Kreisvorsitzender), Elmar Rimmel (Kempten, Kreisspielleiter), Hermann Wißmiller (Marktoberdorf, Jugendspielleiter) und Kerstin Maier (Bad Bayersoien, Frauen- und Mädchenbeauftragte) einstimmig wiedergewählt. „Diese Kontinuität ist im Vergleich zu anderen bayerischen Kreisen schon eine Seltenheit“, sagte Giegerich. Kevin Mitchell (Rettenberg) wurde als Kreisschiedsrichter-Obmann bestätigt. Den Kreisausschuss komplettieren Peter Hofmann (Buchenberg), der als Kreisehrenamtsbeauftragter auf Dr. Peter Wassermann (Memmingen) folgt sowie Thomas Weigl (Wertingen), der Vorsitzende des Kreissportgerichts.
Karl Heinz Giegerich bleibt auch die nächsten vier Jahre Kreisvorsitzender des BFV im Allgäu.
Karl Heinz Giegerich bleibt auch die nächsten vier Jahre Kreisvorsitzender des BFV im Allgäu.
Bild: Matthias Becker
  • Drei Schwerpunkte im Allgäu In den kommenden Jahren setzen Giegerich und sein Team im Wesentlichen auf drei Schwerpunktthemen. Es geht um die Stärkung des Junioren- und Mädchenfußballs. Dabei spielt auch die anstehende Reform des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) eine Rolle, die unter dem Schlagwort „Mini-Fußball“ ab 2024 bundesweit gilt. Merkmale der Reform im Nachwuchsbereich (U 6 bis zur U 11) sind: Kleinere Spielfelder, kleinere Tore, kleinere Mannschaften, keine Torhüter mehr, kein Kopfballspiel. Außerdem geht es darum, dem Rückgang der Mannschaftsmeldungen sowohl im Jugend- als auch im Erwachsenenbereich entgegenzuwirken. „Hier spielen neue Spielformen wie das Flex-Modell eine Rolle. Grundsätzlich ist Kreativität gefordert, natürlich unter Einbindung der Vereine“, sagte Giegerich. Der dritte Punkt betrifft das Schiedsrichterwesen. Zu oft fehle es gegenüber den Unparteiischen an Respekt, zudem bereite die sinkende Zahl an Schiedsrichtern Sorgen.

BFV-Präsident Rainer Koch meldet sich per Videobotschaft

  • Verbandschef auf Video Wie schon bei den vorangegangenen Kreistagen in Bayern war Rainer Koch, Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) auch in Hawangen nicht persönlich anwesend. Stattdessen wurde eine Video-Botschaft des 63-Jährigen eingespielt. Kernbotschaft: „Digitalisierung, Diversität und Nachhaltigkeit sind die großen Themen. Wir können es uns auf Dauer nicht erlauben, Frauen und Mädchen außen vor zu lassen. Wir müssen sie mit auf die Reise nehmen, Fußball muss heutzutage Familiensport sein.“

Wie stehen die Allgäuer Vereine zu Trikotwerbung auf Hosen?

  • Trikotwerbung auf Hosen Bis zum 18. April können die Allgäuer Vereine online ihre Meinung zu zwei Themen abgeben, die möglichen Reformen im Spielbetrieb betreffen. Zum einen geht es um die „Zulässigkeit von Werbung auf Hosen und Trikotrückseite“, zum anderen um die „Abschaffung der Auswärtstorregel“. Die sogenannten „Meinungsbilder“ wurden auch schon auf den Kreistagen in den Jahren 2010, 2014 und 2018 abgefragt.
  • Allgäuer beim Bezirkstag 37 Delegierte vertreten den Kreis Allgäu beim Bezirkstag am 22. April in Neusäß. Dort wird voraussichtlich das bayernweite Ergebnis der Meinungsabfrage zu Hosenwerbung und Auswärtstorregel präsentiert. Von den 37 Delegierten müssen mindestens 20 Prozent Frauen sein sowie mindestens zehn Prozent unter 30 Jahren. In seiner Rede bekräftige der Bezirksvorsitzende Christoph Kern: „Der Fokus liegt auf der Nachwuchsarbeit. Wir müssen mehr Jungen und Mädchen für Fußball begeistern.“ In Neusäß soll zudem Matthias Hennicke (Immenstadt) als neuer Bezirksspielleiter bestätigt werden.
  • Antrag aus Auerbach Lediglich ein Vereinsantrag wurde beim Kreistag diskutiert. Der FC 98 Auerbach regte an, dass analog zu B- und C-Juniorinnen auch D-Juniorinnen in einer jüngeren Altersklasse mit Juniorenteams (in diesem Fall bei den E-Junioren) spielen dürfen. In den Spielklassen für Mädchen-Mannschaften seien die Fahrtstrecken zunehmend „extrem weit“. Die Delegierten des Kreistags sprachen sich mehrheitlich (77,7 Prozent) für den Antrag aus. Der Antrag wird beim Bezirkstag erneut aufgegriffen, die Entscheidung liegt letztlich beim Verband.
  • Verband unterstützt Oberbeuren Beim Kreistag überreichten Giegerich und BFV-Vizepräsident Reinhold Baier einen Scheck der BFV-Sozialstiftung in Höhe von 10.000 Euro an Uwe Seidel, Vorsitzender des TSV Oberbeuren. Damit unterstützt der Verband den Klub aus Kaufbeuren, dessen Vereinsheim Ende Februar 2021 nach einer Gasexplosion komplett zerstört worden war. „Wir müssen für den Bau des neuen Vereinsheimes 500.000 bis 600.000 Euro selber investieren“, sagte Seidel. Die Explosion hat einen Schaden von mehr als einer Million Euro verursacht. Der Spatenstich für das neue Vereinsheim könnte – wenn alles nach Plan läuft – im Frühjahr 2023 erfolgen.

Fußball im Allgäu: Kinder aus der Ukraine in Allgäuer Vereinen

  • Pässe für Geflüchtete Kurz vor Ende des Kreistags gab es eine Frage aus aktuellem Anlass, nämlich zu Spielberechtigungen für ukrainische Kinder, die in Allgäuer Vereinen Fußball spielen wollen. Kern verwies in diesem Zusammenhang auf die Passabteilung des Verbandes. Dort heißt es: „Aus der Ukraine geflüchtete Kinder und Jugendliche können sofort am Trainingsbetrieb teilnehmen, auch ohne Vereinsmitgliedschaft. Für einen Spielerpass ist eine Vereinsmitgliedschaft erforderlich, dazu das Ausweisdokuments des Spielers und der Wohnortnachweis mindestens eines Elternteils.

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