Wintersport

Zoff im Skiverband: Manche vergleichen Präsident Eliasch mit Donald Trump

Fis-Präsident Johan Eliasch tut nach der Skandal-Abstimmung von Mailand so, als sei nichts passiert. Er spricht von 100 Prozent Unterstützung, dabei boykottierten 47 von 117 Delegierten die Wahl, weil ein „Nein“ bei der Stimmabgabe nicht möglich war. Nun beschäftigt sich eine Reihe von Juristen mit einer Anfechtung der Wahl.

Fis-Präsident Johan Eliasch tut nach der Skandal-Abstimmung von Mailand so, als sei nichts passiert. Er spricht von 100 Prozent Unterstützung, dabei boykottierten 47 von 117 Delegierten die Wahl, weil ein „Nein“ bei der Stimmabgabe nicht möglich war. Nun beschäftigt sich eine Reihe von Juristen mit einer Anfechtung der Wahl.

Bild: dpa/Michael Kappeler

Fis-Präsident Johan Eliasch tut nach der Skandal-Abstimmung von Mailand so, als sei nichts passiert. Er spricht von 100 Prozent Unterstützung, dabei boykottierten 47 von 117 Delegierten die Wahl, weil ein „Nein“ bei der Stimmabgabe nicht möglich war. Nun beschäftigt sich eine Reihe von Juristen mit einer Anfechtung der Wahl.

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Die Wiederwahl des Briten Eliasch beim Fis-Kongress hat aller Voraussicht nach ein gerichtliches Nachspiel. Heftige Vorwürfe kommen auch von einem Allgäuer.
04.06.2022 | Stand: 05:00 Uhr

Die Großwetterlage im internationalen Skisport ist bedrohlich. Seit Wochen schon zieht ein atmosphärischer Tiefausläufer nach dem anderen über die bislang als einträchtig gepriesene internationale Skifamilie hinweg. Den Grund für Blitz und Donnergroll zwischen dem Weltskiverband Fis und den größten nationalen Mitgliedsverbänden liefert ausgerechnet der mächtige Präsident Johan Eliasch, der erst vor einem Jahr ins höchste Amt des Skisports gewählt wurde – als Nachfolger von Gian-Franco Kasper, der nur 35 Tage nach seinem Rücktritt mit 77 Jahren gestorben ist. Der betagte Schweizer hatte den Verband 23 Jahre lang geführt, ruhig, ohne große Skandale, aber am Ende seiner Amtszeit auch wenig fortschrittlich. Da verwunderte es kaum, dass sich der gebürtige Schwede Eliasch als Quereinsteiger gleich gegen drei Mitbewerber im ersten Wahldurchgang durchsetzte. In seinem zehnminütigen Bewerbungsvideo fuhr der 60-jährige Chef des Sportartikelherstellers Head mit einem geschätzten Vermögen von 600 Millionen US-Dollar nicht nur den britischen Premier Boris Johnson oder Lindsey Vonn und Franz Klammer als Unterstützer auf, sondern pries sich auch selbst an – als Ärmelhochkrempler und Reformer mit besten Kontakten in die Wirtschaft. Auch in Sachen Kommunikation und Transparenz wolle er neue Wege gehen. Stefan Schwarzbach aus Betzigau bei Kempten ist Vorstandsmitglied im Deutschen Skiverband und blickt ernüchtert zurück: „Uns wurde vor einem Jahr in den schillerndsten Farben ein gut aufgestellter und moderner Verband versprochen. Jetzt müssen wir feststellen: Das ist finsteres Mittelalter, sowohl was die Kommunikation als auch die Verbandsführung angeht.“

Allgäuer Schwarzbach spricht von einer "Farce"

All die dunklen Wolken hätten sich dann beim Fis-Kongress vor gut einer Woche in Mailand verziehen sollen. Erstmals nach der Pandemie kam man weit oben in einem gläsernen, 200 Meter hohen Büroturm in Präsenz zusammen, Eliasch schwadronierte von einer „leuchtenden Zukunft“ des Skisports und „grenzenlosem Wachstum“. Als es dann aber zu seiner Wiederwahl kam, entlud sich alles in einem schweren diplomatischen Gewitter. Trotz zahlreicher Einwände, vor allem vom Kroaten Vedran Pavlak vorgetragen, beharrten Eliasch und Wahlleiter Stephan Netzle, Rechtsberater der Fis aus der Schweiz, darauf, dass man bei der Wahl ums Präsidentenamt nur mit „Ja“ stimmen oder sich eben enthalten könne. Es begann unruhig zu werden im Saal, Pavlak kündigte an, unter diesen Umständen nicht abstimmen zu wollen, und verließ den Saal. Diesem Boykott schlossen sich zahlreiche Delegierte an, auch die der großen Verbände aus Skandinavien, der Schweiz, Österreich und Deutschland. „Eine Wahl, bei der nur mit Ja abgestimmt werden kann, deckt sich nicht mit unserem Rechtsverständnis und ist schlichtweg eine Farce“, bekräftigt Schwarzbach im Gespräch mit unserer Redaktion.

Im Fis-Vorstand hat Eliasch die geringste Stimmenzahl

Gewählt wurde dann trotzdem. Mit 56 Prozent Zustimmung geht Eliasch in seine zweite Amtszeit, unterstützt von Ghana, dem Libanon und Costa Rica. Mit 70 von 115 Stimmen hat ausgerechnet der Mann, der vorangehen soll, im sogenannten Council, dem 19-köpfigen Fis-Vorstand mit vier Frauen und 15 Männern, das schlechteste Ergebnis. Die Neuseeländerin Fiona Stevens kam als 19. mit 78 Stimmen gerade noch so ins Council, erhielt aber acht Stimmen mehr als Eliasch. DSV-Präsident Franz Steinle, zuletzt zusammen mit dem Norweger Erik Roeste noch Stimmenkönig, bekam diesmal nur 92 Stimmen. Für Schwarzbach ein Indiz, dass im Hintergrund gegen die großen Verbände opponiert wurde. Wegen seiner Taktik, seines Kalküls und seiner offensichtlichen Machtdemonstrationen, schreibt Die Zeit, hätten einige Funktionäre Eliasch hinter vorgehaltener Hand als Donald Trump des Skisports bezeichnet.

Lesen Sie hier unseren Bericht vom Juni 2021: Skiverband bleibt ein Männerklub.

Am Freitag schalteten sich Deutscher, Schweizer und Österreichischer Skiverband noch einmal in größerer Runde zusammen, dabei eine Reihe von Juristen, die die Chancen einer Wahlanfechtung sorgfältig prüfen sollten. Schwarzbach verriet nur so viel: „Um die letzten Details zu klären und weitere Rückmeldungen von anderen nationalen Verbänden einholen zu können, benötigen wir noch ein paar Tage.“ Dennoch habe sich an der ersten Einschätzung der Anwälte nichts geändert, wonach die Wahl mit Blick auf das Schweizer Vereinsrecht als „nicht korrekt“ eingestuft wird.

Eliaschs Ziel ist die Zentralvermarktung

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Schwarzbach will es nicht vorwegnehmen, doch in Insiderkreisen ist klar: Den Eliasch-Kritikern bleibt jetzt gar nicht anderes mehr übrig, als die Wahl anzufechten, auf eine neue Abstimmung zu drängen – und eventuell einen Gegenkandidaten zu präsentieren. Denn obwohl sich alle einig seien, dass Eliaschs hochtrabenden Pläne einer Zentralvermarktung nach dem Vorbild der Formel I oder des Tennissports „gar nicht so verkehrt seien“, gäbe es laut Schwarzbach auch eine breite Übereinstimmung, dass „die Art und Weise, wie man mit den Mitgliedsverbänden umgeht, nicht passe. Die Arbeit in der Fis kann nicht von einer einzelnen Person oder seinem Statthalter, dem Generalsekretär, im Alleingang gemacht werden.“

Eliaschs uneinsichtiges Verhalten beim Kongress hätte vielen die Augen geöffnet. Die stürmischen Wochen im Skisport gehen also weiter.