TG Allgäu

Turnen: Alles weit weg von der Normalität

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Trainieren dürfen die Turner der TG Allgäu seit gut einer Woche wieder – allerdings mit strengen Hygieneauflagen. Daher gehört das Desinfektionsspray mittlerweile zu den wichtigsten Utensilien.

Bild: Uli Benker

Trainieren dürfen die Turner der TG Allgäu seit gut einer Woche wieder – allerdings mit strengen Hygieneauflagen. Daher gehört das Desinfektionsspray mittlerweile zu den wichtigsten Utensilien.

Bild: Uli Benker

Die Saison in der Turn-Bundesliga soll im Herbst in verkürzter Form stattfinden. Warum sich die TG Allgäu dagegen sträubt und einen offenen Brief schreibt.

01.07.2020 | Stand: 06:30 Uhr

Drei Monate Zwangspause sind vorüber. Vergangene Woche durften die Turner der TG Allgäu endlich wieder zurück. Zurück in die Sporthalle, zurück an die Geräte. Und dennoch sind sie noch weit davon entfernt, von Normalität sprechen zu können. „Wir in Bayern waren die Letzten, die wieder ran durften. In anderen Bundesländern wird schon längst wieder trainiert“, moniert TGA-Präsident Uli Benker. Zumal noch immer nicht alle Teammitglieder regelmäßig an ihren Übungen feilen können. Diejenigen, die beispielsweise in München studieren, dürfen dort wohl frühestens im August in die Turnhallen, weil diese bislang lediglich für den dortigen Vereinssport geöffnet wurden. Probleme, die Benker auch aus der Region kennt, denn die TGA ist nur Mieter in den umliegenden Sportstätten. Er spricht daher von „großem Trainingsrückstand“. Die TGA hat seit Kurzem zumindest in Durach, Marktoberdorf und Wiggensbach die Möglichkeit, sich zum Training treffen zu dürfen. Doch auch das unterliegt strengen Hygiene- und Kontaktvorschriften.

Am 10. Okotber soll die verkürzte Saison losgehen 

Den Verantwortlichen der Deutschen Turn-Liga (DTL) scheint das egal zu sein. Sie planen zwar eine verkürzte Saison mit geändertem Modus, aber sie halten auch daran fest, die Runde 2020 auszutragen. Komme, was wolle. Am 10. Oktober soll’s losgehen. Dann werden allerdings nur vier statt acht Mannschaften um die Punkte an sechs verschiedenen Geräten kämpfen. Die Nord- und die Süd-Staffel sollen jeweils in eine A- und B-Gruppe unterteilt werden. Es wird spekuliert, dass die bayerischen Teams TG Allgäu, Exquisa Oberbayern, TSV Nördlingen und TSV Buttenwiesen eine Gruppe bilden, der TSV Pfuhl sowie die Mannschaften aus Baden-Württemberg (TG Hanauerland, VfL Kirchheim, TV Schiltach) die andere. Einen Absteiger soll es im Jahr der Corona-Pandemie nicht geben, Lizenzgebühren müssen von den Zweitligisten an die DTL trotzdem bezahlt werden. Das bringt den Großteil der Klub-Verantwortlichen auf die Palme. Auch Benker schüttelt den Kopf und sagt: „Nein, da werden wir auf keinen Fall mitmachen.“

Benker will sich "gegen den Ligastart wehren"

Die TGA nimmt in der Diskussion um die neue Saison eine führende Rolle ein. Benker hat zusammen mit Mannschaftsführer Florian Schreiber einen offenen Brief an die DTL-Führung verfasst, samt Fragekatalog. „Uns sind einfach noch zu viele Punkte offen – von der Haftung bis zum Finanziellen. Unter diesen Umständen werden wir uns gegen einen Ligastart wehren“, sagt Benker. In dem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt, heißt es unter anderem: „Wir haben nicht nur das Problem, dass wir dieses Jahr mit deutlich weniger Sponsoringeinnahmen und Zuschüssen auskommen müssen, sondern vermuten nach aktuellem Stand bei einer Durchführung von Heimwettkämpfen enorme Einbußen.“ Benker erläutert gegenüber der AZ, dass beispielsweise auch nicht klar ist, ob überhaupt Zuschauer zugelassen sein werden. Die TG Allgäu sei allerdings zwangsläufig auf solche Einnahmen – auch aus dem Catering in der Halle – angewiesen, „da wir uns nur so refinanzieren können“.

Kemptener sind mit dem Schreiben aus der DTL-Zentrale nicht zufrieden

Weitere Fragen an die DTL lauten: Muss der Verein sicherstellen, dass die Sportler gesund sind? Wie ist es mit der rechtlichen Haftung bei Wettkämpfen? Was geschieht, wenn einer der Trainer, Betreuer, Turner oder Zuschauer sich bei uns auf einem Wettkampf mit Covid-19 ansteckt, erkrankt und rechtlich klagt? Benker: „Als Vorsitzende des Vereins stehen wir voll in der Haftung und unseres Erachtens gibt es da keine Absicherung.“

Antwort haben die Kemptener umgehend erhalten. Allerdings sind sie mit dem Schreiben aus der DTL-Zentrale in Heilbronn nicht zufrieden. Denn auf die angesprochenen Probleme bei der TGA wird nicht konkret eingegangen. Vielmehr heißt es zum Beispiel: „Eine Ansteckungs- oder Verletzungsgefahr bestand schon immer und es wird sie auch nach dieser Pandemie geben.“ Es stehe, wie in all den Jahren zuvor, jedem Turner, Trainer oder Betreuer frei, an einem Wettkampf teilzunehmen – oder eben nicht. Benker: „Es ist ja nicht so, dass wir nicht turnen wollen. Aber wir hätten vor einem möglichen Start gerne noch mehr Infos und Hilfestellungen seitens des Verbands.“