Breitensport

TV Kempten blickt sorgenvoll in die Zukunft

Die Geschäftsstelle des Turnvereins Kempten ist weiterhin geöffnet. Präsident Roland Lowinger (links) kümmert sich zusammen mit Sandra Ochsenbauer (Mitte) und Hilde Weigelt um das Wohl des Vereins und die Anliegen der Mitglieder.

Die Geschäftsstelle des Turnvereins Kempten ist weiterhin geöffnet. Präsident Roland Lowinger (links) kümmert sich zusammen mit Sandra Ochsenbauer (Mitte) und Hilde Weigelt um das Wohl des Vereins und die Anliegen der Mitglieder.

Bild: Ralf Lienert

Die Geschäftsstelle des Turnvereins Kempten ist weiterhin geöffnet. Präsident Roland Lowinger (links) kümmert sich zusammen mit Sandra Ochsenbauer (Mitte) und Hilde Weigelt um das Wohl des Vereins und die Anliegen der Mitglieder.

Bild: Ralf Lienert

Sorgenvoll blickt Präsident Roland Lowinger auf die Mitgliederzahlen des TV Kempten. Der Großverein befinde sich zwischen Krise und natürlicher Fluktuation.
15.01.2021 | Stand: 19:00 Uhr

„Die Corona-Krise kostet uns viel Geld“, sagt Roland Lowinger (72), Präsident des TV Kempten. „Kurse wie Pilates oder Rücken-Gymnastik nur, um zwei zu nennen, fallen aus“, konkretisiert er. Turnhallen und das vereinseigene Fitnessstudio stehen leer, da sie nicht genutzt werden dürfen, müssen aber unterhalten werden. Die Angestellten, zum Teil zwar in Kurzarbeit, bekommen weiterhin ihr Geld. Die Geschäftsstelle bleibt geöffnet.

Hunderte Kündigung aufgrund der Corona-Pandemie

Lowingers Aufzählung geht weiter. Er spricht von „hunderten Kündigungen von Mitgliedern“ aufgrund der kritischen Phase, die viele Menschen auch finanziell hart trifft. Der Präsident rechnet zudem mit Rückforderungen aus dem Spartenbeitrag (nicht Mitgliedsbeitrag), die auf den Verein zukommen könnten. Er meint: „Das bereitet mir große Sorge.“

Mit knapp 4800 Mitgliedern ist der TVK im Jahr 2019 einer der größten Vereine in Schwaben gewesen. „Wie viele Sportbegeisterte noch geblieben sind, kann ich im Moment nicht sagen“, meint Lowinger. Die Zahlen für 2020 liegen noch nicht vor, weil in der Geschäftsstelle nach dem Weihnachtsurlaub erst seit Kurzem wieder gearbeitet wird. Genau werde man das wohl erst im Februar wissen. Lowinger glaubt aber: „Es dürfte ernüchternd sein.“

Krise oder normale Fluktuation? Lowinger: "Von beidem etwas"

Befindet sich der TVK in einer Krise oder handelt es sich um eine halbwegs normale Fluktuation in dieser kritischen Zeit? „Es ist von beidem etwas“, sagt Lowinger. „Es würde nicht der Wahrheit entsprechen, wenn ich sage, dass es nur mit Corona zu tun hat. Diese Ausrede wird aktuell ja oft hergenommen. Jeder Verein unterliegt einer natürlichen Fluktuation, das ist aber von Corona nicht strikt zu trennen.“ So habe sich der Verein schon vor der Pandemie von der Parkour-Abteilung mit etwa 80 Mitgliedern getrennt. Ende 2019 war das. Das habe unter anderem logistische Gründe gehabt. Der Auf- und Abbau der Anlagen sei sehr aufwändig gewesen. „Und ich wollte auch die Verantwortung nicht tragen, wenn mal was passiert“, sagt Lowinger. Er sehe eine erhöhte Verletzungsgefahr in dieser Sportart. Der Verein sei zwar versichert, „aber ich habe auch eine moralische Verantwortung“. Diesen Zwiespalt wolle er nicht eingehen. Soweit er wisse, wollen die Parkour-Sportler beim TSV Kottern unterkommen.

Es fehlt an Übungsleitern

Ein Problem sehe er jedoch in der Leichtathletik-Abteilung, die früher das Aushängeschild des Vereins war. Großen Anklang fanden damals die legendären Sportfeste. Unter anderem kam Verena Seiler vom TVK, die später Europameisterin über 100 Meter wurde. Von dieser Historie ist der Verein aktuell weit entfernt. „Wir suchen Übungsleiter“, sagt Lowinger. Das Engagement im Ehrenamt werde immer weniger; was aber nicht nur auf den TVK zutrifft. Lowinger: „Ohne Übungsleiter keine Angebote. Wir können nicht noch zusätzlich Geld reinbuttern.“

Kunstturnerinnen - das Aushängeschild des Vereins

Lowinger sieht aber nicht nur Probleme in seinem Verein. Er freut sich über die Kunstturnerinnen, die aktuell das Aushängeschild sind. „Das ist ein Selbstläufer“, sagt er. Auch der TGM/TGW-Sport im Verein laufe gut. Von einem gegenteiligen Gerücht wisse er nichts.

Lowinger, der am 1. Oktober 2019 den Posten des Präsidenten im TVK übernommen hat, sieht der Zukunft positiv entgegen. Es sei zwar nicht alles rosig. Aber der Vorsitzende meint: „Es liegt viel Arbeit vor uns. Es wird dauern, diese Löcher zu füllen. Ich bin optimistisch. Es liegt an uns, in schlechten Zeiten in die Köpfe der Leute zu kommen und auf uns aufmerksam zu machen.“