Sogar bei WM und EM!

Volltreffer! Diese Allgäuer Geschwister räumen beim Dart ab

Die 16-jährige Christina (links) und die 17-jährige Denise aus Buchloe gehören zu Deutschlands größten Dart-Talenten!

Die 16-jährige Christina (links) und die 17-jährige Denise aus Buchloe gehören zu Deutschlands größten Dart-Talenten!

Bild: Marlene Marz

Die 16-jährige Christina (links) und die 17-jährige Denise aus Buchloe gehören zu Deutschlands größten Dart-Talenten!

Bild: Marlene Marz

Mitten ins Bull's Eye. Für die Buchloer Schwestern Christina (16) und Denise (17) Schuler ist das kein Problem. Sie sind extrem erfolgreich im Dart-Sport, Christina ist sogar Weltmeisterin (!) im Doppel. Dart gilt als Trendsportart, der Hype ist längst auch in Deutschland angekommen. Wie die Schwestern aus dem Ostallgäu so erfolgreich wurden und warum Dart viel mehr als ein Kneipensport ist, verraten sie im allgaeu.life-Interview.
Von Marlene Marz
19.03.2018 | Stand: 12:30 Uhr

Ich muss gestehen, ich habe keine Ahnung von Dart. Wie seid Ihr zu diesem Sport gekommen?
Christina: Durch unsere Eltern. Sie spielen Dart seit sie 16 sind.

Ihr seid also eine dartverrückte Familie?
Christina: Ja, Unsere Mutter hat früher Jugendarbeit gemacht und hat einen Trainerschein für Dart, spielt aber nicht mehr aktiv. Unsere große Schwester Daniela spielt auch noch bei den DC Blackbirds Kelheim.
Denise: Unser Vater spielt im Verein beim DJK Lechhausen in Augsburg und E-Dart in Buchloe. Das E-Dart ist aber mehr der Kneipensport.

Ohne Fleiß kein Preis: Christina beim Training an der Dartscheibe bei sich zuhause in Buchloe.
Ohne Fleiß kein Preis: Christina beim Training an der Dartscheibe bei sich zuhause in Buchloe.
Bild: Marlene Marz

Worin bestehen dann die Unterschiede zum professionellen Sport?
Christina: In der Kneipe spielst du einfach nur so, bei den Turnieren muss man sich schon konzentrieren, dass man gescheit wirft.
Denise: Wenn man Leistung bringen möchte, muss man sich konzentrieren. Das ist dann kein Freizeitsport mehr.

Wie reagieren die Leute, wenn Ihr von Eurem Sport erzählt?
Denise: Bei Leuten, die wir nicht kennen, ist die erste Frage immer „Was ist das?“. Aber wenn wir es erklären, wissen sie es schon. Die meisten kennen Dart als Kneipensport.

Wann habt ihr begonnen?
Denise: Wir haben beide mit 10 angefangen, spielen also schon fast sieben Jahre. Bis ich 8 oder 9 war, habe ich Fußball gespielt.
Christina: Ich habe auch schon als Kind manchmal Dart gespielt.

Dart wird auch in Deutschland immer populärer, was fasziniert Euch an diesem Sport?
Denise: Die Leute. Manche fahren nur noch wegen der Leuten auf die Turniere, weil es mit denen Spaß macht. Man kann nicht sagen, dass man nur befreundet ist, die Jugendlichen sind irgendwie zusammengewachsen wie eine riesige Familie. Wir halten zusammen.
Christina: Man kommt auch mal spontan in andere Städte und Länder, wenn man sich fürs Nationalteam qualifiziert.
Denise: Aber die Hauptsache ist der Spaß. Für viele geht es gar nicht so sehr ums spielen, als darum, Spaß zu haben.

Ihr seid national und international erfolgreich. Was waren bisher Eure größten Highlights und wie haben Freunde und Bekannte reagiert?
Christina: Ich war zwei Mal Vize-Europameisterin, 2015 Vize-Weltmeisterin und Weltmeisterin im Doppel in der Türkei. Ich hab' das anfangs gar nicht so realisiert. Das war voll krass. Alle waren sehr stolz und meinten „Du hast es geschafft“. Besonders meine Lehrerin.
Denise: Ich bin zweifache Deutsche Meisterin bei den Juniorinnen. Aber die Konkurrenz wird mittlerweile weniger, weil alle 18 werden. Obwohl Dart populärer wird, spielen das eher die älteren Leute und weniger Mädchen. Bei den Juniorinnen könnte man schon sagen, dass wir fast außer Konkurrenz sind. Meine Freunde waren auch stolz. Aber wir sind so oft unterwegs, dass wir kaum Zeit für Freunde haben. Das Dart gehört schon zum Leben dazu. Es ist mehr als ein Hobby.

Wie lange müsst Ihr dafür trainieren?

Paradiesvogel Peter Wright aus Großbritannien ist das Vorbild von Denise Schuler.
Paradiesvogel Peter Wright aus Großbritannien ist das Vorbild von Denise Schuler.
Bild: Gregor Fischer/dpa

Denise: Zwei Stunden am Tag, wenn ich dazu komme. Man kann Trainingspläne machen oder gegen den Computer spielen. Man muss auch ins Fitnessstudio gehen, um auch den anderen Arm zu trainieren und um fit zu sein. Ein Dart Turnier kann schon mal acht Stunden und länger dauern!

Ihr seid für den Sport viel unterwegs, wie bekommt ihr Sport und Schule/Ausbildung unter einen Hut?
Denise: Urlaub! Viel Urlaub nehmen. Ich mache eine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik. Deshalb hören auch die meisten auf, wenn sie 18 sind. Um ihre Ausbildung oder ein Studium zu machen.
Christina: Ich gehe noch in die Schule. Ich bekomme frei, wenn ich eine Bescheinigung vom Dartverband zeige, muss aber alles nachholen.

Jedes zweite Wochenende ein Turnier

In Großbritannien sind erfolgreiche Spieler Stars und werden geradezu vergöttert, könnt Ihr Euch das auch in Deutschland vorstellen?
Denise: Ich nicht so wirklich. In England denkt man, man hat Dart erfunden, obwohl das nicht stimmt. England ist aber fast die Heimat vom Dart. In jeder Kneipe, Lokal oder Hotel hängt eine Dartscheibe. Da ist auch eine Weltmeisterschaft, für die man sich qualifizieren muss. Das einzige große Turnier in Deutschland ist in Bochum, ein Weltranglistenturnier. In England oder Holland, da gibt es auch Jugendtraining fürs Nationalteam. Die Jugend wird dort mehr gefördert.
Christina: Dieses Wochenende fahren wir nach Sylt auf ein deutsches Turnier, wie mindestens jedes zweites Wochenende. Da müssen wir Zug und Übernachtung selber zahlen.

Habt Ihr Vorbilder im Dartsport?
Denise: Bei mir ist es Peter Wright, den nennt man auch „Snakebite“ oder den Paradiesvogel. Der ist in den Top-10 der Weltrangliste. Er ist sehr ruhig und regt sich nicht so leicht auf, man kann viel von ihm lernen.
Christina: Bei mir ist es mein Schwager Michael Unterbuchner. Er ist sehr erfolgreich im Dart. Er ist dieses Jahr Dritter bei einem BDO-Turnier geworden, der British Darts Organisation. Ich mag seine Spielweise, er ist ein sehr gelassener Spieler.

Wie sieht es mit Euren Zukunftsplänen aus?
Denise: Ich werde etwas kürzertreten und nur noch in Bayern Turniere spielen, wegen der Arbeit und der Schule. Da komme ich besser hin und dann hab ich auch normalen Urlaub, weil die Dart-Turniere sehr anstrengend sind. Wenn ich die Ausbildung fertig habe, werde ich mal schauen, da lege ich mich noch nicht fest.
Christina: Ich denke, dass ich die deutschen Turniere nicht mehr anfahre, aber mit meiner Schwester und meinem Schwager die WDF und BDO-Turniere bestreite. Das sind Weltranglistenturniere, da ist mehr Konkurrenz. Irgendwann gibt es auch Geld. Ich mag mein Geld schon durch Arbeit verdienen, aber es wäre trotzdem schön. Ich mache dann eine Ausbildung oder ein Freiwilliges Soziales Jahr, aber das ist noch nicht sicher, da überlege ich noch.