Leichtathletik

Warum Hammerwerfer Tristan Schwandke sagt: "Dieses Jahr war Gold wert!"

Die sonnig-lauen Herbsttage nutzt Tristan Schwandke, um zuhause in Bad Hindelang weiter zu trainieren. Bis zu zehn Einheiten pro Woche stehen auf dem Programm, um für die Olympia-Qualifikation gerüstet zu sein.

Die sonnig-lauen Herbsttage nutzt Tristan Schwandke, um zuhause in Bad Hindelang weiter zu trainieren. Bis zu zehn Einheiten pro Woche stehen auf dem Programm, um für die Olympia-Qualifikation gerüstet zu sein.

Bild: Daniel Kopatsch

Die sonnig-lauen Herbsttage nutzt Tristan Schwandke, um zuhause in Bad Hindelang weiter zu trainieren. Bis zu zehn Einheiten pro Woche stehen auf dem Programm, um für die Olympia-Qualifikation gerüstet zu sein.

Bild: Daniel Kopatsch

Der amtierende deutsche Meister aus Hindelang hat in der coronabedingten Wettkampfpause an Kraft und Technik gearbeitet. Jetzt hat Tristan Schwandke die Olympischen Spiele 2021 im Blick.
11.11.2020 | Stand: 19:39 Uhr

In welchem Alter ist ein Sportler besonders leistungsfähig? Wann ist er im wahrsten Sinne des Wortes reif für Bestleistungen? „Das ist mit Sicherheit von Sportart zu Sportart anders. Bei uns Hammerwerfern liegt das ideale Alter zwischen 28 und 32 Jahren“, sagt Tristan Schwandke. Der Hindelanger ist demnach mit seinen 28 Jahren gerade auf dem Sprung auf die große internationale Bühne. Rein in den Kreis der Routiniers. Denn im Hammerwurf kommt es vor allem auf Erfahrung an.

Mit Geduld und Leidenschaft

„Man muss die Physik des Systems verstehen und genügend Zeit haben, mit sauberen Mitteln die nötige Kraft aufzubauen. Daher sind die Besten der Welt eigentlich verhältnismäßig alt“, meint er. Schwandke blickt daher auch nicht mit Groll auf die Corona-Saison mit all ihren Einschränkungen und Absagen zurück. Im Gegenteil. Er sagt: „Dieses Jahr war im Hinblick auf die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2021 Gold wert.“ Körperlich habe er zugelegt, technisch sei er noch besser geworden. Hinter dieser Entwicklung stecken ein langfristiger Plan, Geduld und Leidenschaft für seine Disziplin. Er geht noch weiter. Seine These: „Vielleicht hätte ich Würfe im Training auf 75 und 76 Meter gar nicht gepackt, wenn es Corona nicht gegeben hätte. Dann wäre ich im Mai schon in einem anderen Modus gewesen und von Wettkampf zu Wettkampf gezogen. Darunter leidet dann normalerweise die Technik.“

Deutscher und bayerischer Meister 2020

Nur vier Mal ging es für den Allgäuer heuer um Podestplätze. Im Sommer startete er bei zwei Meetings, bei der deutschen Meisterschaft in Braunschweig verteidigte Schwandke im August seinen Titel mit einem Wurf auf 70,85 Meter. Bei der „Bayerischen“ reichte ihm Anfang Oktober ein Versuch auf 68,07 Meter. Hinter seiner persönlichen Bestmarke von 74,03 Meter aus dem Jahr 2019 blieb er heuer zurück. Ein Grund könnte eine Rückenverletzung gewesen sein, die ihn bis in den Herbst ausbremste. Jetzt ist Zeit, die Wehwehchen auszukurieren. „Es geht darum, die Balance in der Belastung zu finden. Ganz werde ich die Rückenprobleme nicht verhindern können, da das Training eigentlich immer eine Überbelastung ist. Ich muss aber herausfinden, welche Übungen Probleme machen und entsprechend dosiert werden müssen“, sagt Schwandke. Denn in das Jahr 2021 will er in Top-Form starten. Schließlich geht es um die Teilnahme an den Olympische Sommerspielen in Tokio.

Auch als Deutschlands Bester muss er sich qualifizieren

Der Quali-Zyklus beginnt bereits im Dezember. Und selbst der amtierende deutsche Meister muss im Vorfeld abliefern, um sich den großen Olympia-Traum überhaupt erfüllen zu können. Dass die Spiele stattfinden, daran zweifelt der 28-Jährige nicht. Er meint: „Wenn es jemand schafft, dann die Japaner. Ich plane die Saison so, als würde sie ganz normal stattfinden.“ Er rechnet aber auch mit außergewöhnlichen Maßnahmen für die Sportler, etwa einer Quarantäne im Olympischen Dorf in den Tagen vor den Wettkämpfen.

Hier der Vollzeitjob, da die Passion

Für einen, der nach wie vor nicht vom Sport allein lebt und seiner Passion dank vieler Sponsoren nachgehen kann, ist das viel Aufwand. „Eigentlich bin ich Hobbysportler. Aber einer, der das professionell macht“, meint er lachend. Seit Abschluss seines Maschinenbau-Studiums arbeitet Schwandke als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule in Kempten. Vollzeit. Der 28-Jährige meint: „Ich konnte mir mein Umfeld mittlerweile so einrichten, dass es zum Sport passt.“