Fußball im Allgäu

Weit weg von der Normalität: Trainingsauftakt beim FC Memmingen

Memmingen

Über 40 Spieler des Regional- und Landesligakaders trainierten auf dem Gelände des FC Memmingen.

Bild: Olaf Schulze

Über 40 Spieler des Regional- und Landesligakaders trainierten auf dem Gelände des FC Memmingen.

Bild: Olaf Schulze

Junge Gesichter, ein topfitter Trainer und ein ziemlich deutlicher Seitenhieb.

02.08.2020 | Stand: 19:44 Uhr

So viel Betrieb war im Memminger Stadion seit viereinhalb Monaten nicht mehr. Zum offiziellen Trainingsauftakt des FC Memmingen tummelten sich über 40 Spieler des Regionalliga- und Landesliga-Kaders auf dem Gelände, dazu Trainer, Betreuer und Funktionäre. Die Rückkehr zu einem Stück Normalität. Aber normal ist in diesen Zeiten nichts. Das wurde schon bei der Begrüßung und den ersten Ansprachen klar. Wegen der Abstandsregeln standen die Spieler breit gefächert und sie mussten schon die Ohren spitzen, damit das Gesagte auf die Entfernung zu ihnen durchdrang.

Seitenhieb gegen die, "die wegen des Geldes" den Klub verlassen haben

„Mir geht das Herz auf“, sagte Präsident Armin Buchmann, als er nach Monaten der Ungewissheit in eine so große Anzahl an Gesichtern blickte. Der FCM-Chef machte klar, um was es in nächster Zukunft in der Corona-Krise weiter geht, „nämlich nur um den Verein“ und dankte allen, die bereit sind daran mitzuwirken – nicht ohne einen Seitenhieb auf „die sieben oder acht, die des Geldes wegen“ den Klub verlassen haben.

Memmingen
Armin Buchmann bei der Begrüßung.
Bild: Olaf Schulze

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Einige Zaungäste verfolgten das Geschehen hinter den Stadiontoren und von der Terrasse der Stadiongaststätte aus gebührendem Abstand. Auf das Gelände dürfen sie nicht. Nicht einmal FCM-Urgestein Dieter Degenhart, der den großen Kader wohlwollend zur Kenntnis nahm: „Jetzt hoffen wir, dass auch die Qualität ausreicht“. Noch hat niemand den Altersschnitt ausgerechnet, aber die ganz jungen Gesichter waren deutlich in der Überzahl. Erfahrung soll noch in der Innenverteidigung dazukommen. Deshalb wurden Robin Urban (zuletzt VfB Homberg) und Leonhard von Schrötter (FC Augsburg II) zwei Akteure im Probetraining getestet. Von Schrötter ist gerade 21, Urban immerhin schon 26, kann fast 150 Regionalliga-Einsätze vorweisen und klingelte mit Regensburg, Halle und Düsseldorf in Liga drei und zwei an. Ob es zu einer Verpflichtung kommt „wird man sehen“, darüber entscheiden in Kürze der Sportliche Leiter Thomas Reinhardt und Cheftrainer Esad Kahric.

Kahric wirkt an diesem heißen Samstagvormittag ziemlich aufgeräumt, freut sich, dass es wieder losgeht, und will den Umbruch mit Ehrgeiz und Disziplin angehen. Er selbst geht mit bestem Beispiel voran: Der 61-jährige – fortwährend immer selbst sportlich aktiv – steht noch ranker und schlanker, so wie zu seiner besten Aktivenzeit, vor seinen Kickern.

Stadt gibt kurzfristiges Okay zum duschen

Die erste Einheit dauerte auf drei Fußballfeldern und den weiten Laufwegen über zwei Stunden. Betreuer Joachim Schmidbauer war froh, dass die Stadt Memmingen entgegen der Beschränkungen kurzfristig doch noch erlaubt hat, dass in einem Kabinentrakt hinterher die Duschen geöffnet werden durften: „Sonst hätte ich einen Schlauch rausgelegt und die Jungs abgespritzt“. Normal ist in diesen Zeiten nichts.